Hallwilersee

Ins Wasser gebaut

Ein Tagesausflug an den Hallwilersee wird zur Erlebnis- und Genussreise.

 

Die Anfahrt mit der Bahn führt uns ab Basel im Schnellzug nach Lenzburg. Dort steigen wir in die Seetalbahn um – eine einspurige SBB-Strecke, die dem Hallwiler- und Baldeggersee entlang bis nach Luzern führt. Nach Boniswil bekommen wir aus dem fahrenden Zug einen ersten Eindruck vom Hallwilersee, unserem Tagesziel.

Uferhüpfen

In Beinwil am See verlassen wir den Zug. Ortskern und Bahnhof liegen erhöht etwa 15 Gehminuten vom Seeufer entfernt. Also wandern wir bergab zur Schiffsanlegestelle. Die Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee führt bis Mitte Oktober täglich einige Kurs- und Rundfahrten durch. Wir lösen auf dem Schiff das «Ausflugskombi Spezial» für 17 Franken mit dem Halbtaxabonnement (27.– Volltarif). In diesem Preis sind Seerundfahrt und Schlosserlebnis eingeschlossen. Was steckt wohl dahinter? Die Rundfahrt mit dem Schiff kann an jeder Anlegestelle unterbrochen und mit einem späteren Kurs weitergeführt werden.

Wir sind an einem schönen Wochentag unterwegs. Ideal für einen erholsamen Tagesausflug. Diese Ruhe! Der See ist eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft. Sein Ufer ist weitgehend ein geschütztes Naturreservat. Rund um den See lädt ein Weg zum Wandern ein. Fast ausschliesslich direkt am Seeufer. Wo gibt es das sonst noch? Wanderfreaks schaffen die Seeumrundung in etwa fünf Stunden. Für Genusswanderer gibt es die Möglichkeit, je nach Belieben Streckenabschnitte zwischen Schiffsstatio­nen zu absolvieren: Uferhüpfen.

Häuser im Wasser

Die Schifffahrt führt uns vorerst bis zur ­Anlegestelle «Seerose» am gegenüberliegenden Ufer. Dort lassen wir uns auf der Seeterrasse nieder und bestellen die Fischknusperli mit einem Glas Wein. Wussten Sie, dass Thailand am Hallwilersee liegt? Im «Seerose Resort & Spa» kann man es erleben. Zur Verdauung spazieren wir etwa zwanzig Minuten gemütlich bis zur Anlegestelle «Delphin». Auch da ein Restaurant mit einladender Seeterrasse. Der nächs­te Abschnitt mit dem Schiff führt dann bis Seengen, wo der Steg mitten in einem Naturschutzgebiet liegt. Von dort aus geht es in einem 10-minütigen Spaziergang zum historischen Wasserschloss Hallwyl.

Neben dem Schloss Bottmingen (vgl. BirsMagazin 01/2015) ist das aus dem 13. Jahrhundert stammende Schloss Hallwyl noch eine der wenigen gut erhaltenen Wasserschlossanlagen der Schweiz. In den Räumen erhält man Einblicke ins Leben der Adelsfamilie von Hallwyl. Den Kaffee mit Kuchen genehmigen wir im Schlosshof-Café. Übrigens: Den Eintritt für die Schlossbesichtigung haben wir ja bereits mit dem Kombi-Ticket auf dem Schiff bezahlt.

Die Tagestour führt weiter per Schiff von Seengen bis Birrwil. Unmittelbar neben der Anlegestelle überrascht das Restaurant «Schifflände» mit seiner modernen Architektur. Wir lassen uns in der gemütlichen Openair-Lounge direkt am See nieder und bestellen einen «Moscato Mojito». Dazu gibts Oliven, Salznüsse und exotisch gewürzter Popkorn. Wir geniessen den Moment nah am Wasser und fern der Hektik. Je nach Zeitplan kann man den steilen Anstieg zur Bahn-Haltestelle zu Fuss zurücklegen oder mit dem Schiff weiter bis Mosen am südlichen Ende des Sees fahren. Dort ist der Weg zum Bahnhof kürzer und nicht so anstrengend. Wir aber machen noch die etwa 40-minütige Wanderung an einem der schönsten Uferwegabschnitte entlang von Birrwil nach Beinwil und begegnen auf Pfählen erbauten Bootshäusern. Stolz thronen sie im Wasser. Darunter Seerosenteppiche. Diese Holzhäuser sind bis zu hundert Jahre alt. Sie dürfen weder zweckentfremdet noch ausgebaut werden.

Mit der Seetalbahn geht es wieder zurück bis Lenzburg und dem Schnellzug nach Basel.

Text und Fotos: Werner Thüring