Kinder unter Wasser

Zehnjährige Nichtschwimmer sind Aussenseiter

Für die Verantwortlichen vom Schwimmverein beider Basel gehört Schwimmen ­eigentlich zur Allgemeinbildung. Ab dem Alter von drei Monaten können sich Klein­kinder ans Wasser gewöhnen. Über diese und andere interessante Themen unterhielt sich das BirsMagazin mit Insidern des SV beider Basel.

 

«Schwimmen gehört eigentlich zur Allgemeinbildung, wie das Schreiben oder das Velo fahren», erklärt mir Susanne Galliker. «Zehnjährige, die nicht schwimmen können, sind in ihrem Freundeskreis wie Aussenseiter.» Und nicht nur das: Wie man weiss, sind über 80 Prozent der Kinder, die weltweit ertrinken, Nichtschwimmer. Allein schon deswegen macht es Sinn, schwimmen zu lernen. Dabei sollen auch kulturelle Unterschiede nicht zum Hindernis werden, weshalb die Schwimmschule beider Basel auch Mädchen und Frauen gerne willkommen heisst, die lieber in einem Burkini am Schwimmunterricht teilnehmen möchten.

Wasser ist ein Element, an das man ein Kleinkind schon im Alter von drei Monaten gewöhnen kann. Es geht dabei um Automatismen, zum Beispiel den Atemschliessreflex, wenn der Kopf unter Wasser ist. In der Schwimmschule (ab 4V Jahren) wird als Erstes die Technik des Rückenschwimmens vermittelt und nicht etwa der ­«Brustschwumm». Paul Göldi erklärt: «Beim Schwim­men auf dem Rücken fallen die Probleme mit der Atemtechnik weg.» Es folgt das Crawlen und dort geht es um saubere Beinarbeit. «Das Brustschwimmen», führt Paul Göldi aus, «ist die schwierigste Technik, da es Koordination zwischen Armen und Beinen und Atmung erfordert». Und ausserdem – man höre und staune – ist es die am wenigsten gesunde Schwimmart, weil es die Kniegelenke strapaziert. Schliesslich folgt noch die Delfintechnik und gemäss Günter Hulliger ist es das Ziel der Grund­lagen-Schwimmkurse, dass Teilnehmende am Ende alle vier Schwimmtechniken beherrschen. 

Schwimmen für jung und alt

Gibt es eigentlich auch Erwachsene, welche im fortgeschrittenen Alter noch schwimmen lernen wollen? Susanne Galliker bestä­tigt dies: «Schwimmen lernen kann man in jedem Lebensalter. Letztes Jahr war ein Kursteilnehmer bereits 72 Jahre alt.» Dass Schwimmen in der Schweiz, als drittbeliebteste Sportart, ein eigentliches Schattendasein fristet, beschäftigt Günter Hulliger. Er meint dazu: «In der Schule ist Sport ein Pflichtfach. Aber wenn eine Lehrperson keinen Bezug zum Schwimmen hat, wird es schwierig. Ausserdem ist es eine Herausforderung, zwanzig Kinder im Hallenbad unter Kontrolle zu behalten. Dazu wären mehrere Hilfskräfte nötig. Deshalb bieten wir vom Schwimmverein beider Basel eine Alternative an: Schwimmkurse für alle Alterskategorien.»

Nicht zuletzt ist es auch eine Frage des Platzes, der «verfügbaren Wasserfläche», wie es im Fachjargon heisst, denn auf dem gesamten Stadtgebiet von Basel gibt es ganze zwei Hallenbäder mit 25-Meter-­Bahnen: Das Rialto und die St. Jakobshalle, wobei nur das Rialto der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

Die 600 Mitglieder (davon 170 aktive Schwim­mer/innen) des SV beider Basel sind im «Joggeli» zuhause. Sie frönen ihrem Hobby mit Leidenschaft und den Spitzenathleten im Verein ist es egal, dass es in ihrem Sport nichts zu verdienen gibt. «Wenn alle so ein Kommerzdenken hätten», meint Günter Hulliger, «dann müssten sämtliche Bewegungstalente Fussball oder Tennis spielen. Unser Wettkampfteam kann sich jedenfalls nicht über Zulauf beklagen.»

Ich bin mir nun also sicher, dass Schwim­men etwas ist, das jeder Mensch können müsste. Abgesehen von der Sicherheit im Wasser, hat man zusätzlich – wie es Su­sanne Galliker fast mystisch ausdrückt – «das Gefühl von Schwerelosigkeit und Drei­di­men­sionalität, wie man es sonst nirgends erleben kann».

 

Wir haben gesprochen mit: Günter Hulliger, Vizepräsident SV beider Basel; Susanne Galliker, Qualitätssicherung und Paul Göldi, Leiter Schwimmschule.


Text: Heinz Studer, Fotos: zVg/SVbB