Petra Maier

Die Rezeptionistin mit Wirtepatent

Ohne Petra Maier, welche im Normalbetrieb die Hotel-Rezeption betreut und die freundliche Stimme am Telefon ist, wäre derzeit «Not am Mann». Sie freut sich allerdings, wenn die Sommerküche öffnet und das Kloster sich zeitweise wieder mit Leben füllt. 

 

Exakt beim Eintritt ins Kloster zum Interview geht der Feuermelder los. Ein schauerlicher Ton hallt durch das Gebäude. Die Fenster zum Innenhof sind zugeklebt. Rezeptionistin Petra Maier rennt in den Garten und ruft über die Schulter, dass sie bald zurück sei. Vor dem Standesamt wurde ein roter Teppich ausgerollt. Blumen zieren den Eingang zum provisorischen Trauzimmer. Die Zivilstandsbeamtinnen haben sich mit der neuen, vorübergehenden Situa-
tion arrangiert und versuchen, den Trauakt trotz Baustelle für die Brautpaare schön zu machen. Petra Maier kommt atemlos zurück. Die Sirene ist verstummt. Jetzt müsse sie nur noch die Feuerwehr anrufen, damit diese keinen Alarm auslöst und fünf Mi­nuten später vorfährt. Hinterher erfahre ich, dass ein Bauarbeiter versehentlich ein Kabel durchtrennt hat und deshalb die ­Feuermelder ständig Alarm schlagen. Ein Elektriker schaut vorbei, bringt einen Schlüssel zurück und erklärt, dass er das Problem gefunden und gelöst habe. Der Feuermelder sollte jetzt keinen Fehlalarm mehr auslösen. 

Vor Schliessung überbucht

Petra Maier, welche seit sieben Jahren beim Kloster im Einsatz steht, ist zurzeit die 
einzige Angestellte, welche während der Umbauarbeiten nach dem Rechten schaut. Immer wieder rufen Gäste an, die nicht wissen, dass das Kloster bis im September geschlossen bleibt. Sie vertröstet sie. Sie mag es nicht, wenn nichts läuft. «Aber die Zeit bis zur Schliessung war spannend. Wäh­rend der Uhren- und Schmuckmesse war das Haus nochmals ausgebucht», sagt sie und strahlt übers ganze Gesicht. «Wir waren sogar überbucht und ich habe dann im ganzen Haus Möbel zusammengesucht und zwei zusätzliche Zimmer eingerichtet. Dann konnten wir alle Gäste zufriedenstellen.» 

Liebt den Vollbetrieb

Die Rezeptionistin mit Wirtepatent ist patent und geschäftstüchtig. Dieser Umbau sei spannend. Sie freue sich auf das Neue, aber der «Wartezustand» sei für sie schwer auszuhalten. «Ich liebe die Tage im Voll­betrieb mit Hotellerie und Gastronomie. Da weiss ich nie, was der Tag bringt.» Neben den Gästen hat sie auch immer wieder Menschen, die ihre Strafzettel und Bussen mit gemeinnütziger Arbeit im Kloster «abarbeiten». Manche dieser Gäste versuchen, nicht aufzufallen und legen sich auch einmal zum Schlafen in den Keller oder in 
die hinterste Ecke des Klostergartens. Die müsse man dann suchen und wecken. Aber vor der Schliessung habe ein richtiger Goldschatz im Kloster gearbeitet und er habe viele schwere Gegenstände ganz diskret vom Estrich in die Mulden hinuntergetragen. Das sei eine grosse Erleichterung für das Personal gewesen. 

Viele Stammgäste

Ihre Stammgäste vermisst sie. Davon gebe es nämlich einige, welche die einfache, unkomplizierte Unterkunft im Kloster schätzen. Einer davon hat jetzt einen Camper auf dem Campingplatz in Reinach. «Aber ich hoffe, dass er dann zurückkommt, wenn wieder Normalbetrieb herrscht», sagt Petra Maier und nimmt den nächsten Anrufer entgegen, der eine Reservation für die Zeit nach der Neueröffnung macht.

 

Text und Foto: Jay Altenbach-Hoffmann