Inkaand Niclas | Becoming Wilderness | Courtesy Grundemark Nilsson Gallery, Stockholm

Inkaand Niclas | Becoming Wilderness | Courtesy Grundemark Nilsson Gallery, Stockholm

Kunst aus der Linse

Die Schweiz bekommt eine Fotomesse. Die «photo basel» ist eine Nebenmesse zur Art Basel und bietet Nachwuchskünstlerinnen und -künstlern eine Plattform – aber nur, wenn sie mit einer Galerie anreisen. Davon sind namhafte mit an Bord.

 

Zwischen Salat und Sandwich stapeln sich Fotos, Verträge, Pläne. Es ist einer dieser Mittagstermine, zu dem Sven Eisenhut und Samuel Riggenbach sich seit Monaten treffen. Mit Hochdruck stellen sie eine neue Messe auf die Beine, die erste Schweizer Fotomesse. An Treffen wie heute tauschen sie sich aus, über bereits angemeldete Galerien oder die nächste Ausstellung, die sie selbst besuchen wollen.

Sie waren in Paris, Amsterdam, Milano an bekannten Fotomessen. Alles auf eigene Kosten – denn ihre «photo basel» vom 17. bis 20. Juni 2015 können sie nur auf die Beine stellen, weil sie dafür keinen Lohn kassie­ren. Das heisst, beide gehen täglich ihren Teilzeitbeschäftigungen nach. Abends und an Wochenenden widmen sie sich ihrem Projekt.

Die beiden trafen an den internationalen Messen Galeristen und wollten so herausfinden, ob eine Fotomesse in Basel auf In­teresse stösst. Das Echo war beachtlich. Vor allem, weil die «photo basel» parallel zur Art Basel stattfindet und auch im offiziellen Show-Guide als Nebenmesse erwähnt wird. In den letzten 15 Jahren nahm die Präsenz der Fotografie an der Art Basel ab. Das Konzept der «photo basel» ist einzigartig. Gefragt sind Galerien, die junge Künstlerinnen und Künstler fördern, also unter 40 Jahren.

 

Samuel Riggenbach (links) und Sven Eisenhut

Samuel Riggenbach (links) und Sven Eisenhut nutzen ihre fixen Mittagstermine zum Planen der Fotomesse. Foto: Sarah Ganzmann

Schwamm mit Glacé-Stängeli

Die beiden Basler zücken ihre Handys. Darauf haben sie viele Bilder gespeichert, die man im Juni im Ackermannshof zu sehen kriegt. «Witzig. Einfach schön. Kreativ», finden sie die Werke. Manche begeistern sogar so sehr, dass Samuel Riggenbach bereits mit dem Kauf eines Werkes liebäugelt. Konkret hat es ihm ein Schwamm angetan. Ein oranger, blauer oder grüner, bestückt mit einem Glacé-Stängeli, fotografiert vor farbigem Hintergrund. Die Bilder sind Eigentum der Künstlerin PutPut, vorgestellt von der Galerie Esther Woerdehoff aus Paris. Mit dieser Teilnehmerin gelang den beiden Veranstaltern ein Coup.

«Oft schreckten die Galeristen im ersten Moment zurück, als sie uns sahen. Wir sind als Organisatoren einer Messe recht jung», sagen der 33-jährige Sven Eisenhut und der 38-jährige Samuel Riggenbach. Aber sobald die Namen der ausstellenden Galerien fallen, würden viele hellhörig.

 

PutPut | # 6 Popsicles, 2012 | Courtesy Galerie Esther Woerdehoff, Paris

PutPut | # 6 Popsicles, 2012 | Courtesy Galerie Esther Woerdehoff, Paris

Die Geschichte des Automobils

Die Preisspanne für die Bilder an der «photo basel» liegt ungefähr zwischen 1000 und 50000 Franken. Das mag nach viel klingen. Aber: «An der Art Basel fängts erst bei etwa 50000 Franken an», so die beiden. Wenn man beachte, dass im Laufe der Jahre manche dieser Fotokunstwerke an Wert gewinnen könnten, seien die Preise erschwinglich.

Weil es aber oft gerade Foto-Klassiker sind, die Alt und Jung in ihren Bann ziehen, ist auch eine Sonderausstellung geplant. «Wir zeigen die Geschichte des Automobils in Bildern. Es werden beispielsweise Fotos des verstorbenen René Burri zu sehen sein oder Werke mit Marilyn Monroe.»

Weil dem Gastronomen und dem Projektmanager das Know-how des Galerien-Geschäfts fehlt, haben sie Profis an ihrer Seite, die ihnen Tipps zu guten Galerien geben. Sven Eisenhut: «Gut ist für uns, wer daran interessiert ist, einen Künstler langfristig aufzubauen.» So kann es durchaus passieren, dass einer irgendwann ganz gross rauskommt – und sich sein Bild tatsächlich im Wert steigert.

 

  Carmen Mitrotta | Call of Faith | Courtesy Bildhalle, Zürich

Carmen Mitrotta | Call of Faith | Courtesy Bildhalle, Zürich

 

Text: Sarah Ganzmann