Foto: Francois Badoux

Begegnungen ohne Grenzen

Während fünf Tagen im Mai wird Basel erneut von Kindern und Jugendlichen bevölkert: Das Europäische Jugendchor-Festival mit über 2000 Sängerinnen und Sängern und 400 Helferinnen und Helfern findet in Basel und der Region statt. 
Ein Fest rund um das gemeinsame Singen! 

 

Wer einmal an einem der vielen Konzerte des Jugendchor-Festivals (ejcf) war, wird um­gehend zur Wiederholungstäterin oder  zum -täter. Die Lebendigkeit, die überschäumende Freude am gemeinsamen Singen der Kinder sind ansteckend und machen Lust, noch mehr Konzerte zu erleben. Aus zehn Ländern wurden die besten Kinder- und ­Jugendchöre von einem künst­lerischen Komitee ausgewählt und ans Festival eingeladen. Sie stammen aus Dänemark, Finnland, Frankreich, Israel, Portugal, Russland, Schweden, Slowenien, Spa­nien und Ungarn. Als Gastchor setzt der Drakensberg Boys Choir aus Südafrika, bestehend aus 55 Buben, einen besonderen Akzent und überzeugt durch seine mitreissende Performance und dem grossen musikalischen Können. Wer sich jetzt schon auf den südafrikanischen Chor einstimmen möchte, findet auf YouTube unzählige Konzertausschnitte und selbst produzierte Filme. Wer weiss, vielleicht motiviert das den einen oder anderen Buben auch zum Singen oder zumindest, das Jugendchor-Festival zu besuchen. 

 

Foto: Guido Schaerli

Foto: Guido Schaerli

 

Matineen für Nachwuchschöre

Selbstverständlich sind diverse Chöre aus der ganzen Schweiz am Festival mit dabei. Sieben Schweizer Chöre nehmen am Haupt­programm teil und über 1200 Singende von Kinder- und Jugendchören beteiligen sich am Rahmenprogramm. An drei Matineen kann sich der Schweizer Nachwuchs präsentieren oder mit den Chören von Süd­afrika oder Schweden an einem Singplausch teilnehmen. Zwei Workshops finden auf dem «Jugendchorschiff» statt, wo sich auch die Portugiesen und die Finnen präsentieren. 
Den Organisatoren ist auch wichtig, dass sich die Chorleiterinnen und -leiter vernetzen und austauschen können. Aus diesem Grund findet am 10. Mai auf dem Jazzcampus ein Treffen statt, wo Noten verkauft werden und andere Musik-Festival-Organisationen sich vorstellen. Im Anschluss an den Steh-Lunch finden drei spannende Workshops statt.

 

Foto: Christian Flierl

Foto: Christian Flierl

 

Spontane Partys inbegriffen

Eine wichtige Rolle spielen beim Jugendchor-Festival die unglaublichen 400 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, welche bei der Organisation der Konzerte mithelfen und einzelne Chöre während des Aufenthalts betreuen. Kathrin Renggli, welche die organisatorische und künstlerische Leitung innehat, sucht zurzeit noch fünf Betreuerinnen und Betreuer für Chöre und etliche Helferinnen und Helfer, die bereit sind, bei der Durchführung der Konzerte einen Einsatz zu leisten. 
Eine wichtige Rolle spielen zudem die Gasteltern, welche Kinder oder Jugendliche von Dienstagabend, 8. Mai bis Sonntag, 13. Mai bei sich zuhause aufnehmen und beherbergen. Sie sind besorgt, dass die Sängerinnen und Sänger jeden Tag ein Frühstück bekommen und zur richtigen Zeit am richtigen Treffpunkt sind. Ausserdem müssen die jüngeren Kinder abends wieder abgeholt werden. Während des Aufenthalts haben die Kinder und Jugendlichen einen freien Abend zur Verfügung. Wie viele spon­tane Partys in dieser Zeit für die Jugend­lichen stattfinden, weiss Kathrin Renggli nicht. Manche Gastorganisationen planen extra für die ausländischen Gäste einen Anlass und auch Gasteltern freuen sich, etwas Spezielles mit «ihren» Kindern zu unternehmen. Für die Organisation der Unter­künfte engagieren sich unzählige Partner des Jugendchor-Festivals wie Musikschulen, Pfarreien und Kirchgemeinden. 

 

Foto: Guido Schaerli

Foto: Guido Schaerli

 

Perfekt durchgeplant

Die Chöre wiederum werden von ortskundigen Betreuungspersonen begleitet. Einer davon ist Fredi Buchmann aus Dornach, der diese Aufgabe sehr gerne übernimmt. Welchen Chor er begleiten darf, erfährt Buchmann erst einen Monat vor dem Festival. Letztes Jahr war er für die Singknaben der St. Ursen-Kathedrale Solothurn zuständig. «Da schaue ich dann, dass die Kinder rechtzeitig bei ihrem Probelokal sind oder begleite sie zu Auftritten. Ganz wichtig ist, dass sie rechtzeitig zum Mittagessen in der Unimensa eintreffen, weil für jeden Chor ein genaues Zeitfenster einberechnet wird», weiss der Pensionär. Es sei eine unglaub­liche Organisation und alles gehe generalstabsmässig vonstatten, schwärmt Buchmann. Gerne erinnert er sich an die vielen Chöre, welche er in den letzten Jahren betreute. Da waren Kinder aus Spanien und Polen, Buben aus Luzern oder Solothurn so­wie die hitzigen Appenzeller. In der Zwischenzeit haben er und seine Ehefrau die neun Jodlerinnen und Jodler auch schon im Appenzell besucht. Die positiven Erfahrungen, welche die Jugendlichen über die Landesgrenzen hinweg erleben, ist für ihn das ganz grosse Highlight des Jugendchor-Festivals und er freut sich schon heute auf «seinen Chor». 
Dies bestätigt auch Kathrin Renggli, welche von überall her Geschichten von berüh­renden Begegnungen erzählt bekommt. «Das Spezielle am Jugendchor-Festival ist, dass die Sängerinnen und Sänger keine Kon­kurrenten sind wie beispielsweise bei Chorwettbewerben. Das Miteinander-Konzertieren öffnet dem Zusammenhalt und der Begegnung Tür und Tor.» Dem Bedürfnis nach Austausch haben die Organisatoren Rechnung getragen, indem sie beim diesjährigen Festival noch mehr Gewicht auf das gemeinsame Singen, auch in der Öffentlichkeit, legen. Besucherinnen und Besucher in Basel können sich während dieser fünf Tage auf so manche unerwar­tete Performance freuen und wer ein Ticket für eines der 40 Konzerte in Basel und der Umgebung erstehen möchte: Am 19. März beginnt der Vorverkauf.

 

Text: Jay Altenbach-Hoffmann, Fotos: zVg ejcf