Foto zVg

 Die ältere Generation  kommt in Bewegung

Ab Mai sorgt auf der Arlesheimer Zirkuswiese ein Bewegungspark dafür, dass Seniorinnen und Senioren Körper und Geist in Schuss halten können. Die Organisatoren möchten sich mit dem Angebot explizit von bereits bestehenden Bewegungsparks 
in der Region abheben. Boule-Bahn, Schach und Sitzgelegenheiten machen den Park zur Begegnungszone.

 

Die klirrende Kälte hatte das Baselbiet im Januar fest im Griff. Auch rund um die Arles­heimer Schulanlage Gerenmatte pfiff eine eisige Bise. Aufgrund des anhaltenden Bodenfrosts ruhte hier der Bagger – nicht aber der Enthusiasmus von Christina Hatebur, wenn sie auf den Bewegungspark zu sprechen kommt, der hier seit Anfang Dezember 2016 im Bau ist. «Der Park soll nicht nur ein Ort der Bewegung sein, wo Körper und Geist gefördert werden, sondern auch einer der Begegnung», sagt sie als Vorstandsmitglied und Verantwortliche für die Kommunikation des Vereins Bewegungspark Arlesheim. An und für sich ist es ja um Möglichkeiten zur Begegnung von Alt und Jung in der schmucken Birsstadt-Gemeinde nicht schlecht bestellt. Das verkehrsberuhigte Zentrum mit vielen Cafés und Restaurants, der Domplatz und die Ermitage sind beispielsweise Orte, die gerne und oft frequentiert werden. «An einem Ort der Begegnung ausschliesslich für Seniorin-nen und Senioren und für körperlich und geistig behinderte Mitmenschen fehlte es aber bislang. Ausserdem lässt sich nirgends Bewegung mit Begegnung verbinden. Da füllt der Bewegungspark eine Lücke», sagt Hatebur. 

Mit Tempo unterwegs

Diese Lücke zu füllen, ist denn auch die Hauptmotivation des Vereins Bewegungspark Arlesheim, dessen Vorstand das Bewegungsangebot und die Gelegenheit zu sozialen Kontakten für die wachsende äl­tere Bevölkerung fördern will. Bei diesem Unterfangen legt das Gremium ein beacht­liches Tempo vor: Im Sommer 2015 wurde der Verein gegründet, im Dezember 2016 der Spatenstich vollzogen und im Mai dieses Jahres soll der Bewegungspark bereits feierlich der Arlesheimer Bevölkerung über­geben werden. Das Tempo überrascht um­so mehr, wenn man weiss, dass der Verein den Park, der mit rund 230000 Franken zu Buche schlägt, weitgehend selbst finanzieren will. 

Noch nicht am Ziel

Dementsprechend wurden Sponsoren und Gönner gesucht – und auch schnell gefunden. Der Lotteriefonds Baselland hat einen Teil des Budgets für die Bewegungsgeräte übernommen. Weitere namhafte Beträge sind von Firmen, Stiftungen und Institutionen eingegangen. Das vom Verein initiierte Crowdfunding via Portal der Basellandschaftlichen Kantonalbank schloss ebenfalls erfolgreich ab. «Wir sind begeistert, dass gerade auch vom kommunalen und regionalen Gewerbe viele Spenden ein­gegangen sind», sagt Christina Hatebur. Zudem sponsern auch die drei Infrastrukturpartner (Park, Geräte und Bänke) gross­zügig. Nichtsdestotrotz sei man aber noch nicht am Ziel und nach wie vor fleissig auf der Suche nach Sponsoren oder Spendern (siehe auch Infobox S. 60). Mit rund 5000 Franken pro Einheit weisen die wetter- und vandalensicheren Geräte aus Edelstahl auch einen stolzen Preis auf. 
Die Einwohnergemeinde Arlesheim figuriert ebenfalls auf der Liste der Geldgeber, und sie spielt für die Unterstützung des Projekts eine wichtige Rolle: Einerseits wurde die Idee im aktuellen Altersleitbild der Gemeinde verankert. Andererseits werden die betroffenen 650 Quadratmeter des unteren Teils der sogenannten Zirkuswiese in Form einer Gebrauchsleihe zur Verfügung gestellt. Durch die Errichtung des Bewegungsparks wird die Nutzung der Wiese für Zirkusse und weitere temporäre Veranstaltungen nicht tangiert. 

Oldies only

Die Idee einer öffentlichen Anlage, in der die Bevölkerung niederschwellig und un­gezwungen an Geräten trainieren kann, ist indes nicht neu. Nach 2010 sind in der Re­gion einige solche Angebote entstanden, oftmals mit Unterstützung des kantonalen Sportamtes (siehe Infobox S. 61). Christina Hatebur betont, dass sich der Arlesheimer Bewegungspark in mehrfacher Hinsicht von den bestehenden Angeboten entscheidend abheben will. «Viele Bewegungsparks sind als Generationenangebot konzipiert, wo sich Alt und Jung mischen. Wir wollen aber bewusst die ältere Bevölkerung sowie körperlich und geistig behinderte Menschen dazu animieren, unser Angebot zu nutzen», bekräftigt sie. So ist der Arlesheimer Bewegungspark komplett mit Rollstuhl und Rollator zugänglich und nutzbar. Der spezielle Saibro-Belag ist rutschfest und beugt so Stürzen vor, vor denen sich viele Seniorinnen und Senioren mit Gehschwäche fürchten. Auf zwölf Sitzbänken kann man plaudern und sich ausruhen. Weiter wird auch eine Trinkgelegenheit geboten und für den Gang auf die Toilette bietet sich die nahe Schulanlage Gerenmatte an. 

Einführungsangebote

Viele der bestehenden Bewegungsparks sind offen gestaltet und somit gut einsehbar. Das dürfte zwar Neugierige anlocken, gleichzeitig aber gerade auch ältere Personen davon abhalten, die Geräte zu nutzen, um sich nicht öffentlich zur Schau zu stellen. «Bei uns ist das ganze Gelände bewusst vertieft und von einer Naturhecke umgeben. Die Einteilung in drei Inseln sorgt dafür, dass die einzelnen Geräte voneinander separiert sind», sagt Christina Hatebur. 
Die Bestrebungen des Vereins kommen nicht nur bei der Gemeinde gut an, sondern auch bei den betroffenen Zielgruppen. So wurde beispielsweise am Arlesheimer Herbstmarkt mit einer Standaktion für das Projekt geworben und die Seniorinnen und Senioren hatten Gelegenheit, die künf­tigen Sitzgelegenheiten zu testen und bei der genauen Ausarbeitung mitzureden. Gut kommt auch die Idee an, hier nicht nur eine Infrastruktur zu schaffen, sondern diese auch langfristig zu bespielen. 
Es sind diverse Einführungskurse geplant – zum Beispiel zum Thema Sturzprophylaxe –, um die Zielgruppe von Anfang an auf das Angebot aufmerksam zu machen und längerfristig sprichwörtlich bei der Stange zu halten.
 

Text: Simon F. Eglin, Fotos: zVg