Roger Liggenstorfer. Foto: Marco Aste

Roger Liggenstorfer. Foto: Marco Aste

Für Dichter und Denker

Roger Liggenstorfer ist Verfechter, Verleger und Aufklärungspionier. Seine «Grüne Fee» in Solothurn, notabene die erste Absinth-Bar der Schweiz, hat Kultstatus. Als Verleger setzt er sich für die Legalisierung von Hanf und anderen leichten Drogen ein. Das BirsMagazin war bei ihm zu Gast.

 

Mythen, Magie und Grüne Fee. Der Absinth ist weit mehr als ein Getränk. Von der Entdeckung bis hin zum Verbot und seiner Renaissance – der ehemalige Treibstoff des Fin de Siècle ist seit über 200 Jahren Kult. Und mittendrin Roger Liggenstorfer. Er ist so etwas wie der Absinth-Papst Helvetiens. Woher er diese Gene hat? Nun, das hat mit der Geschichte seines Grossvaters Charles Henri Comte zu tun, der im Jura mit einem Messerschmitt-Kabinenroller Berühmtheit erlangte. Offiziell war er bei seiner Kundschaft ein willkommener Bett- und Damen­unterwäscheverkäufer, was aber bei seinen Besuchen zählte, lag bei Charles Henri im Koffer unter der Wäsche: Absinth! Heute ist sein Grosskind Roger Liggenstorfer Verleger, Gastgeber und ein glühender Verfechter der Grünen Fee. 2005 eröffnete er gemeinsam mit Chris Heidrich und Marco Tandura in Solothurn den ersten Absinth-Tempel der Schweiz. Keine Höhle und keine elitäre Trinkstätte für Trendsetter, sondern Treffpunkt für passionierte Absinthtrinker und neugierige Frischlinge. Roger Liggens­torfer schenkt in seiner Bar über 40 Ab­sinthe aus, wer will, deckt sich gleich mit einer oder einigen Flaschen ein, samt Zu­behör.
Wohl kein anderer Deutschschweizer weiss mehr über dieses Kultgetränk zu erzählen. Davon zeugt auch sein Buch «Absinthe – die Wiederkehr der Grünen Fee», in dem er mit Mathias Bröckers und Lebenspartnerin Chris Heidrich über Hintergründe und Historie, mit Geschichten und Legenden zur Grünen Fee zu schreiben weiss. 

Der Aufklärer

Berühmtheit erlangte Roger Liggenstorfer auch mit seinem Nachtschatten-Verlag und dem Verlegen diverser Bücher wie «Hanf 
in der Schweiz» und seiner Fortsetzung «Cannabis Helvetica» oder «Die berauschte Schweiz», das heute vergriffen ist und Sammlerwert hat, sowie mit Büchern, Betrachtungen und Aufsätzen des legendä­ren LSD-Erfinders Alfred Hofmann. «Es ist ein grosses Geschenk, dass ich Albert Hofmann kennenlernen durfte und sich daraus eine nachhaltige Freundschaft entwickelt hat», sagt Roger Liggenstorfer, der seit über 30 Jahren Bücher zur «Welt der Drogenmündigkeit» in seinem Nachtschatten-Verlag herausgibt. ■
 

Text: Martin Jenni, Foto: Marco Aste