Jason Brügger als schwebender Engel im Circus Knie

Jason Brügger als schwebender Engel im Circus Knie. Foto Zvg

Wenn Ehrgeiz und Training zur Perfektion werden

2017 gehörte Jason Brügger zu den absoluten Höhepunkten im Nationalzirkus Knie. Er absolvierte von März bis November hunderte von Auftritten an den Strapaten. 
Mit Ehrgeiz, Training und ganz viel Talent lebt er seinen Traum und plant die berufliche Zukunft mit einer Zirkusschule.

 

Jason Brügger fühlt sich nicht nur in seiner aktuellen Show beflügelt, sondern auch im realen Leben. Mit fünf Jahren entdeckte er bereits seine Faszination für die Zirkuswelt. Er wurde Mitglied beim Jugendzirkus Ba­silisk und erlernte artistische Fähigkeiten 
in verschiedenen Disziplinen. Ein weiterer Schritt war seine Aufnahme am Sportgymnasium Bäumlihof, einer Partnerschule von Swiss Olympic, der Dachorganisation der Schweizer Sportverbände.
Als 18-Jähriger reiste Brügger direkt nach der Matura für drei Jahre nach Kanada, um sich an der renommierten Zirkusschule in Montreal ausbilden zu lassen. Er spezialisier­te sich dabei auf die Kunstformen «aerial straps» (Strapaten), «aerial silks» (Vertikaltuch) und «aerial hoop» (Luftring). Nach er­folgreichem Abschluss des Studiums wurde Jason Brügger als Artist im Circus Monti engagiert.

 

Beeindruckende Performance am Chinesischen Mast

Beeindruckende Performance am Chinesischen Mast


Am 9. April 2016 wählten die Fernsehzuschauer den damals 23-jährigen Profi-Zirkus­artisten Jason Brügger in der SRF Casting-Show «Die grössten Schweizer Talente» zum souveränen Sieger. Als weitere Höhepunkte gelten 2016 seine Teilnahme am Internationalen Zirkus-Festival «Young Stage» sowie Auftritte an verschiedenen Veranstaltungen.
2017 zählte Jason Brügger zu den absoluten Höhepunkten im Nationalzirkus Knie. Im Dezember letzten Jahres wurde Brügger in der deutschen Casting-Show «Das Supertalent» in Köln (mit Dieter Bohlen in der Jury) als bester Artist auf Platz 5 gewählt. Anschliessend war er bis Anfang Januar 2018 im Circus Flic Flac in Dortmund engagiert, bei dem er auch für Weihnachten /Neujahr 2018 den Vertrag bereits wieder unterschrieben hat. Zuletzt war Jason Brügger im Januar 2018 in Basel als Showact am Longines CSI Basel zu sehen.

 

Momente der Ruhe und Erholung geben Stabilität. Foto: Moritz Weisskopf

Momente der Ruhe und Erholung geben Stabilität. Foto: Moritz Weisskopf

 

Interview

Man liest im Zusammenhang mit deiner Artistik von Höhenangst, Hörstürzen und einer Verletzung am Fuss. Kommt da der Mensch Jason Brügger nicht manchmal etwas zu kurz?

Während meiner Ausbildung in Kanada kam es zu meinen Hörstürzen und den ­damit verbundenen Schwindelanfällen. Ich war kurz vor der Abschlussprüfung am abso­luten Tiefpunkt meiner Motivation angelangt und musste notfallmässig für drei Tage in die Schweiz geflogen werden.
Es folgte eine Operation. Zum gleichen Zeit­punkt bekam ich von meinen Freunden ein sehr berührendes Motivationsvideo. Das war für mich sehr wichtig.
Wenn ich mit meinen Freunden spreche, von denen die meisten noch im Studium stecken, so stellen wir fest, dass wir momentan in zwei verschiedenen Welten leben. Ich reise mit meiner Show um die Welt. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich mein Material vor jedem Auftritt selber kontrolliere, um das Risiko zu minimieren. Jeder Auftritt bedeutet für mich positiver Stress pur. Jedoch empfinde ich den Adrenalinkick bei jedem Auftritt fast schon als eine Art wohltuende Sucht und das Publikum als Motivation.

Wie diszipliniert muss man sein, damit man diese enorme Leistung über diesen langen Zeitraum halten kann? War aufgeben jemals eine Option?

Ich habe mit fünf Jahren beim Jugend­zirkus Basilisk mit meiner Leidenschaft begonnen. Im Sommer waren wir jeweils drei Wochen auf Tournee und ich hatte da das grosse Glück, dass meine damalige Trapez-Partnerin und ich von einer Profitrainerin betreut wurden. Somit wurde bereits in diesem ­jugendlichen Alter mein Ehrgeiz geweckt, und durch die bedingungslose Unterstützung meiner Eltern habe ich mich mit meinen damals 18 Jahren für die Aufnahmeprüfung an der nationalen Zirkusschule in Montreal angemeldet. Die Prüfungen dauerten vier Tage und wir waren über 700 Bewerbende. Der Konkurrenzdruck war enorm.
Die nationale Zirkusschule bietet neben der Akrobatik auch Fächer wie Ernährungswissenschaften, Literatur und Philosophie an. Also eine ganzheitliche dreijährige Ausbildung, die mir durch zwei Stiftungen finanziert wurden. Dafür bin ich sehr dankbar.
Heute trainiere ich an auftrittsfreien Tagen zwischen drei bis vier Stunden. Eine Stunde vor dem Auftritt liegt mein Fokus auf Kraft und Ausdauer. Viele Menschen haben immer an mich geglaubt und mich bedingungslos unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar und hoffe sehr, dass ich meiner Leidenschaft und meinem Beruf noch lange nachgehen kann.

Wo können wir als nächstes dein Talent bewundern?

Ich bin das ganze Jahr an vielen Galas und öffentlichen Events zu sehen. Zudem werde ich mit meiner Choreographin Tiziana Cocca, welche auch Stars wie Bligg betreut, eine neue und längere Show einstudieren. Nach Ostern 2018 werde ich meine eigene Zirkusschule «Jason Brügger Artist Aca­de­my» eröffnen. Zu Beginn lege ich den Fokus auf zwei Kurse, nämlich Zirkusfitness (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und akrobatische Elemente) sowie Luft­akrobatik. Ich freue mich riesig auf ­diese neue Aufgabe. Ende 2018 werde ich wieder auf Tournee gehen.

 

Text: Christina Hatebur, Fotos: zVg