Alexander Meyer

«Ich war schon immer ein sehr guter Verkäufer»

Alexander Meyer zögerte nie, wenn aus einer Idee ein Unternehmen werden sollte. Mit seiner Agentur Fadeout setzte er als einer der ersten in der Schweiz konsequent auf Online-Videos. In Reinach ist das Start-up rasant gewachsen.

 

Mit acht Jahren ist Fadeout im Reinacher Gründerzentrum Business Parc schon ein Dynosaurier. Zeit, flügge zu werden. In ­Alexander Meyers Büro stehen die Zügelkisten bereit. Schon zum zweiten Mal zügelt er nun sein Start-up. Vor acht Jahren diente noch der heimische Bastelraum als Büro. «Kunden musste ich damals noch durch die Waschküche geleiten», erzählt der 39-Jährige. Das erinnert an die Gründer­romantik amerikanischer IT-Giganten wie Google oder Microsoft. Der gebürtige Dornacher führt heute allerdings keinen global operierenden Konzern, sondern ein florierendes KMU. Fadeout ist eine Agentur für digitale Kommunikation, deren Kernkompetenz Web-Videos sind. In Zeiten grosser Bandbreiten auf allen Netzwerken sind bewegte Bilder für die Kommunikation im ­Internet unverzichtbar geworden. Fadeout ist heute die erste Adresse für sämtliche Bewegtbild-Kommunikationsmassnahmen in der Region und darüber hinaus.

Das Aha-Erlebnis an der Muba

Als man sich noch übers Telefon ins Internet eingewählt hat, war an Videos noch gar nicht zu denken. Doch dann sah Meyer an der Muba erstmals einen Breitband-Anschluss. In diesem Moment wusste er: «Mit Videos wird es so sein, wie mit den Fotos.» Und schon war die nächste Geschäftsidee geboren. Meyer zögerte nicht. Der ehemalige KV-Stift hatte schon oft Lust auf Veränderung. Nach der Lehre liess er sich, neben seinem Job bei einer Versicherung, beim SRF zum Tontechniker ausbilden. In den frühen Morgenstunden produzierte er Sendungen und fuhr dann zur Arbeit. Gerüstet mit Wissen und Erfahrung im Marketing, Radio und Tontechnikbereich war er mit 23 reif für sein erstes Start-up Chinderwält. Damit stellte er den Schweizer Kinderhörspielmarkt auf den Kopf und schaffte es mit seinen Produktionen in praktisch jede Kinderstube. Aber dann hatte er die Idee mit den Videos. Just als seine Tochter auf die Welt kam. «Es gibt nie den optimalen Zeitpunkt, sich selbstständig zu machen», meint Meyer und lacht.

Innovation als Alleinstellungsmerkmal

Youtube war damals noch kein Thema. Erst zwei Schweizer Firmen boten diesen Service vor acht Jahren kommerziell an. Diese operierten mit einem Pay-per-view-Modell. «Das geht doch nicht», fand Meyer. Mit einem Freund, der das technische Know-how einbrachte, entwickelte er eine eigene Videosoftware und schuf eine Innovation, mit der sich Fadeout bis heute von der Konkurrenz abhebt. Im Player lassen sich Indexierungspunkte setzen, womit ein Beitrag in verschiedene Kapitel gegliedert wird, die einzeln angeschaut werden können. Birsecker kennen das vom Gemeinde-TV. Das war eines der ersten Produkte von Fadeout. Aesch, Arlesheim oder auch Reinach lassen von der Agentur vierzehntäglich ihre eigene Nachrichtensendung produzieren. «Telebasel kommt ja nur, wenn es grosse, meist negative Schlagzeilen gibt», so Meyer. Mit einer periodischen Sendung, ergänzend zu den amtlichen Publikationen, kann eine Gemeinde aber wesentlich emotionaler mit der Bevölkerung kommunizieren. «Im Wochenblatt ist der Häxeldienst vielleicht zwei Zeilen wert. Wir zeigen dann aber Peter Müller, der das seit 20 Jahren ehrenamtlich macht und erzählen eine Geschichte.»

Verkäufer aus Leidenschaft

Dass Alexander Meyer mit seinen Web-Videos nicht auf dem Holzweg ist, wurde 2010 mit der Verleihung des Jungunternehmerpreises Nordwestschweiz bestätigt. Zu dieser Zeit bereits im Reinacher Business Parc eingenistet, floriert Fadeout seither prächtig, ist auf mittlerweile 15 Mitarbeiter angewachsen und hat auch schon eine ­Dependance in Luzern eröffnet. «Der Jungunternehmerpreis war ein riesiger Schub», so Meyer. Sein Verkaufstalent war dem Gedeih seiner Unternehmung aber mindestens so wichtig. Der zweifache Vater kann die Menschen für sein Produkt begeistern. «Ich war schon immer ein sehr guter Verkäufer», sagt er über sich selbst. Und das tut er meistens ganz dreist, indem er am Telefon bei den nächsten potenziellen Kunden hausieren geht. Die Kunden müssten seine Leidenschaft spüren. Die kann ein Mailing nicht vermitteln.

Die Arbeit hört nie auf

Jetzt wird Meyers Start-up flügge und verlässt den Reinacher Business Parc. Es geht ins Gundeldinger Quartier, nah an den Basler Bahnhof, besser erreichbar für die Kunden und in «kreatives Cluster», wie Meyer sagt. Es ist auch ein neuer Lebensabschnitt. «Acht Jahre Mister Wong zum Lunch sind genug», sagt er. Und möglicherweise haben die spontanen Ausflüge ins Büro am Abend damit auch ein Ende. Wobei: Abschalten ist nicht so seins. Er habe nach der Arbeit immer bis in die Nacht an seinen Projekten gearbeitet. «Es geht darum zu tun, was man im Kopf hat.»

 

Text: Lukas Hausendorf, Fotos: Lukas Hausendorf, zVg