Balbina von Andlau

Bon anniversaire, Balbina!

Balbina von Andlau hat zusammen mit ihrem Cousin Heinrich von Ligertz die Ermitage in Arlesheim begründet. Balbina würde dieses Jahr ihren 280. Geburtstag feiern. Sibylle von Heydebrand hat sich auf die Spurensuche nach dieser ausserge­wöhnlichen Frau begeben und bietet zusammen mit Fabia Maieroni vier thematische Führungen durch die Ermitage an.

BirsMagazin: Weshalb sind Sie so fasziniert von der Ermitage und von Balbina von ­Andlau?

Sibylle von Heydebrand: Schon als Kind bin ich mit meinen Eltern und meinen Geschwistern regelmässig in der Ermitage spazieren gegangen. Es ist ein wunderbarer Ort, einzigartig für die Schweiz. Erst später, als ich mich intensiver mit der Ermitage beschäftigt habe, lernte ich die Hintergründe dieses Gartens kennen. Nun, anlässlich des 280. Geburtstags von Balbina, habe ich mich auf die Spurensuche begeben. 

War es schwierig, die Informationen zu Bal­bina von Andlaus’ Leben zu finden?

Grundsätzlich ist es leichter, Informationen über Männer aus der Vergangenheit zu finden als über Frauen. Hinzu kommt, dass Balbina, als sie aus Arlesheim flüchten musste, in erster Linie offizielle Dokumente mitnahm. In den Wirren der Französischen Revolution sind viele persönliche Dokumente verloren gegangen. Dank der wissenschaftlichen Arbeit von Dr. Vanja Hug, die die Geschichte der Ermitage umfassend erforscht hat, können wir an den Führungen das wenige, das über Balbinas Leben bekannt ist, weitergeben. 

Wer war also Balbina von Andlau?

Balbina hatte eine schwierige Kindheit. Ihr Vater starb, als sie zehn Jahre alt war und die Mutter tauchte drei Jahre später unter, weil der französische König aus unbekannten Gründen Haftbefehl gegen sie erliess und sie ins Kloster verbannen wollte. So war Balbina von Staal zu Sulz und Bubendorf mit 13 Jahren Waise, zusammen mit ihrem 10-jährigen, geistig behinderten Bruder. Zum Glück konnten Balbina und ihr Bruder beim Onkel in Pruntrut aufwachsen. In ihrem Cousin Heinrich von Ligertz fand sie einen Vertrauten und Spielgefährten, da Heinrichs Geschwister mehr als zehn Jahre jünger waren. 

Wie kam Balbina nach Arlesheim?

Sie heiratete Franz Carl von Andlau. Als er 1763 Landvogt der Herrschaft von Birseck wurde, zogen sie nach Arlesheim. Zur gleichen Zeit wurde Balbinas Cousin, Heinrich von Ligertz, Domherr und auch er zog nach Arlesheim. 

Wie entstand dieses gemeinsame Gartenprojekt?

Die adlige Gesellschaft und das höhere Bürgertum hatten in dieser Zeit grosses ­Interesse an der Gartenkunst. Heinrich von Ligertz und Balbina von Andlau teilten diese Liebhaberei. Auch ist belegt, dass sie sich tatkräftig um praktische Belange wie das Bezahlen der Handwerker kümmerte und einen Teil ihres Vermögens in die Gartenanlage investierte. 

Was war Balbina für ein Mensch?

Balbina wird als feingebildet beschrieben und hat zur sogenannten Société d’Arles­heim gehört. Diese Gesellschaft war ein geselliger Zirkel, in dem sowohl katholische Adlige aus dem Fürstbistum als auch protestantische Basler Bürger aus der Oberschicht freundschaftlichen Umgang in aufklärerischer Toleranz pflegten. Nach der Eröffnung der Ermitage 1785 hielt sie sich regelmässig als Gastgeberin im Garten auf. Am 23. November 1792 marschierten die Franzosen in Arlesheim ein und zwei Tage später starb Balbinas Ehemann Franz Carl von Andlau. Das beschauliche Leben fand ein abruptes Ende und die Witwe musste mit ihren Kindern flüchten. Bis zu ihrem Tod kam sie nie mehr zurück nach Arlesheim.


Wer sich noch mehr mit Balbina von Andlau beschäftigen will, kann dies bei vier thematischen Führungen tun.


Interview: Jay Altenbach-Hoffmann, Bilder: zVg; Foto Gemälde: © Rolf Göhring Basel; Foto Portrait: © Sibylle von Heydebrand