Von Osterhasen und  anderen Bräuchen. Foto: iStock.com

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Von Osterhasen und anderen Bräuchen

Bald ist Ostern und in den Geschäften sind die Regale voller Schokoladenhasen und farbigen Ostereiern. Was hat dieses religiöse Fest mit den Ostereiern und dem Hasen zu tun? Wir haben uns auf die Suche gemacht rund um die Osterbräuche und sind auf Lustiges und Verblüffendes gestossen. 

 

Jeder kennt den Osterhasen und alle Kinder freuen sich ganz fest auf die Leckereien, wel­che er am Ostersonntag bringt. Aber weshalb ist es der Osterhase, der diese feinen Sachen bringt und versteckt? Der Brauch geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Allerdings war es nicht überall der Osterhase. Im Tirol war es die Osterhenne, in einigen Gegenden Deutschlands der Fuchs, der Storch, der Osterhahn und sogar der Kuckuck. Weshalb es jetzt der Osterhase sein soll, der die Eier bringt und versteckt, ist aber nicht ganz klar. Es gibt unzählige Erklärungen dazu und diese halten sich hartnäckig. Wie zum Beispiel die Geschichte, dass ein Kuchen in Form eines Osterlamms nach dem Backen ausgesehen habe wie ein Osterhase. Auch die Geschichte mit der Göttin Ostara wird angezweifelt. Klar ist, dass der Hase als Zeichen der Fruchtbarkeit und des Lebens gilt und seine ersten Jungen im Frühling zur Welt bringt. Daher liegt die Verbindung zu Ostern sehr nahe. Aber so genau ist das gar nicht erforscht. Dennoch hat sich der Osterhase in den letzten hundert Jahren durchgesetzt und ist in Schokoladenform das meistverkaufte Produkt an Ostern. 

Wie kommts zum Schokoladenhasen?

Das Gerücht, dass Schokoladenhasen geschmolzene Weihnachtsschokolade sein soll, hält sich hartnäckig. Es ist aber gar nicht möglich, Schokolade zu recyceln, das wäre verboten. Es wird vermutet, dass anfänglich, Mitte des 19. Jahrhunderts, massive Schokoladenosterhasen zur Dekoration in die Schaufenster gestellt wurden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kopierten die Hersteller von den Imkern die Schleudertechnik und spannten ihre Hasenfiguren in eine Schleuder. So entstand die Hohl­figur, welche nun zu Tausenden an Ostern in den Läden steht. 

Gefüllte Schokoladenhasen

Auch bei der Richterich AG in Laufen entstehen die Schokoladenhasen auf diese Art. Allerdings werden ganz viele der Hasen zusätzlich noch mit Eiweissmasse gefüllt. Die Firma Richterich AG ist nämlich weit über Laufen hinaus bekannt für die besten Moh­renköpfe und an Ostern werden die Schoko­ladenhasen mit der Eiweissmasse gefüllt. 

 

Gefüllte Schokoladenhasen. Foto: Christian Jaeggi

Foto: Christian Jaeggi


Die eigens durch die Mitarbeitenden von Richterich angefertigten Kunststoffformen werden in einen Rahmen eingespannt und mit Schokolade gefüllt. Diese Schokolade nennt sich Couverture und stammt vom kleinsten Schokoladenproduzenten der Schweiz, der Felchlin AG. «Seit den Anfängen vor rund 80 Jahren beziehen wir unsere Schokolade von der Felchlin AG», erzählt Geschäftsführerin Marianne Richterich. Ihr ist es wichtig, dass sie nur mit Firmen zusammenarbeitet, bei denen Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort ist. Auch für ihre Mohrenköpfe hat sie eine Firma gesucht, welche die Waffeln nicht mit Palmöl produziert. 

 

Gefüllte Schokoladenhasen. Foto: Christian Jaeggi

Foto: Christian Jaeggi


Den Rahmen hängt der Mitarbeiter bei der sich drehenden Walze ein, damit sich die Schokolade regelmässig verteilt. Nachdem sich die Schokolade abgekühlt und gefestigt hat, kann der Hase aus der Form gelöst werden und ist bereit für seine leckere Füllung. Der Schokoladenhase wird nun mit einem Bohrer vorsichtig aufgebohrt. Über einen Trichter pumpt der Mitarbeiter die feine, süsse Eiweiss-Zucker-Masse in den Hasen hinein. Da die Eiweissmasse weder Gelatine noch Konservierungsstoffe enthält, muss der Hase für den perfekten Genuss innert vier Wochen aufgegessen werden. En Guete!

Weshalb farbige Ostereier?

Eier galten schon im alten Babylonien, in Ägypten und Persien als Symbol für Fruchtbarkeit und Auferstehung. Da liegt die Verbindung zur christlichen Symbolik nahe. Eine Erklärung, weshalb die Eier gefärbt werden, entstand während der Fastenzeit: Um die frischen von den älteren Eiern zu unterscheiden, begannen manche Bauern die Eier, welche sich in der Fastenzeit angesammelt hatten, einzufärben. In Serbien, Bulgarien, Russland und Schweden werden die Eier rot bemalt als Symbol für neues Leben, welches durch das Opfer Christi entsteht. 

Karfreitagsrätschen

Als Zeichen der Trauer über die Kreuzigung Jesu läuten in katholischen Kirchen die Kirchenglocken von Karfreitag bis zur Osternacht nicht. In Frankreich sagt man, die Kirchenglocken würden nach Rom fliegen und dort gesegnet. Auf dem Rückweg seien die Glocken vollbeladen mit Schokoladeneier und hätten diese auf dem Heimweg verloren. In dieser Zeit kommen in vie­len Gemeinden in der Schweiz und in Süddeutschland grosse Rätschen zum Einsatz, um die Gläubigen an die Gottesdienst­zeiten zu erinnern. In Aesch steht sogar eine Rätsche mit einer Übersetzung, die durch die Bewegung der Pedale eines Velos angetrieben wird. Ein sehr schönes Modell gibt es im Kirchturm von Dornach.

 

Karfreitagsrätschen: Foto: Jay Altenbach-Hoffmann

Foto: Jay Altenbach-Hoffmann

 

 

Text: Jay Altenbach-Hoffmann