Felix Richterich

Felix Richterich Leiter von Ricola. Foto: zVg

Ricola AG: Tradition und Innovation im Einklang

Der Leiter des Familienunternehmens spricht im Interview mit dem BirsMagazin über wichtige Entscheidungsgrundlagen seiner Unternehmensführung, Innovationen und Tradition.
 

Familienbetrieb seit 1930

Aus der Confiserie Richterich von 1930 ist durch Innovation und Qualitätsbewusstsein die Marke Ricola geworden. Emil Richterich ändert 1948 den Namen seines Unternehmens. Aus den Anfangssilben von Richterich & Co. Laufen macht er Ricola und reagiert damit auf die häufigen Verwechslungen: In Laufen gibt es zwei Süsswarenhersteller namens Richterich, deren Vertreter teilweise die gleichen Händler besuchen. Der Ricola-Gründer beendet mit der Namensänderung die Verwechslungen um den «doppelten Richterich».
Das Familienunternehmen exportiert in der dritten Generation mit CEO Felix Richterich seine Kräuterspezialitäten weltweit in mehr als 50 Länder. Ricola gilt als Pionierin im ­naturgemässen Kräuteranbau. Schon früh entstanden enge Verbindungen zu Kultur und Architektur. Davon zeugen etwa die beiden Ricola-Stiftungen und die hauseigene Kunstsammlung.

Wie alles begann

«Wir suchen Kräuter!» Solche Inserate schal­tet Ricola Anfang der 1980er-Jahre schweizweit und schreibt Gemeindeprä­sidenten und Schulen an. Der Grund: Die Wiesen im Laufental geben unterdessen zu wenig her und die Zulieferung des ­wichtigsten Ricola-Rohstoffs steht auf der Kippe. Da der Aufruf ohne Erfolg bleibt, entscheidet sich Ricola für die Zusammenarbeit mit Schweizer Bauern. Es ist der Beginn des systematischen Kräuteranbaus in der Schweiz.

1993: «Riiicolaaa!» – ein Ruf geht um die Welt

1993 hallt der Werbe-Jingle «Riiicolaaa!» das allererste Mal aus TV und Radio in der Schweiz und in Deutschland. Er steigert die Bekanntheit des Kräuterzuckers in Windeseile, so dass Ricola den Ruf auch in anderen Ländern einsetzt. Seit 1993 gibt es keinen ­Ricola-Spot mehr ohne den Ricola-Ruf.

Eine Erfolgsgeschichte

90 % der Produkte werden in mehr als 50 Länder exportiert. Umsatzstärkste Märkte sind die USA, Deutschland, Frankreich, Ita­lien und die Schweiz. Die soziale Verantwortung hat bei Ricola Tradition. Sie ist auch für Felix Richterich zentral geblieben. Nach wie vor gilt in Laufen, dass Erfolg nicht Selbstzweck sein darf. Für Richterich sind das keine Worthülsen. Das Unternehmen ist vorbildlich bezüglich Sozialleistungen, zahlt etwa deutlich überdurchschnittliche Kinderzulagen, beteiligt alle Mitarbeitenden am Erfolg und veranstaltet mehrmals im Jahr Aktivitäten für die Belegschaft: vom Jass- und Fussball-Turnier über Herbstwanderungen mit Picknick bis zum gemeinsamen Besuch von Kunstausstellungen. Auch Architektur wird bei Ricola gross geschrieben. Die weltberühmten Architekten Pierre de Meuron und Jacques Herzog haben mehrere Gebäude für Ricola entworfen, so z. B. das 1987 fertiggestellte Lagerhaus am Fabrikationsstandort Laufen oder auch das gläserne Marketinggebäude von 1999.
 


Interview mit Felix Richterich

Herr Richterich, nachhaltiges Denken und Handeln gehören zu Ricola und bilden seit Jahrzehnten eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Unternehmensführung. Wie innovativ darf und muss Ricola sein, damit die Firma die Balance zwischen Tradition und Innovation findet?

Innovation gehört in einem sich stark wandelnden Umfeld von Konsum, Handel und Wettbewerb dazu. Wir müssen uns als Unternehmen weiterentwickeln, um zeitgemäss und relevant zu bleiben. Innovation und Tradition ist für uns aber kein Gegensatz, denn wir können auch mit Innovation unserer Tradition gerecht werden, zum Beispiel mit unseren neuen zuckerfreien Kräuter-Caramel-Bonbons, die auf Stevia-Basis gesüsst sind.

Wer so viel exportiert, muss sich doch auch Gedanken dazu machen, zumindest einen Teil der Produktion in den Euro-Raum zu verlegen, um sich gegen Währungsrisiken abzusichern?

Das ist im Moment kein Thema, der Standort Schweiz ist und bleibt wichtig für uns. Wir haben in den vergangenen Jahren in Laufen investiert, unter anderem mit dem Bau des neuen Kräuterzentrums. Allerdings verpacken wir unsere Bonbons teilweise in den Absatzmärkten, wenn das ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist. 

In Ihren Führungsprinzipien spielen Worte wie Respekt, Wertschätzung, Freiraum, Coaching, Verbundenheit und eine konstruktive Feedbackkultur eine tragende Rolle. Ein typischer Patron sind Sie nicht. Darf man sich in der heutigen Zeit bei einem grossen und erfolgreichen Unternehmen wie der Ricola noch so viel Menschlichkeit leisten?

Menschlichkeit ist kein Kostenfaktor, den man sich leisten muss. Es ist das Grund­prinzip unserer Wertehaltung und führt auch zu wirtschaftlichem Erfolg. Denn Mit­ar­beitende möchten sich einbringen und wert­geschätzt werden. Nur so entsteht die Mo­tivation und Leistungsbereitschaft, um langfristig im globalen Wettbewerb erfolgreich zu sein.

Familienunternehmen haben hinter den Kulissen eine eigene Dynamik und diese ist auch in Bezug auf Nachfolgeregelungen nicht immer einfach. Wie löst die Familie Richterich diese Situation?

Die Familie spielt eine wichtige Rolle bei ­Ricola. Sie ist präsent, nimmt an Anlässen teil und kennt viele langjährige Mitarbeitende persönlich. Sie identifiziert sich mit dem Unternehmen und definiert die Werte, die wir bei Ricola leben. Dass wir darüber angeregte, positive Diskussionen haben, ist gut und wichtig.  

 

Text: Christina Hatebur, Foto: zVg