Panoramablick vom Schlatthof auf das Aescher Feld

Panoramablick vom Schlatthof auf das Aescher Feld. Bunt- und Hasenbrachen sind mit roten Pfeilen markiert.

Django auf Hasenjagd 

Seit Mitte Januar sollte man eigentlich Feldhasenmänner beobachten können, wie sie, um Weibchen buhlend, sich hakenschlagend verfolgen und wahre Boxkämpfe veranstalten. Wenn es sie noch gäbe, die Hasen. Seit 1994 steht der Feldhase in der Schweiz auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten; der Bestand ist dramatisch gesunken. 
Was sind die Gründe? Intensive Landwirtschaft, Pestizide, Greifvögel, Raubtiere? An den Jägern kann es nicht liegen, seit Jahren fehlen Baselbieter Hasen auf den Speisekarten.

Hopp Hase!

Die Intensivierung der Landwirtschaft spielt sicher eine Rolle. Der Einsatz von Pestiziden und Dünger, riesige Getreidefelder ohne Kraut- und Staudenfluren und der Einsatz grosser Maschinen macht den Hasen das Leben schwer. Um den Problemen auf den Grund zu gehen und um den Hasenbestand wieder auf die bestandserhaltende Zahl von zehn Tieren pro Quadratkilometer zu erhöhen, wurde im Jahr 2008 durch Baselbieter Naturschutzverbände und den Jagdschutzverband das Projekt «HOPP HASE» gestartet. Erfreulicherweise stiessen die Initianten mit ihrem Anliegen bei vielen Landwirten auf offene Ohren, viele wollten einen aktiven Beitrag leisten. Im Laufental, in Wenslingen und in Aesch wurden Versuchsflächen bestimmt, die hasenfreundlich gestaltet und bewirtschaftet wurden. In den grossen Feldern wurden Streifen mit Buntbrachen angelegt, um den Tieren geschützte Lebensräume zu bieten. Um später die richtigen Strukturen fördern zu können, wollte man herausfinden, wo in der Kulturlandschaft die Junghasen am längsten überleben. 
Die Fruchtbarkeit der Feldhasen ist legendär, von Anfang Februar bis im Oktober bringen die Weibchen drei- bis viermal Junge zur Welt, jeweils zwei bis vier. Die neuge­borenen, nur gut hundert Gramm schweren Häschen kommen behaart und sehend zur Welt und verlassen den Geburtsort sofort, um sich in der näheren Umgebung – jedes Jungtier für sich – zu verstecken. Einmal  täglich kommt die Häsin vorbei, um sie zu säugen. Bis sie etwa vier Wochen alt sind, bleiben sie versteckt und bewegen sich kaum von der Stelle. Trotzdem ist das die gefährlichste Zeit, etwa 90 Prozent der Jung­hasen überleben die ersten Lebenswochen nicht. 

 

Ein Junghase in einer Hasenbrache

Ein Junghase in einer Hasenbrache

 

Auf der Suche nach Junghasen

Die Biologin Denise Karp beschloss im Früh­jahr 2013, ihre Doktorarbeit den Junghasen zu widmen. Auf der Fläche in Aesch verbrachte sie zusammen mit ihren Assistentinnen hunderte von Stunden, um junge Hasen aufzuspüren und mit Sendern zu versehen. Doch wie findet man ein Geschöpf in der Grösse eines Tennisballs, das sich kaum bewegt und praktisch keinen ­Eigengeruch hat, auf einer 14 Hektaren gros­sen Fläche? Denise Karp ging zuerst mit ­einer Wärmebildkamera auf die Pirsch. Entlang der Wegränder und bei tiefer Vegeta­tion war das machbar, im Feldinnern aber war der Aufwand im Verhältnis zum Erfolg enorm. Sie montierte darum eine Wärmebildkamera an eine ferngesteuerte Drohne. Damit konnte sie die Felder flächendeckend abfliegen und auch tatsächlich einige Junghasen entdecken, technisch aber funktionierten die Flugobjekte eher unzuverlässig. 

 

Django wartet gespannt auf seine Ausbildung.

Django wartet gespannt auf seine Ausbildung.


Und dann kam Django ins Spiel. Obwohl Fachleute überzeugt waren, dass es unmög­lich sei, einen Hund so auszubilden, dass er einen fast geruchslosen Junghasen überhaupt findet und ihn dann entgegen seinem Trieb nicht tötet, konnte sich Denise Karp von dieser Idee nicht lösen. In Martin Biedermann, einem langjährigen Diensthundeführer der Berner Kantonspolizei, fand sie einen kompetenten Fachmann. Und dann kam Django dazu, ein junger Hund, der sich als absoluter Glücksfall entpuppte. Nachdem es gelungen war, den kaum vorhandenen Hasenduft doch noch auf Djangos Spielzeug zu übertragen, begann die Lehrzeit, die der Hund mit viel Elan und Freude mitmachte. Er begriff unglaublich schnell, welch zentrale Rolle er in diesem Projekt spielen sollte, und streifte auf der Suche nach Junghasen stundenlang durch die Felder und Brachen. Gemessen am Zeitaufwand war Django sogar der tech­nisch hochentwickelten Drohne eine Nasenlänge voraus.

 

Django hat seinen ersten Junghasen entdeckt.

Django hat seinen ersten Junghasen entdeckt.

 

Wie weiter?

Die Feldarbeit wurde im November 2015 ab­geschlossen, die Auswertungsresultate werden im Herbst 2016 erwartet. Es ist aber jetzt schon klar, dass dank der Buntbrachen und der Mitarbeit der Landwirte der Hasen­­bestand wieder zugenommen hat. Die Hasen (auch andere Kleintiere und Vögel) bevorzugen die Brachen; sie haben gemerkt, dass sie dort vor Maschinen und Räubern besser geschützt sind. Und noch eines ist klar: Wenn das eidgenössische Schwingfest im Jahr 2022 tatsächlich in ­Aesch stattfinden sollte, wäre die jahre­lange Arbeit für den Feldhasen dort für die Katz gewesen. Und Django wäre – zu Recht – stinksauer.

 

Text: Toni Lerch; Fotos: zVg und Toni Lerch (Panorama)