Die Zelt-Kuppel vor dem Messehochhaus. Foto ZvG

Die Zelt-Kuppel vor dem Messehochhaus. Foto ZvG

Circus, Classic, Comedy: Das ganze Zelt ist Bühne 

Seit 15 Jahren tourt DAS ZELT an 19 Spielstätten in der ganzen Schweiz. Beim Gastspielort Basel reicht das Angebot vom Young Stage Festival über den Classic meets Circus bis zum Comedy-Act DivertiMento. Direktor Adrian Steiner ist Herr über eine Zeltstadt mit einer Hundertschaft von Mitarbeitenden.

 

Einen Zirkusdirektor stellt man sich anders vor. Adrian Steiner ist auch kein Dompteur, der wilde Tiere dressiert. Er engagiert Ar­tisten und Comedians der Schweizer Showszene sowie internationale Showacts.
Das Grand Chapiteau ist 15 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 38 Metern. Es fasst bis zu 2000 stehende Besucher. Bei Hospitality-Anlässen können bis 400 Gäste an festlich gedeckten Tafelrunden kulinarische «Artistik auf dem Teller» erleben. Eine Zelt-Welt, die ganz Bühne ist. 

 

Direktor Adrian Steiner. Foto ZvG

Direktor Adrian Steiner


Schon als zwölfjähriger Bub präsentierte Adrian Steiner seine Kunststücke im Zelt des «Quartier Circus Bruederholz», das in den Sommerferien beim Wasserturm aufgestellt war. Im Duo mit der Fahrrad-Akrobatin Anja Wyttenbach, der Tochter des Komponisten Jürg Wyttenbach, zeigten die beiden dem staunenden Publikum ihre Nummern. Das Duo schaffte den Sprung zum Circus Knie. Es folgten Gastauftritte von München bis Puerto Rico. Dann ging Anja Wyttenbach ihre eigenen Wege. Seit zwanzig Jahren tritt sie in der «O-Show» des Cirque du Soleil in Las Vegas auf, 2017 als Akrobatin «Aurora». Adrian Steiner wählte die akademische Lauf­bahn mit Studium der Jurisprudenz samt Promotion zum Thema «Urheberrechtliche Schutzfähigkeit der Zirkus- und Varietékunst». Mit der Dissertation will er die freie Szene der Artisten vor dem Raub ihres geistigen Eigentums schützen.

Aufwändige Zeltbauten 

Die Kulturplattform auf der Bieler Arte­plage bei der Expo.02 war der Startschuss zum Zeltunternehmen. Adrian Steiner und der Seiltänzer David Dimitri starteten erste Tourneen. Seither wird DAS ZELT an 19 Stand­orten in der Deutschschweiz, der Romandie und im Tessin aufgeschlagen. Allein der Aufbau des tonnenschweren Materials samt Bühne, Beleuchtung und Ton-Anlage beansprucht jeweils vier Tage. Als «Gschpänli» des Hauptzelts feiert das Kinderzelt in diesem Jahr seinen 10. Geburtstag mit dem Kindermusical «Pippi feiert Geburtstag». Ein junger Stern am Zelthimmel ist das Festival «Young Stage Festival» mit seinen Shows an sechs Abenden in Basels Rosentalanlage.
2016 produzierte DAS gross geschriebene ZELT erstmals die Eigenkreation «Classic meets Circus». Ein «Hybrid», wie Adrian Steiner die Verbindung von Klassik und ­Artistik bezeichnet. Das Zirkusspektakel wird begleitet vom 50-köpfigen Orchester «Musikkollegium Winterthur» unter der Leitung von Reto Parolari, dem Maestro der gehobenen Unterhaltungsmusik.

 

Das ZELT. Foto ZvG

Arbeitgeber einer Hundertschaft

Das Unternehmen hat seinen Firmensitz in Basel. Mit der Musik-Akademie als Nach­barin im Rücken sind die administrativen Zelte am Leonhardsgraben aufgeschlagen. In den verwinkelten Räumen des Altbaus brüten die jungen Mitarbeitenden wie in einem Architekturbüro über den Bildschirmen. Von hier aus werden die Acts und Shows gesteuert. Die Bel Etage des Sitzungszimmers gibt den Blick frei zum Holbeinplatz. Das Gespräch mit Adrian Steiner ist höchst anregend. Ohne öffentliche Subventionen steuert der Jurist das hundertköpfige Unternehmen mit Künstlern und Mitarbeitenden im Backstage-Bereich, in der Administration sowie beim Catering. Die «Heads» sind weiblich: Neben Cathrine M. Steiner (Management Board) zeichnen sich die Head of Sales & Events, Susanne ­Danioth und die Head of Showproduction, Nadja Hauser sowie Xenia Steiner für das Artist-Booking & Tourplanning verantwort­lich. Ganz ohne Subven­tionen der öffent­lichen Hand ist das Zelt-Unternehmen 
auf namhafte Sponsoren angewiesen. Als Haupt­partnerin engagiert sich die PostFinance, als nationale Partnerin die Mobiliar.
An der Pinnwand prangt das Unternehmensleitbild: «Wir schaffen einen kulturellen Mehrwert für unsere Gesellschaft und fördern Kultur für alle ... Für uns steht der Künstler im Zentrum ... DAS ZELT ist ein gewinnorientiertes Unternehmen.»
Welches sind die ZELT-Ziele der Zukunft? «Unter dem Aspekt der ökonomischen Mög­lichkeiten eine möglichst hohe Qualität der Darbietungen erreichen», lautet das Credo von Adrian Steiner. Der Publikumserfolg gibt ihm recht: Die Grenze von 200000 Besuchern pro Jahr könnte 2017 überschritten werden. 
Für sein künstlerisches und kaufmännisches Engagement als namhafter, kultureller Arbeitgeber dürfte die Heimatstadt Basel ­Adrian Steiner ruhig einmal ein Kränzchen winden.

 

Text: Jürg Erni, Fotos: zVg