Rund um das Kloster Schönthal wähnt man sich fernab von der Zivilisation.

Rund um das Kloster Schönthal wähnt man sich fernab von der Zivilisation. Foto ZVg

Kraft tanken im Kloster

Kunst, Natur und Geschichte. Mit diesem Dreiklang präsentieren sich das Kloster Schönthal und sein international renommierter Skulpturenpark dem kunstaffinen Publikum – auf Wunsch auch mit Übernachtung in kompletter Stille. 

 

Sie heissen Dorothea, Mechthild, Adelheid und Wilbina, die einladend hergerichteten Herbergszimmer des Klosters Schönthal. Sie sind Zeugen einer weit zurückliegenden Vergangenheit, denn das 1145 erstmals urkundlich erwähnte Benediktinerinnenkloster wurde bereits im Zuge der Reformation 1525 geplündert, verwüstet und seinem ursprünglichen Daseinszweck beraubt. Nach Jahrzehnten der landwirtschaftlichen Nutzung und dem Betrieb einer Ziegelbren­nerei ging die nördlich der Baselbieter Passgemeinde Langenbruck gelegene Anlage 1836 in Privatbesitz über. Der entscheidende Schritt für die heutige Nutzung als Stätte der künstlerischen Retraite ereignete sich Ende der 1980er-Jahre: Der Arlesheimer Werber John Schmid erwarb das Kloster samt dem 100 Hektaren umfassenden Umland und führte unter Beizug der kantonalen Archäologie und der Denkmalpflege eine umfassende Renovation durch. Die Idee, diesen Hort der Ruhe der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, nahm Formen an und wurde zur Jahrtausendwende Wirklichkeit. 

 

Perfekt eingebettet in die Natur: Der Minotaurus  von Nicola Hicks auf dem Skulpturenpfad Foto: Heiner Grieder

Perfekt eingebettet in die Natur: Der Minotaurus von Nicola Hicks auf dem Skulpturenpfad. Foto: Heiner Grieder

 

Zündende Ideen

«Wir ziehen ein ganz unterschiedliches Publikum an. Der gemeinsame Nenner ist das Interesse an der Geschichte, der Kultur und der Ruhe, die in der Juralandschaft hier oben herrscht», bringt es Carola Schütz vom Kloster Schönthal auf den Punkt. Beliebt ist das Kloster bei Firmen oder Gre­mien als Örtlichkeit für Klausur-Seminare. Im Christophorus-Raum im Obergeschoss der romanischen Kirche dürfte unter dem Wandfresko aus dem Jahr 1310 schon so manche zündende Idee entstanden sein. «Wer unsere Räumlichkeiten für eine Retraite nutzt, kehrt meistens wieder zurück», weiss Carola Schütz. Eine oft anzutreffende Berufsgattung hier sind Archi-­
tekten, denn das Kloster Schönthal verfügt über eine der schweizweit ältesten Kirchen. Ein architektonisches Prunkstück von nationaler Bedeutung ist die romanische Westfassade mit dem Quadermauerwerk, der Pforte, dem Bogen, dem kreuztragenden Lamm (Agnus Dei) und dem zähnefletschenden Löwen.

In die Natur eingebettet

Der grösste Anziehungspunkt für die kunst­affinen Gäste ist der weitläufige Skulpturenpark, der auf einer grossen Route von 3 V Stunden oder auf einer kleineren von rund 1 V Stunden erwandert werden kann. Die Inspiration für den Park hat sich der Stifter John Schmid in England, Schottland und in Skandinavien geholt, wo begehbare Kunst einen hohen Stellenwert hat. Nicht weiter verwunderlich, hat das Kloster Schön­thal Einträge in so manchem interna­tionalen Kunstführer gefunden und nicht selten wird bei der Begehung des Parks englisch gesprochen. Zur Reputation tragen die namhaften zeitgenössischen Kunstschaffenden bei, für deren Werke die optimale Platzierung in der natürlichen Um­gebung ermittelt wird. «Zu meinen Lieblingsexponaten gehört der Minotaurus von Nicola Hicks. Er ist perfekt in die Landschaft eingebettet, so dass man ihn beim ersten Mal kaum als Kunstwerk wahrnimmt», sagt Carola Schütz. Der Minotaurus ist eine von heute 34 Skulpturen verschiedenster Art, die es zu entdecken gibt. 

 

Jedes Herbergszimmer hat seinen ganz eigenen Charme.

Jedes Herbergszimmer hat seinen ganz eigenen Charme.

 

Gute Nacht

Neben dem Skulpturenpark locken saisonal wechselnde Ausstellungen in der Klosterkirche. Ab Ende März 2019 werden Objekte und Bilder von Julia Steiner gezeigt, ab Anfang Juni 2019 dann Werke des Bildhauers Peter Randall-Page. Je weiter der Frühling voranschreitet, desto mehr steht der liebevoll gehegte Klostergarten in Blüte, umrahmt von saftigen Wiesen und Wald. Und da wäre noch die reich mit Kunstbänden ausgestattete Bibliothek im alten Hühnerstall zu nennen, wo man bei Kaffee und Kuchen verweilen kann. 
Wer sich für das Nächtigen in der Herberge entscheidet, kann hier nicht nur so richtig die Seele baumeln, sondern sich nach Möglichkeit obendrein noch kulinarisch verwöhnen lassen, oder bei einem gemein­samen Event gleich selber Hand in der Küche anlegen. Gekocht werden regionale und saisonale Produkte, wenn möglich auch vom nach dem Demeter-Prinzip bewirtschafteten Hof Schönthal. Der Start in einen neuen Tag beginnt im Kloster mit 
einem vollwertigen Frühstück im Abtsaal und endet in kompletter Ruhe, scheinbar fernab von jeglicher Zivilisation.

 

Text: Simon Eglin, Fotos: zVg