Solothurn von der Aare aus gesehen

Italienische Grandezza und französischer Charme

Solothurn zu den schönsten Kleinstädten der Schweiz zu zählen, ist wahrlich keine Übertreibung. Die Barockstadt mit Sitz des Bistums Basel hat nicht nur eine traditionsreiche geschichtliche Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart einiges zu bieten.

Solothurn, die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons, der seine Fühler bis zur Ne­pomukbrücke in Dornach und ins hintere Leimental ausstreckt, liegt im Schatten der grossen Verkehrswege und wird deshalb zu Unrecht oft links beziehungsweise rechts liegen gelassen. Die kompakte Altstadt strahlt eine wohltuende Beschaulichkeit aus. Vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil es die Stadtoberen verstanden haben, den Stadtkern ab 11.30 Uhr effektiv vom Motorfahrzeugverkehr zu befreien. 

Die Botschafter-Stadt

Geprägt von der Architektur aus der Zeit der Botschafter des französischen Königshauses (1530–1792) wird Solothurn auch die «Ambassadorenstadt» genannt. Der prächtige barocke Baustil ist in der Altstadt allgegenwärtig. Solothurn verbindet eine harmonische italienische Grandezza mit fran­zösischem Charme und deutschschweizerischer Bodenständigkeit. Das Stadtbild ist geprägt von der alles überragenden St. Ursen-Kathedrale, dem geistlichen Zentrum des Bistums Basel. Das Wahrzeichen der Stadt ist mit einem weiss-grauen Solothurner Stein gebaut, der im Sonnenlicht wie Marmor erstrahlt. Der Erbauer der Kathe­drale, Gaetano Matteo Pisoni von Ascona, stellte das imposante Bauwerk genau in die Mittelachse der Hauptgasse. Vom 66 Meter hohen Turm, der bestiegen werden kann, hat man einen herrlichen Ausblick über die Stadt, den Aarelauf bis zu den ­Alpen und auf die Juraketten. Patriziersitze, Bürgerhäuser, Türme, Tore, Figurenbrunnen und Giebel deuten in der Stadt an der Aare auf eine traditionsreiche Vergangenheit hin und ergänzen die lebhafte Gegenwart mit geschichtlichen Zeugen. Auf den Plätzen und Gassen herrscht reges Treiben, das jeweils am Mittwoch- und Samstagmorgen mit einem Bauernmarkt ergänzt wird.

Die «heilige» Zahl 11

Bei den Recherchen zu diesem Artikel stiessen wir immer wieder auf die «heilige» Zahl 11. Solothurn trat als 11ter Kanton im Jahre 1481 der Eidgenossenschaft bei. In der Stadt gibt es 11 Kirchen und Kapellen, 11 Museen, 11 historische Brunnen, 11 Stadtplätze und 11 Türme. Wen wunderts da noch, dass sich in der St. Ursen-Kathedrale 11 Altäre sowie 11 Glocken finden und dass ihre imposante Freitreppe sich in Abteile zu je 11 Stufen gliedert? Auch im politischen und gesellschaftlichen Leben spielt die Zahl 11 oder ein Vielfaches von 11 seit jeher eine wich­tige Rolle. So gab es früher 11 Alträte, 22 Jungräte, 33 Kleinräte und 66 Grossräte. Selbstverständlich gab es in der Ambassadorenstadt auch 11 Zünfte. Wer diesen Faden noch weiterspinnen und mehr Details darüber erfahren möchte, dem sei die Broschüre «Solothurn – eine Stadt und ihre Zahl» empfohlen.

 

Altstadt Solothurn

 

Flanieren, lädele, geniessen

Durch die Kompaktheit und Überschaubarkeit eignet sich Solothurn ideal zum gemütlichen Einkaufs- und Flanierbummel. Neben den Geschäften mit Produkten für den Alltag finden sich auch einige entdeckenswerte Kleinläden und Spezialitätengeschäfte. Ein Beispiel dafür ist das Tapeten- und Kolonialwarengeschäft an der Haupt­gasse 36. Das Geschäft wurde 1830 als «Colonial- und Farbwaren, Tapetenlager» gegründet. Heute führt Urs Jeger in dem noch ursprünglich ausgestatteten Ladenlokal Kolonialwaren wie Tee und Kaffee, eine grosse Auswahl an Kerzen und Tapeten. Beim Betreten des Ladens umgibt einem die Aura der Kolonialzeit. Auch in der Gastronomieszene hat die Ambassadorenstadt erstaunlich viel zu bieten. Neben traditionellen Gaststätten mit währschafter Küche finden sich eine schöne Zahl tren­diger Lokale mit einer marktorientierten Saisonküche und innovativen Angeboten (siehe Kasten).
Gemessen an ihrer Grösse – die Stadt zählt knapp 17000 Einwohnerinnen und Einwohner – verfügt Solothurn über ein reichhaltiges Kulturleben. Neben permanenten Angeboten in Galerien, im Kleintheater und in zahlreichen Museen gibt es jährlich widerkehrende Veranstaltungen von nationaler Bedeutung, zum Beispiel die Solothur­ner Filmtage, die Literaturtage und im Zwei-Jahres-Rhythmus das Classic Openair.
www.solothurn-city.ch

 

Text: Werner Thüring, Fotos: Region Solothurn Tourismus und Werner Thüring