Gedanken zu «Geist und Luxus»

«Geist und Luxus»

Das Begleitbuch zur Ausstellung im Kloster

 

Ausstellungen sind rasch vorüber. Was bleibt, ist oft nur ein Katalog. Im Falle der Ausstellung «Geist und Luxus» entschied sich Kuratorin Barbara van der Meulen für ein Begleitbuch, dessen Erscheinungsbild das Thema aufnimmt. Die Schrift auf dem vom Rot ins Weiss changierenden Schutzumschlag ist golden, wie auch das ganze Buch Goldschnitt aufweist. Dafür bleibt die Fadenheftung des Buchblocks sichtbar, was das Werk zwar luxuriös, aber nicht protzig erscheinen lässt. Die unkonventionelle Schriftwahl und der grosszügige Umgang mit dem Platz – die Seiten 40 bis 59 sind ein Blindband für Notizen – bestärken den Eindruck zurückhaltender Eleganz. Wie früher Heiligenbildchen in Bücher eingelegt wurden, so finden sich hier 20 Fotos des Klosters und der Kunstinstallationen. 

Facettenreicher Zugang

Luxus ist ein schillernder Begriff, der meist mit Verschwendung verbunden wird. Die protestantische Tradition tat sich stets schwerer mit Luxus, was die Aufwandgesetze reformierter Städte beweisen. Dass Luxus auch Kultur fördern und erhalten kann, zeigt sich an den von der Kirche oder von Privaten gegründeten Kunstsammlungen. Heute erleben viele Menschen Luxus nicht mehr als etwas nur Materielles. Anstelle von Gegenständen treten authentische Erlebnisse, Freiheit, Zeit, Privatheit und geistige Schätze. Was ist Luxus? Was ist Geist? Mehrere Autorinnen und Autoren haben sich dieser Fragen angenommen. Die Herausgeberinnen Barbara van der Meulen und Marion Fink führen behutsam in die Ausstellung ein. Niko Paech zeigt, dass gerade in einer Zeit von «rasendem Stillstand» (Paul Virilio) durch Informations- und Konsumflut die Selbstbegrenzung erste Voraussetzung für Lebensqualität ist. Ihm geht es um die Lebenskunst eines sinnvollen Umgangs mit den eigenen Ressourcen. Johannes Schleicher, Referent für Spiritualität bei der Fachstelle katholisch.bl.bs, denkt das Begriffspaar vom Johannes-Evange­lium und von Bruder Klaus her. Für Schleicher zentral ist das «Leben in Fülle», das weder Geist noch Luxus ausschliesst. Dinie van den Heuvel stellt die Konzeption und Entwicklung eines Luxus-Labels vor, das höchsten ökologischen und sozialen Standards genügt. Mit der Fotoinstallation von Francesca Petrarca setzt sich Nicolaj van der Meulen auseinander und kommt zum Ergebnis: «Der Luxus von morgen könnte dann vielleicht auch die Banalität von gestern sein.» Abgerundet wird das anregende Werk durch Aufsätze der Kunstschaffenden Andrea Nottaris, Sandra Löwe, Johanna Bühler, Linda Walter, Manuela Dornbierer und Joanna Selinger.

 

Text und Foto: Thomas Brunnschweiler