Gemmotherapie: die Kraft aus jungen Knospe. Foto: Adobe Stock

Gemmotherapie: die Kraft aus jungen Knospe. Foto: Adobe Stock

Mit der Urkraft der Knospen im Gleichgewicht bleiben

Gemmotherapie ist mehr als bloss ein neuer Gesundheits-Trend.

Klein und unscheinbar – Knospen wirken auf den ersten Blick nicht sehr beeindruckend. Doch in den Mini-Pflanzenteilen schlummern Energien, die nur darauf warten zu explodieren, ihre Urkraft zu entfalten und faszinierende Gebilde zu erschaffen. Sie sind der Inbegriff für Leben und Wachstum. Schon in den 1950er-Jahren haben Ärzte versucht, diese geballten Kräfte für das Wohlbefinden der Menschen zu nutzen. Der Belgier Pol Henry legte die Pflanzenteile in Lösungsmittel ein und extrahierte so die Wirkstoffe. Knapp 70 Jahre später wurde aus den Versuchen ein Trend. Gemmotherapien werden immer beliebter und erobern die Krankenbetten Europas. In Form von Mundsprays werden die Extrakte aus den Knospen zur Behandlung diverser Leiden eingesetzt. 
Der Vorteil dieser neu auftretenden Therapieform liegt in ihrer Sanftheit. Das Einsatzgebiet von Gemmotherapeutika ist die ­begleitende Behandlung, die bestens mit anderen Naturheilmitteln oder schulmedizinischen Medikamenten kombiniert werden kann. Ohne zu einschneidend in den Organismus einzugreifen, wirken die Extrakte regulierend.
In der Praxis bewährt haben sich vor allem zwei Heilpflanzen: Ribes Nigrum, die Schwar­ze Johannisbeere, kann gegen Allergien oder bei Hautleiden wie Neuroder­mitis eingesetzt werden. Vaccinium vitis-idaea, das Extrakt aus den Knospen der Preiselbeere, hingegen hilft, Blasenent­zündungen vorzubeugen – als Alternative zum beliebten Preiselbeersaft. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Heilkraft in der Knospe noch höher ist als jene in den Fruchtsäften. 
Noch steckt die Forschung rund um die ­Inhaltsstoffe der Pflanzenknospen in den Kinderschuhen. Wissenschaftler konnten aber bereits nachweisen, dass in den Knospen hohe Konzentrationen an Wachstumshormonen und Eiweissbausteinen enthalten sind. Eng gepackt steckt in ihnen das gesamte Erbgut und die Wachstumskraft der Pflanze. Mit den ersten Sonnenstrahlen erwecken sie das kalte Holz zum Leben. Diese einzigartige Energie hilft uns, unseren Körper auch in einer immer schnelleren Welt im Gleichgewicht zu halten.
 

Text: Dominik Saner