Schüler aus Laufen bei der Englischlektüre über Goldgräber in Amerika

Schüler aus Laufen bei der Englischlektüre über Goldgräber in Amerika

Immersion – eintauchen ins deutsch-französische Sprachbad

Seit August 2012 pflegen das Gymnasium Laufen und das Lycée cantonal von Porrentruy auf Initiative des Laufner Schulleiters Isidor Huber regelmässigen Austausch. Ich habe die zweisprachige Klasse 211 in Porrentruy besucht und war beeindruckt, wie gut sich die Schülerinnen und Schüler in ihrer Zweitsprache verständigen können. 38 Stunden Unterricht pro Woche haben die Schüler der zweisprachigen Klasse.

 

Die meisten Schülerinnen und Schüler pendeln zwischen Laufen und Porrentruy hin und her. Da bleibt morgens und abends nach der Zugfahrt von fünfzig Minuten nicht mehr viel Freizeit übrig. Nur zwei der zehn Schüler aus dieser Klasse sind bei Gastfamilien im Jura untergebracht: eine Schülerin aus Reinach und ein Schüler aus Pfeffingen.

Start im Gymnasium Laufen

Die ersten beiden Jahre besuchen die Schülerinnen und Schüler aus dem Jura das Gymnasium Laufen, wo sie Deutsch lernen. Die Jugendlichen tauschen sich hier in gemischtsprachigen Tandems aus, was den Spracherwerb enorm fördert: Ein Schüler aus dem Birstal und dem Jura teilen sich jeweils eine Schulbank und helfen sich gegenseitig. In der Regel kommen in den zweisprachigen Klassen zehn Schüler aus der Deutschschweiz und zehn aus dem Jura.

Je nach Muttersprache werden die Deutsch- und die Französischstunden in Laufen als Fremdsprachen unterrichtet. Dabei können die Schülerinnen und Schüler noch mehr profitieren. Besonders achtet die Schulleitung darauf, dass nur auf Hochdeutsch unterrichtet wird. Die ersten drei Monate sind für die Jurassier aber eher schwierig, weil die Jugendlichen aus Laufen mit ihnen in der Pause oft auch Dialekt sprechen. Doch nach drei Monaten ist selbst der Dialekt kein Problem mehr: Die Jugendlichen aus dem Jura haben sich daran gewöhnt.

 

  Blick in den Botanischen Garten des Lycée cantonal von Porrentruy

Blick in den Botanischen Garten des Lycée cantonal von Porrentruy

 

Fortsetzung in Porrentruy

Wer höchstens eine ungenügende Note hat, die er kompensieren kann, darf den Immersionsunterricht im Lycée cantonal von Porrentruy fortsetzen, wo man sich auf die zweisprachige Maturität vorbereiten kann. Unterrichtet wird in einem ehemaligen Jesuitenkollegium aus dem 16. Jahrhundert.

Etwa 25 Prozent des Unterrichts wird auf Deutsch gehalten. So zum Beispiel die Fächer Physik, Geschichte, Philosophie, Musik und Chorsingen, Kunst, Zeichnen und Sport. Auf Französisch werden die Fächer Mathematik, Chemie, Biologie, Geographie und Englisch erteilt. Ebenso die Wahlfächer Theater, Wirtschaft und Recht, Umwelt und Gesellschaft, Religionswissenschaft sowie die Sprachfächer Italienisch, Spanisch, Latein und Griechisch. Die Arbeit in gemischtsprachigen Tandems ist übrigens auch in Porrentruy üblich.

Eintauchen in eine andere Kultur

«Eintauchen ins Sprachbad» heisst das Zauberwort, das den Spracherwerb so erfolgreich macht. Dabei geht es nicht nur um die Sprache allein, sondern auch darum, in eine andere Kultur einzutauchen, sein Selbstbewusstsein zu stärken und sich gegenüber seinen anderssprachigen Klassenkameraden zu öffnen.

Ein Schüleraustausch hilft Vorurteile abzubauen, die eigene Kultur zu hinterfragen – und letztlich macht er die Jugendlichen mit den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Aspekten der anderen Sprachregion vertraut. Das Schönste dabei ist aber, dass durch den Sprachaustausch Freundschaften entstehen, die oft jahrelang halten. Viele Jugendliche besuchen sich regelmässig, und so bleibt auch jedem seine zweite Sprache erhalten.

Beliebtes Schultheater

Dank dem Unterricht auf Deutsch und Französisch lernen die Schülerinnen und Schüler ihre Zweitsprache sehr rasch und entwickeln dabei solide Kenntnisse. Wer in einer bilingualen Klasse ist, muss in der Zweitsprache auch Vorträge halten und Examen schreiben.

Sehr beliebt im Lycée ist das Schultheater – ein Schwerpunktfach, das einen Kontrast zu den gewohnten Unterrichtsstunden bietet: Wer hier mitmacht, perfektioniert seine Aussprache und kann seine Sprachkompetenz mit geringem Aufwand weiterentwickeln.

Es ist erfreulich, dass viele Jugendliche bei ihrem zweisprachigen Unterricht auch das höchste Niveau schaffen und die zweisprachige Maturität mit Erfolg bestehen.

Text und Fotos: Susanne Brassel