Foto: Freddy Widmer

Ganz schön unspektakulär

Von Flüh nach Aesch? Mit Velo, öV oder Auto eine Kleinigkeit. Aber statt eines kleinen Katzensprungs machen wir lieber ein paar tausend Schritte. Über ein Chöpfli, durch einen Graben, an einem Kamel vorbei, über zwei Pässe, über einen schön grünen Blauen und durch eindrückliche Rebberge.

 

Jetzt bitte nicht gleich loswettern und über den Vorschlag herziehen. Ich weiss, ich weiss: Kein Warmmachen, kein Einlaufen, kein Angewöhnen, auf los gehts los, steil und in stotzigen Kurven von Flüh hinauf aufs Hofstetter Chöpfli, fast 200 Höhenmeter in kurzer Zeit. Der Vorteil: Wenn mans gemacht hat, ist man eingelaufen und hat man sich warmgemacht für den Tag. Und noch eine Bitte: Nicht abseits des Wegs im Wald umhertrampeln; das Chöpfli ist nämlich kantonales Naturreservat. Die Felskletterer wissen um die Sensibilität der hiesigen Flora und Fauna, die Spaziergänger sind vielleicht etwas weniger gut aufgeklärt über die Besonderheiten dieses kleinen Bijous. 

 

Der Blick vom Hofstetter Chöpfli hinüber zur Landskron

Der Blick vom Hofstetter Chöpfli hinüber zur Landskron


Ein ähnlich kleines, scheinbar unspektakuläres Bijou, allerdings nicht erhaben wie das Chöpfli, sondern im Gegenteil vertieft, liegt auf der andern Seite Hofstettens: der Chälengraben. Wir empfehlen, ihn nach ergiebigem Regen zu begehen, denn dann gibt sein Bach die besten Bilder ab. Und wir emp­fehlen zweitens, ihn nicht nach ergiebigem Regen zu begehen, denn dann können Steine und Stufen, Wege und Stege durchaus glitschig sein. Wer sich nach diesem schizophrenen Ratschlag die Augen reibt, darf sie sich ein paar Minuten später ein weiteres Mal reiben. 

Das Trampeltier

Da kommt man nämlich an Nima vorbei, einer Bewohnerin der Hofstettermatte, in der Schweiz geboren zwar, aber doch einigermassen exotisch. Zweieinhalbjährig ist die Kamel-Dame, vielleicht bekommt sie bald einen Partner, und wer den Begriff Trampeltier erfunden hat, ist bestimmt noch nie von Nima mit einem ihrer zauberhaften Augenaufschläge beschenkt worden. Im weiteren Aufstieg ein weiteres Augenreiben: Die Swisscom schickt uns eine SMS und heisst uns «Willkommen in Frankreich». 
Neinnein, wir haben uns nicht verlaufen, begehen vom Blauepass (820 m) bis zum Blattepass (577 m) diesen schön grünen Blauen, diesen eleganten Hügelzug, der im Sinne des Wortes quer in der Landschaft liegt und das Wasser des Birsig von jenem der Birs trennt. Von Norden sind wir zum Blauen aufgestiegen, nordwärts verlassen wir ihn wieder und treffen beim Tschäpperli unversehens auf ein grosses WWW. Was übrigens nichts mit Internettechnologie zu tun hat, sondern schlicht Weinwanderweg bedeutet.  

Die Köstlichkeiten, die hier wachsen

Er führt durch die erstaunlich weiten Hänge der Weinbaugenossenschaft Aesch, der zurzeit vier hauptamtliche und 26 Hobby- oder Nebenerwerbswinzer angehören. 13 ro­te und 10 weisse Sorten wachsen auf ­ihren 22 Hektaren, die rund 20 Prozent der gesamten Rebfläche im Kanton Baselland ausmachen. Und weil man in Worten, seien sie noch so wichtigtuerisch und oenologisch-geschwollen geschrieben oder gesprochen, schlecht etwas aussagen kann über die Köstlichkeiten, die hier wachsen und dann verschiedenenorts weiterreifen und veredelt werden, raten wir, von diesem wanderbaren WWW hinüberzuwechseln ins digitale www, genauer zur www.weinbau-aesch.ch. Hier ist mehr zu erfahren über die lange Geschichte des Weinanbaus in Aesch, den Weinwanderweg, die Sorten, die Produzenten, die Anlässe, die Produkte und sollte es schliesslich zum Kontakt kommen, bleibt nur noch dies: zum Wohl.


Text und Fotos: Freddy Widmer