Die Liga-Spiele von «Freespeed Basel» mit Caspar Müller und Laura Kunzelmann finden auf dem Landhof in Basel statt.

Die Liga-Spiele von «Freespeed Basel» mit Caspar Müller und Laura Kunzelmann finden auf dem Landhof in Basel statt. Fotos: Christian Jaeggi

Speed, Geschick und kein Schiedsrichter

Die meisten kennen sie wohl vom Strand, vom Sonntags-Picknick oder vom Gartenbad – die gute, alte Frisbee-Scheibe. Doch wussten Sie, dass das Spiel mit der Scheibe auch ein Mannschaftssport ist? «Ultimate» ist in unseren Breitengraden noch eine Randsportart, allerdings mit einem sehr erfolgreichen, eigenen Sportclub. 

Sie ist weniger als 200 Gramm schwer, die Scheibe, um die sich beim Sportverein «Freespeed Basel» alles dreht. «Ultimate» nennt sich dieser wettkampforientierte Mannschaftssport, dessen Ziel es ist, die von einem Mitspieler geworfene Plastikscheibe in der gegnerischen Endzone am Ende des Feldes zu fangen und so Punkte zu erzielen. Die Mannschaft, die im Scheibenbesitz ist, versucht, sich Freiräume zu erlaufen, um die Scheibe werfen und fangen zu können. Die verteidigende Mannschaft hingegen möchte durch Decken, Blocken oder Abfangen der Scheibe in deren Besitz gelangen. Bei einem Spielfeld von hundert Metern Länge eine laufintensive Sache. Einzig der Spieler mit der Scheibe darf sich nicht von der Stelle bewegen, muss die Scheibe aber spätestens nach zehn Sekunden einem anderen Spieler zuwerfen. 

 

Das Logo des Sportclubs «Freespeed Basel»

Das Logo des Sportclubs «Freespeed Basel»

 

Seit dreizehn Jahren «voll dabei»

Caspar Müller (27) ist nach dreizehn Jahren noch immer leidenschaftlicher «Ultimate»-Spieler. Angefangen hat alles in den Ferien, als ihm einer der Vereinsgründer von «Freespeed» eine Frisbee-Scheibe zuwarf und ihn einlud, doch mal im Club vorbeizuschauen. Damals noch ein scheuer Teenager, schaute Müller dem Training nur von weitem zu. Doch das reichte, um ihm «den Ärmel reinzuziehen». Seither ist er «voll dabei». Und «voll dabei» heisst im Winter zweimal die Woche Konditionstraining und in der Sommersaison – zwischen Fasnachtsferien und Ende Oktober – einmal die Woche Konditions- und Intervalltraining, zweimal Mann­schafts-Training auf dem Rasen und alle zwei, drei Wochen zusätzlich ein Sprinttraining auf der Laufbahn am Samstagmorgen. Plus die Turniere am Wochenende, über die der Sportstudent am liebsten redet. Er spielt im Team «Freespeed One», dem kompetitiven Männerteam des Clubs, das mittlerweile fünffacher Schweizer Meister ist, seit Jahren in der Champions-League mitmischt und im 2018 an der Club-Weltmeisterschaft in Cincinnati (USA) den elften Platz geholt hat – das beste Schweizer Resultat überhaupt. Auch das Frauenteam ist mittlerweile bei den Schweizer Meisterschaften immer in den Top 4 dabei. Neben dem Frauen- und den zwei Herren-Teams gibt es im Freespeed-Club drei Junioren-Mannschaften und für jene, die weniger intensiv, aber doch weiterhin «Ultimate» spielen wollen, das Team «Freespeed Experience». Im «Freespeed Coed» schliesslich bilden Männer und Frauen eine gemischte Mannschaft – ebenso eine Eigenheit dieser Sportart wie die Tatsache, dass ohne Schiedsrichter gespielt wird. Das funktioniert meist recht gut, basiert es doch auf Fair Play, Selbstverantwortung und Kollegia­lität. Laura Kunzelmann (20), die seit drei Jahren bei «Ultimate» dabei ist, mag das. Aufmerksam geworden auf die Sportart ist sie durch ein Plakat, auf dem ein Spiel am selben Abend angekündigt wurde. «Ich ging hin, war fasziniert und habe eine Woche später gleich damit angefangen.» Auch sie spielt inzwischen – ebenso wie Müller – zusätzlich in der Nationalmannschaft mit. Dass «Ultimate» eine Randsportart ist, stört keinen der beiden, auch wenn sie einen grossen Teil ihrer Freizeit im Training, auf Turnierplätzen und im Fitness-Center verbringen. «Neben der Leidenschaft für das Spiel ist das Krafttraining unerlässlich», meint die junge Spielerin, die im Herbst ebenfalls ein Sportstudium beginnt. «Ausserdem braucht es Ausdauer, den Ehrgeiz, an sich zu arbeiten und Geschick im Umgang mit der Scheibe.» Diese musste sich Kunzelmann erst erarbeiten, denn sie hatte bisher nur Erfahrungen mit Ballsportarten gemacht. «Kein Vergleich», meint sie.

 

Jeder Mannschaft ihre Materialbox

Jeder Mannschaft ihre Materialbox

 

Bei Wind und Wetter

Trainiert wird im Landhof-Stadion im Kleinbasel, der ehemaligen Heimat des FCB mit entsprechend grosser Rasenfläche. Wie alle Sportarten, die auf Rasen ausgetragen werden, ist auch «Ultimate» kein Schönwetter-Sport – Rutschpartien auf nassem Gras, schlammverspritzte Haut und der Wind, der einem die Scheibe vor der Nase wegbläst – das alles gehört dazu. Vor allem der Wind hat einen grossen Einfluss beim «Ultimate». Ohne Vorwarnung kann sich die Scheibe schneller oder langsamer bewegen oder sie wird seitlich abgetrieben. «Als Anfänger war das jeweils eine grosse Belastung», erzählt Müller. Heute, mit seiner langjährigen Erfahrung, schafft er es sogar manchmal, den Wind beim Wurf miteinzubeziehen und ihn positiv zu nutzen. Sowieso sind die Werfer in der Mannschaft eher jene Spieler, die schon mehr Erfahrung haben. Jedes Team hat Spieler, die eher rennen und solche, die eher werfen können. «Um als Spieler wertvoll zu sein, muss man aber alles können», erklärt Müller. Auch Kunzelmann spielt alle Posi­tionen: «Ich möchte mich nicht festlegen, sondern überall einsetzbar sein.» Allfälligen Interessenten dieser schnellen, konditionell und koordinativ anspruchsvollen Team-Sportart rät sie: «Ausprobieren!» ■

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi