Andreas Hediger und sein grüner «Willy», ein Mini British Open mit Schiebedach

Andreas Hediger und sein grüner «Willy», ein Mini British Open mit Schiebedach

Ein gigantischer Zwerg

Wie ein grüner Pfeil saust «Willy» durch das Baselbiet: Ein alter Mini im British Racing Green, der schon viele wilde Kilometer auf der Haube hat. Sein nächster Halt: das Nationale Mini Meeting am 5. Mai in Füllinsdorf.

 

Hinter vorgehaltener Hand wird gekichert, wenn ein Mini um die Ecke kommt. Die lieb gemeinten Sprüche reichen von «Asphalt-Blootere» bis «Giftzwerg». Ursprünglich sollte er mit seinen 38 PS gerade einmal Alltagsaufgaben erfüllen. Der kleine Flitzer schaffte aber den Sprung in die Filmwelt (zum Beispiel in «Mr. Bean» oder «The Ita­lian Job»), er räumte Anfang der 1960er-Jahre auf der Rennstrecke ab und grosse Konzerne wie Lego nutzen seine Sympathie. Doch nicht nur der Mini schrieb Erfolgsgeschichte, sondern auch die Farbe British Racing Green – das Rot der Formel 1 in England. Die Auswahl an Merchandise-Artikeln ist riesig.
Wenn Andreas Hediger vom Miniclub Basilisk mit seinem grünen «Willy» durch das Baselbiet fährt, löst er immer irgendeine Reaktion aus. Kinder lachen, Erwachsene bleiben stehen, zeigen mit dem Finger. «Ein Mini bereitet einfach Freude», sagt er. Und unter den älteren Leuten gebe es kaum jemanden, der nicht schon mal so einen besessen habe. Kein Wunder bei über fünf Millionen verkauften Fahrzeugen. Dass seine Autos auf einen Namen getauft werden, habe sich übrigens einfach mal er­geben. 
Dass der Mini Freude macht, kann auch die Lego-Gruppe bestätigen: «Er geniesst bei vielen Kindern und Erwachsenen Kultstatus», sagt eine Sprecherin. Pünktlich zum 60. Geburtstag ist jetzt ein Lego «Speed Champions»-Bauset für Mini-Fans erschienen. In die Schachtel geschafft haben es ein roter 1967er Mini Cooper S Rallyeauto und ein 2018er Mini John Cooper Works Buggy im British Racing Green. Bereits vor fünf Jahren füllte ein Mini Cooper die Lego-Regale, ein Bauwerk, das natürlich auch in Hedigers Haushalt nicht fehlt.

 

 

«Der Mini ist kein Stehzeug»

Seine 1,90 Meter Körpergrösse hat Andreas Hediger nie davon abgehalten, in einen Mini zu steigen. Der Präsident des Mini Club Basilisk ist mit dem Mini aufgewachsen, es war das klassische Alltagsauto. Dann wurden die Abgasvorschriften in der Schweiz verschärft und der Mini durfte nicht mehr importiert werden. Erst als ab 1992 standardmässig ein Katalysator eingebaut wurde – ursprünglich für den japanischen Markt – waren die Minis auch auf Schweizer Strassen wieder unterwegs. Drei Jahre später nutzte Andreas Hediger die Chance und schaffte sich «Willy» an, einen Mini British Open mit Schiebedach. Als es Familienzuwachs gab, war das noch lange kein Grund für einen Autowechsel, im Gegenteil: Die Familie kaufte sich noch einen Mini Kombi, damit der Kinderwagen fortan Platz hatte.
Bis heute wird Andreas Hediger von seinen Minis durch den Alltag begleitet. Eine Panne hatte er noch nie. Rost macht dem Mini-Fan keine Angst, schliesslich seien diese Autos für den Alltag gebaut worden. Er achtet jedoch auf einen guten Unterbodenschutz. Ihm ist wichtig, die Freude am Mini zu behalten, denn «es ist ein Fahrzeug und kein Stehzeug». Das Positive an dem kleinen Auto sei eben auch der eher günstige Unterhalt im Vergleich zu anderen Oldtimern. Und was geht, repariert Andreas Hediger selbst.
Seinen Mini geniesst er, wo er kann. Zum Beispiel auf Ausflügen mit dem Mini-Club; als nächstes ist das Nationale Mini Mee­­-
t­ing in Füllinsdorf geplant. Jeden Frühling fährt man auch gemeinsam durch das blühende Baselbiet, Picknick im Grünen inklusive. Unvergessen bleibt das International Mini Meeting in Nord-Finnland, wo er auf schlechten Feldwegen realisierte, dass er an der russischen Grenze steht – und dringend wenden sollte. 
Das nächste Abenteuer hat er schon gebucht: Zwei Wochen England mit Ziel in Bristol, wo am International Mini Meeting über 1000 Minis erwartet werden. «An solchen Treffs stelle ich immer wieder fest, dass es ganz viele verschiedene Minis gibt und jeder ist auf seine Art toll. Es ist nicht ein Treffen, wo Grösse oder Breite zählen, sondern alle Minis haben ihren Platz und sind ganz speziell.» Und genau das macht den Mini so sympathisch.

 

Text: Sarah Ganzmann, Fotos: Christian Jaeggi