Wanderwegweiser. Foto Freddy Widmer

Die gesunde Gelb-Sucht

Heute bleiben wir zuhause, setzen keinen Fuss vor die Tür und schon gar keinen vor den andern. «Trockenwandern» sozusagen. Fragen uns stattdessen, wer welche und wieviel Arbeit leistet, damit Schweizer Schritt-Macherinnen und -Macher weder vom Weg abkommen, noch die Spur verlieren.

 

Er läuft und läuft und läuft. Nein, ist kein VW, hat zwei Beine anstelle von vier Rädern, hat schon gar keinen Dreck am Stecken, wenn es um Abgaswerte geht, sondern hat allenfalls zwei Stecken in der Hand, wenn er unterwegs ist. Er kommt aus dem Jura, heisst Pascal Bourquin, ist 50-jährig, Journalist von Beruf, hatte an Langstreckenläufen teilgenommen, einige hohe Berge bestiegen und wäre fit ge­wesen für einen Versuch am Everest. Ver­zichtete aber darauf, weil ihm der dortige Rummel zuwider war und bastelte sich eine eigene Spitzenleistung: Die Schweizer Wanderwege will er alle begehen. Ende 2013 hat er begonnen, rund 15 Prozent hat er bisher abgespult, in etwa 25 Jahren will er fertig sein. Rund 65000 Kilometer hat er abzulaufen – rund anderthalbmal um die Erde. Zunächst will er sich an die schwierigeren Strecken machen, das Mittelland hebt er sich für die Zeit auf, da er vermutlich nicht mehr gleich fit sein wird.
Wer Pascal Bourquin virtuell auf www.lavieenjaune.ch folgen will, stellt fest, dass er grosse Teile der Nordwestschweizer We­ge bereits unter die Füsse genommen und hier bestens präpariertes Gelände angetroffen hat. Präpariert von den «Wanderwegen beider Basel». Rund 20 der über 50 Freiwilligen des Vereins sind alljährlich unterwegs, um die Signalisation im gesamten Gebiet und an den insgesamt 1070 km zu überprüfen, auszubessern oder zu erneuern – Freiwillige mit handwerklichem Geschick und vor allem mit Freude an jenem Sport, der in der Schweiz häufiger ausgeübt wird als jeder andere. Rund 2500 Mitglieder haben die «Wanderwege beider Basel», die Mitgliedschaft kostet 40 Franken (60 Franken für Familien), die Beiträge der Kantone, in deren Auftrag die «Wanderwege» die Wanderwege signalisieren, genügen grad so. Sind aber in jedem Fall gut angelegtes Geld, auch wenn das bekannte Gelb durchaus zur gelben Gefahr werden kann. Aber immerhin, wen es erwischt hat, der leidet nicht, sondern erfreut sich allenfalls einer durch und durch gesunden Gelb-Sucht.

 

Text: Freddy Widmer, Fotos: Freddy Widmer und zVg

 


 

Was der Wegweiser weiss 


Wer auf Schweizer Wanderwegen unterwegs ist, kommt nicht vom richtigen Weg ab – ein bescheidenes Basiswissen vorausgesetzt. Denn bereits der Typus des Wegweisers gibt einige präzise Informationen ab, nicht nur zur Richtung, nicht nur zur be­nötigten Zeit, sondern vor allem zur Schwierigkeit.

 

Die grosse Mehrheit der Schweizer Wan­derwege sind gelb, Bergwanderwege sind weiss-rot-weiss, alpine Routen weiss-blau-weiss und Winterwanderwege pinkfarben signalisiert. Im Bereich der Wanderwege beider Basel gibt es keine Winterwander­wege, keine alpinen Routen und nur gerade etwa zwei Kilometer Bergwanderweg – er führt von der Reigoldswiler Seilbahn-Talstation zur Bergstation Wasserfallen und ist allgemein als «Jägerweg» bekannt.

 

Gelbe Wanderwegsignalisation

Die gelb markierten Wanderwege sind all­gemein zugänglich, bieten keine besonderen Schwierigkeiten, sind aber nicht in jedem Fall auch kinderwagen- oder rollstuhlgängig; sie verlaufen möglichst abseits von Strassen. Der Beginn einer Route oder Kreuzungspunkte von Routen sind mit Schildern versehen, auf denen Zwischen- oder Endziele sowie der Zeitbedarf angegeben sind. 

 

Gelbe Wanderwegsignalisation: Rombus Gelbe Wanderwegsignalisation: Pfeil

Bestätigungen oder Zwischenmarkierungen sind gelb, entweder als Aufkleber in Rhombus-Form oder als Rhombus oder Pfeil auf Steinen, Bäumen, Mauern, Pfählen aufgemalt.

 

Rot-Weisse Wanderwegsignalisation

Bergwanderwege, weiss-rot-weiss signalisiert, sind überwiegend steil, schmal und können exponierte, mit Ketten, Kabeln oder Seilen gesicherte Passagen enthalten.

 

Blaue Wanderwegsignalisation: Pfeil Blaue Wanderwegsignalisation: Linien

Alpine Wanderwege, weiss-blau-weiss signalisiert, erfordern alpinistische Kenntnisse, zum Teil gar Verwendung von Seil und Pickel. 

 

Winterwanderwegsignalisation

Winterwanderwege schliesslich, pinkfarben signalisiert, werden ausschliesslich während der Wintermonate markiert. Sie stellen, ähnlich wie die gelb markierten Wanderwege, keine besonderen Anforderungen an Benützerinnen und Benützer.

 

Spazier- oder Themenwege sind weiss signalisiert; sie werden meist von privaten Organisationen oder von Gemeinden betreut.