Grenzen finden – und überwinden. Foto: zVg deinkick.ch

Grenzen finden – und überwinden

In Kletterparks können Mut, Geschicklichkeit und Kraft unter Beweis gestellt werden. Der Seilpark Langenbruck, der zu den beliebtesten Freizeitdestinationen der Region zählt, hat seinen Ursprung im Schneemangel. Anfang März wird die Klettersaison wieder eröffnet.

 

Zur Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Baselbieter Passstrasse-Gemeinde Langenbruck mit der Eröffnung des Skilifts «Untere Wanne» schlagartig um eine bedeutende Attraktion reicher. Treiber des Projekts war Pius Hammer, der seine Euphorie für den regionalen Tourismus auch an Sohn Peter weitergab, der heute Hauptaktionär der nach wie vor existenten Skilift AG ist. «Zur Gründungszeit war das Autobahnnetz noch nicht ausgebaut. Lange nicht jeder konnte sich ein Auto leisten und die Freizeit­ziele in der Region genossen einen hohen Stellenwert», erinnert sich Peter Hammer an seine Bubenjahre. Das Wintergeschäft lief gut in Langenbruck und 1966 wurde ergänzend der Skilift «Obere Wanne» eröffnet, der auch Herausforderungen für ge­übtere Skifahrer bot. 

Rodeln mit Sonnenenergie

Auch heute noch sind beide Skilifte in Betrieb und ziehen an schönen und schneereichen Wochenenden nach wie vor die Massen an – nur sind ebensolche Wochenenden ein äusserst rares Gut geworden. «Ab den 1990er-Jahren sind die Schnee­tage richtiggehend geschmolzen. Hatten wir bis 2000 noch rund 30 Betriebstage, sind es heute im Durchschnitt deren 15», zieht Peter Hammer Bilanz. Mit glänzenden Augen erinnert er sich an den Januar 2017, als zwei Wochen am Stück genug Schnee lag und die Sonne schien. «Es herrschte Hochbetrieb und viele Erinnerungen an früher kamen auf», schwärmt Hammer, der als Architekt in Balsthal und Egerkingen tätig ist. Aber auf den episoden­haften guten Tagen lässt sich nicht aufbauen – und schon gar nicht erfolgreich wirtschaften. 
Deshalb wurde in Langenbruck im September 2001 eine Rodelbahn für die wärmeren Jahreszeiten in Betrieb genommen, die den rückläufigen Skibetrieb querfinanziert. Mit Erfolg: Vor allem in der Startphase wurde die sowohl für Kinder wie auch für Erwachsene konzipierte Anlage förmlich überrannt. Für zusätzliches Interesse an der ­Eröffnung sorgte die Tatsache, dass die Solarbob-Anlage zu rund 80% durch Sonnenenergie betrieben wird. «Wir bieten hier Erlebnisse in der Natur und dazu gehört ein nachhaltiger Umgang mit den Ressourcen», findet Peter Hammer.

 

Grenzen finden – und überwinden. Foto: zVg deinkick.ch

 

Auf der freien Wiese

Die Solarbob-Anlage stiess zwar seit An­beginn auf Interesse, allerdings verweilten die Gäste nur kurz auf dem Gelände. So gedieh die Idee einer weiteren sportlichen Ergänzung und Anfang April 2011 wurde der Seilpark eröffnet. Dieser ist im Gegensatz zu anderen Anlagen nicht in einem Waldstück angelegt, sondern befindet sich «auf der freien Wiese» direkt an der Verbindungsstrasse zwischen Langenbruck und Holderbank. Die markante Metallkonstruktion sticht beim Vorbeifahren unweigerlich ins Auge. «Durch die Nähe zur Solarbob-Anlage können wir beide Angebote kom­binieren. Die Erreichbarkeit sowohl durch den öffentlichen wie auch den privaten Verkehr ist hervorragend. Deshalb haben wir uns für die direkte Nachbarschaft entschieden», sagt Peter Hammer. 
Die Kombination von Kletterpark und Solar­bob-Bahn überzeugt: Bis zu 5000 Kletterfreudige begeben sich jährlich nach Langen­bruck, über 100000 Bobfahrten werden gelöst – viele auch von Schulklassen, die auf ihrem Ausflug sind. Aber auch ausländische Touristen, welche die Stadt Basel besuchen, verbinden ihren Aufenthalt nicht selten mit einem Besuch auf dem Land und sorgen für zeitweise internationales Flair in Langenbruck. «Wir sind schweizweit die Rodelbahn mit der grössten Frequenz und vorne dabei bei den Top-Ausflugszielen in der Nordwestschweiz», sagt Peter Hammer. Wie beim Winterbetrieb ist aber auch der Besuch von Seilpark und Rodelbahn stark abhängig vom Wetter – vor allem in den Schulferien, wenn hier an schönen Tagen Hochbetrieb herrscht.

 

Grenzen finden – und überwinden. Foto: zVg deinkick.ch

 

Abschalten vom Alltag

Der Ursprung der Kletterparks für ein breites Publikum stammt aus Übungsanlagen der Armee, die im alpinen Raum mehr und mehr auch dem Tourismus zugänglich gemacht wurden. In den letzten Jahren haben Kletterparks schweizweit einen wahren Boom erlebt. «Seine eigenen Grenzen kennenlernen und versuchen, diese zu über­winden», nennt Peter Hammer die wohl wichtigste Motivation fürs Klettern. Ausserdem gäbe es nichts Besseres, um vom Alltag abzuschalten. «Beim Klettern ist es ähnlich wie beim Skifahren: Man muss sofort voll konzentriert sein. Für andere Gedanken ist gar kein Platz», meint Hammer. Ausserdem werden Beweglichkeit und Kraft gefördert und selbstverständlich spielt auch der Spassfaktor eine grosse ­Rolle.

 

Grenzen finden – und überwinden. Foto: zVg deinkick.ch

 

Klettern ab 6 Jahren

Der Seilpark Langenbruck wurde so konzipiert, dass Kinder ab 6 Jahren die Anlage nutzen können. «Wir legen höchsten Wert auf die Sicherheit, sowohl beim Klettern wie auch auf dem Solarbob», versichert Peter Hammer. Auf der ganzen Strecke sind die Nutzer mit einer Laufkatze und einem Ganzkörpersicherheitsgurt gesichert. Die Kletterherausforderungen befinden sich in verschiedenen Höhen und weisen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade auf, bis hin zur berüchtigten Strecke 7, die auch erfahrenen Kletterern einiges abverlangt. «Und Kletterinnen», ergänzt Peter Hammer, denn der Anteil Besucherinnen sei im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung beachtlich gross. 
Bereits ab Sonntag, 4. März, ist die Langenbrucker Klettersaison dann wieder eröffnet – wenn das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht.

 

Text: Simon F. Eglin, Fotos: zVg deinkick.ch