Simon ist Stammspieler beim FC Luzern. Foto: Martin Meienberger, Hitzkirch

Simon ist Stammspieler beim FC Luzern. Foto: Martin Meienberger, Hitzkirch

Der Reinacher Fussballprofi beim FC Luzern

Simon Grether (24) spielt seit dieser Saison beim FC Luzern. Der Reinacher begann seine Karriere beim lokalen Fussballclub und wechselte als 14-Jähriger zu den Junioren des FC Basel. Nach verschiedenen Engagements ist er nun beim FC Luzern gelandet, wo er auf weitere Basler traf.

 

Simon Grether scheint es gut zu gehen. Diesen Eindruck erweckt der sympathische junge Mann jedenfalls, als er sich nach einer Physiotherapie mit mir trifft. «Ja, ich bin sehr zufrieden», bestätigt er meinen Eindruck, «ich habe eines meiner beruflichen Ziele erreicht.»
Simon spielte als Bub beim FC Reinach. Als 14-Jähriger fiel er Remo Gaugler auf, dem damaligen U15-Trainer des FC Basel. Es brauchte mehrere Gespräche, auch mit seinen Eltern, bis er den Schritt wagte und nach Basel wechselte. Im damaligen U15-Team traf Simon auf Mitspieler wie Granit Xhaka (Arsenal London), Roman Buess (FC St. Gallen), Sandro Wieser (Reading FC) und Benjamin Siegrist (FC Vaduz), welche heute ebenfalls als Profis ihr Geld verdienen. 
Sein Leben war nun stark auf Fussball ausgerichtet. Nebst etwa sieben Trainingseinheiten pro Woche und Spielen am Wochen­ende, absolvierte Simon, als Angehöriger der Sportklasse, die Wirtschaftsmittelschu­le (WMS) in Reinach, die er mit Erfolg abschloss.
Simon entwickelte sich kontinuierlich weiter und durchlief beim FCB sämtliche Alters­kategorien. In der U21 machte er unter den Trainern Patrick Rahmen und Carlos Bernegger so grosse Fortschritte, dass er einen Profivertrag erhielt. Er trainierte fortan mit der 1. Mannschaft und war bereit für den nächsten Schritt. Der Trainerwechsel von Heiko Vogel zu Murat Yakin im Herbst 2012 durchkreuzte jedoch seine Pläne. Er merkte bald, dass er nicht ins Konzept des neuen Chefs passte. Nach ein paar Teileinsätzen im Fanionteam entschloss sich Simon, seine Karriere neu zu lancieren. Anstatt seinen Vertrag beim FCB einfach «auszusitzen», liess er sich zur AC Bellinzona und später zum FC Winterthur ausleihen, um Spielpraxis zu bekommen.

 

Simon Grether. Foto: Martin Meienberger, Hitzkirch

 

In der Quali zur Euroleague gegen Sassuolo. Foto: Martin Meienberger, Hitzkirch

In der Quali zur Euroleague gegen Sassuolo. Foto: Martin Meienberger, Hitzkirch

 

Und jetzt beim FCL

Im Sommer 2014 war sein Vertrag mit dem FC Basel ausgelaufen und es lag kein neues Angebot vor. Simon Grether wollte im Geschäft bleiben und absolvierte Probetrainings in Biel und bei Eintracht Braunschweig. Notgedrungen meldete er sich auch beim Arbeitsamt an. Glücklicherweise dauerte dieser unangenehme Zustand nur kurz und der FC Wohlen aus der Challenge League bot ihm einen Vertrag an. In der Aargauer Provinz, abseits der grossen Fussballbühne, unter den Trainern Ciriaco Sforza und Martin Rueda, reifte Simon zur wertvollen Teamstütze heran. Remo Gaugler, seinem ehemaligen U15- und U18-Trainer beim FCB, der heute als Sportkoordinator beim FC Luzern wirkt, entging diese erfreuliche Entwicklung nicht. So kam es, dass Simon vom FCL unter Vertrag genommen wurde und nun seit zwei Monaten «in einer herrlichen Umgebung», wie er es beschreibt, Fussball spielen kann. Beim FCL traf er nicht nur auf seinen Mentor Remo Gaugler, sondern auch auf den Dornacher Patrick Rahmen, seinen ehemaligen Juniorentrainer beim FCB, der seit Anfang letzten Jahres beim FC Luzern als Assistenz­trainer angestellt ist. Die «Basler Fraktion» in Luzern wurde zusätzlich durch den Allschwi­ler Cedric Itten erweitert, der in der lau­fenden Saison vom FCB an den FC Luzern ausgeliehen worden ist. Eine interessante Notiz am Rande: Die Verträge mit dem FC Wohlen und dem FC Luzern handelte Simon ganz alleine aus. In Zeiten, wo bereits 15-Jäh­rige mit einem Berater auftauchen, ist er eine wohltuende Ausnahme.
Simon Grethers Leben verläuft also in po­sitiven Bahnen und es macht nicht den Anschein, dass er etwas daran ändern will. Auch privat läuft alles bestens. Seit Ende 2014 ist er mit einer Primarlehrerin aus ­Riehen verheiratet und hat mit seiner Frau eine Wohnung in Meggen (schön am Vierwaldstättersee gelegen) bezogen. Nachwuchs? «Wieso nicht», meint Simon und schmunzelt, «wir sind für alles offen.»

 

Patrick Rahmen aus Dornach ist Assistenztrainer  beim FC Luzern. Foto: Martin Meienberger, Hitzkirch

Patrick Rahmen aus Dornach ist Assistenztrainer  beim FC Luzern. Foto: Martin Meienberger, Hitzkirch


Ich verlasse einen zufriedenen jungen Men­schen, der, obwohl erst 24 Jahre alt, bereits als Persönlichkeit mit Lebenserfahrung seinen Mann stellt. 
Den Kontakt zu Reinach hat Simon nie abreissen lassen. «Natürlich nicht», sagt er, «meine Eltern wohnen dort. Ich komme immer gerne nach Hause.»

 

Text: Heinz Studer, Fotos: Martin Meienberger, Hitzkirch