Regio-Orchester beim Üben

Regio Orchester beim Üben unter der Leitung von Simon Reich.

Plädoyer für die Bratsche

Im Birseck gibt es in fast jeder Gemeinde einen Musikverein, ein Orchester oder andere musikalische Vereinigungen. Seltener sind Ensembles über die Gemeindegrenzen hinaus. Eines davon ist das «Regio-Orchester» unter der Leitung von Simon Reich. Unterstützt wird er von den beiden Musiklehrerinnen Stefanie Bischof und Franziska Fuchs.

 

Es ist Mittwoch, zwanzig vor sechs. Wie in jeder Schulwoche eilen zahlreiche junge Menschen in Richtung des Reinacher Fiechtenschulhauses. Sie tragen unterschiedlich grosse Koffer und Taschen, in denen sich ihre Instrumente befinden. Es sind Mitglieder des Regio-Orchesters. Der Name ist Programm – sind doch Schülerinnen und Schüler von sechs regionalen Musikschulen dabei. Die Region ist natürlich viel grösser, doch scheint es aus finanziellen Gründen schwierig, aus anderen Gemeinden ins Orchester zu kommen. Sehr zum Bedauern von Simon Reich, der an weiterem Nachwuchs für sein Ensemble interessiert ist, insbesondere bei den Geigen. Denn ein wenig hat das Ensemble Sprungbrettcharakter. Immer wieder verlassen die älteren Mitglieder das Orchester, um sich beispielsweise bei den Jungen Sinfonikern der Musik-Akademie Basel zu engagieren. Und eines ist sehr auffällig: Die weibliche Jugend überwiegt bei weitem.

«Wir üben jetzt diesen Strich!»

Im Regio-Orchester steht die Freude an der Musik und am gemeinsamen Erarbeiten verschiedener Literatur im Vordergrund. Aber wie immer in der Kunst ist es auch Arbeit – Woche für Woche. Die Orchestermitglieder üben ihren Part auch zuhause. Nur so kann es in der Probe um Details des Zusammenspiels gehen. Ab und zu findet eine Registerprobe statt. Dann probt Stefanie Bischof mit allen Geigerinnen. Franziska Fuchs arbeitet mit dem Celloregister und dem Bassisten des Orchesters. Konzentriert wird an einzelnen Passagen gefeilt. Da wird auch der Einzelne gehört. Die Zeit vergeht im Fluge. Am Ende ist das Ziel des Übens bis zur nächsten Probe klar. Nach der ersten Stunde verlässt ein Teil die Probe. Die nächste Stunde gehört dem «Allegro», dem Fortgeschrittenen-Orchester.

Die Altstimme bei den Streichern

Fällt Ihnen beim Lesen des letzten Abschnitts etwas auf? Genau: Die Bratschenstimme wurde unterschlagen, die eigentlich zu jedem Streichorchester gehört. Doch nur ein Bratschist hält derzeit die Fahne hoch für dieses Instrument. Da müssen teilweise die Geigerinnen einspringen, selbst aus dem Celloregister wurde schon ausgeholfen, die Bratschenstimme für ein Werk zu übernehmen. Wo ist der Nachwuchs für dieses wunderbare Instrument? Stichprobenartige Nachfragen ergeben, dass auch an den Musikschulen oft nur 1 Bratschenschüler auf 7 Schüler kommt, die Geige und 8 Schüler, die Cello lernen. An manchen Musikschulen lernt niemand Bratsche, aber weit über 40 Schülerinnen und Schüler lernen Geige, knapp 30 das Cellospiel. Ist das eine Auswirkung der weit verbreiteten Bratschen-Witze? Das wäre doch zu schade. Denn das ausgewogene Verhältnis der einzelnen Stimmen ist für den Orchesterklang wichtig, und die Bratsche übernimmt die angenehme Altstimme. Ungeachtet des Defizits an Bratschen klingt das Programm für das nächste Konzert vielversprechend. Lassen Sie sich überraschen!

Text und Fotos: Verena Jäschke