Ein «Kuhhandel» bringt Nordwestschweizer Schwingfest nach Therwil

Ein «Kuhhandel» bringt Nordwestschweizer Schwingfest nach Therwil

Eine schicksalshafte Begegnung im Jahr 2013 und die Tatsache, dass in Therwil noch nie ein Kranzschwingen stattgefunden hat, sind die Gründe, weshalb in der Leimentaler Gemeinde am 13. August das 110. Nordwestschweizer Schwingfest stattfinden wird. Eingebettet ist es in das «LandFest17», das vom 11. bis 13. August dauert.

 

Sportlich bewegt sind Roman Heggendorn als Präsident der Therwiler Leichtathleten und Matthias Hubeli als Präsident der Ther­wiler Handballer seit Jahren, dies natürlich auch als aktive Sportler. Ihr Engagement für den Sport erweiterten sie mit «Därwil in Bewegig», einem Verein, der mit obrigkeitlicher Bewilligung zwischendurch die Bahnhofstrasse sperren lässt, um dort Streetsoccer-Spieler oder Stabhochspringer auflaufen zu lassen, einfach Sportarten, die es aus ihrer Sicht verdienen, ins Zentrum gerückt zu werden. Vor allem aber verbindet die beiden Therwiler die Freude am Schwingen, auch wenn sie selbst keine ­aktiven Schwinger sind. Sie geniessen es, wenn es die Zeit zulässt, Schwingfeste zu besuchen, seit 1995 waren sie an jedem «Eidgenössischen».

 

Schwinger in Aktion (Foto: Denise Gschwind)

Fotos: Denise Gschwind

 

Schicksalshafte Begegnung

Das Schicksal kam im Jahr 2013 ins Spiel, als Roman Heggendorn seinen ehemali-gen Turn­lehrer Urs Lanz im Arlesheimer Schwimm­bad traf. Lanz ist Präsident des Basellandschaftlichen Kantonal-Schwinger­verbandes und als solcher auch im Nordwestschweizerischen Schwingerverband tä­tig. Weil man damals vor einem «Eidgenössischen» stand, fragte Roman Heggendorn mit einem Augenzwinkern, wie es denn mit Tickets aussehe. Urs Lanz ergriff die Gelegenheit und schlug ihm lachend einen «Kuhhandel» vor: «Ich schaue für Tickets, wenn du dafür das 110. Nordwestschweizer Schwingfest in Therwil übernimmst.» Die Idee war geboren. Roman Heggendorn und Matthias Hubeli fackelten nicht lange und machten sich an die Arbeit. Urs Lanz wusste sehr wohl, dass seine Anfrage in guten Händen war, da die drei schon lange freundschaftlich verbunden sind. «Ich freue mich sehr über diesen Austragungsort, auch weil hier noch nie ein Kranzfest, wie eben ein Nordwestschweizerisches, stattfand», erklärt er.

 

Schwinger in Aktion (Foto: Denise Gschwind)

 

«Matthias und ich sahen sofort, dass das Schwingfest für uns und ‹Därwil in Bewegig› ein verlockendes Angebot ist. Aber es war uns auch klar, dass wir das nicht alleine würden stemmen können», erinnert sich Roman Heggendorn. Also machten sie sich auf die Suche nach weiteren engagierten Mitstreitern für das «OK Nordwestschweizer Schwingfest 2017». «Klar war auch, dass wir das Schwingfest nicht auf der Bahnhofstrasse würden durchführen können», ergänzt er lachend. Relativ schnell gelang es ihnen, ein starkes OK zu bilden und sie formulierten ein Konzept zur Durchführung des Schwingfestes auf dem Areal Känelmatt.

«Därwil in Bewegig» betrat damit Neuland, nicht nur wegen der Grösse des Projekts, sondern auch weil ihnen das vertiefte Wissen über den Schwingsport fehlte. Dieses erhielten sie vom beigezogenen Schwingklub Oberwil. «Es ist üblich, dass bei einem derartigen Schwinganlass ein benachbarter Schwingklub bei der Durchführung beigezogen wird, wenn im Durchführungsort keiner vorhanden ist», erklärt Urs Lanz. Er selber sitzt als Vertreter des Nordwestschweizerischen Schwingerverbandes eben­falls im OK. Bei der Ausarbeitung des Festkonzeptes entschieden Roman Heggendorn und Matthias Hubeli mit dem OK, dass sie das Nordwestschweizerische Schwingfest in ein dreitägiges Fest auf dem Land, das «LandFest17», einbetten wollten.

 

Schwinger in Aktion (Foto: Denise Gschwind)

 

«Den Namen haben wir als Gegenstück zum Begriff Stadtfest gewählt. Beim ‹Land-­Fest17› sollen das Volksbrauchtum, das traditionelle Handwerk, die Geselligkeit und der Sport in den Vordergrund gerückt werden», ergänzt Roman Heggendorn. Anfäng­lich gab es skeptische Stimmen, die aber in der Zwischenzeit verstummt sind. Heute sind alle überzeugt vom dreitägigen «LandFest17», das vom 11. bis 13. August dauern wird, und selbstverständlich auch von seinem sportlichen Höhepunkt, dem Nordwestschweizerischen Schwingfest am Sonn-­tag, 13. August. «Es ziehen alle mit grosser Lust am selben Strick», freuen sich die Gesprächspartner, die sich jetzt mit den Vorbereitungen auf der Zielgeraden befinden. Mittlerweilen haben sie mit einer spek­ta­ku­­lären Plakataktion das «LandFest17» in die ganze Region getragen und bekannt gemacht.

Schwingarena für 4000 Zuschauer

Von der Ausarbeitung des Grundkonzeptes und der Bildung des Organisationskomitees bis zur Durchführung des Nordwestschweizerischen Schwingfestes 2017 in Ther­wil und dem «LandFest17» war es ein langer Weg, haben doch über 20 OK-Sitzungen stattgefunden. Intensiv wurden die Vorbereitungsarbeiten im Jahre 2015, nachdem die Delegierten des Nordwestschweizer Schwingverbandes die Therwiler definitiv mit der Durchführung des Anlasses betrauten. In der Folge musste einerseits das Festareal mit seiner Infrastruktur geplant werden und andererseits die Schwing­arena.

 

Schwinger in Aktion (Foto: Denise Gschwind)

 

Bei der Schwingarena flossen das Fachwissen des Verbandes sowie des Schwingklubs Oberwil ein. «Wir sind bei der Arena für alles innerhalb der Absperrung verantwortlich», erklärt Christian Zimmerli, Prä­sident des Schwingklubs Oberwil. «Insbesondere sind wir für die Bereitstellung der vier Sägemehlringe von 12 Metern Durchmesser und rund 20 Zentimeter Höhe verantwortlich.» «Tanniges» Sägemehl wurde bevorzugt, das Christian Zimmerli bereits vor einem Jahr bei einer Sägerei in Zeglingen bestellt hatte. Nach Therwil werde es bei einem weiteren Schwingfest wiederverwendet. Aber auch um den Gabentempel im Wert von rund 100000 Franken kümmern sich die Oberwiler.

Beim Aufbau der Tribünen kommt der Zivilschutz Leimental zum Einsatz. Beim Fest selber werden rund 750 Helferinnen und Helfer engagiert sein. «Diese werden mit 6 Franken pro Stunde entschädigt», erklärt OK-Präsident Matthias Hubeli. «Einen allfälligen Gewinn verteilen wir dann unter den Helferinnen und Helfern.» Beim Budget für die drei Tage geht er von rund 500000 Franken aus, bei 8000 bis 10000 Festbesuchern. «Die Schwingarena bietet Platz für rund 4000 Schwingfreunde. «Unser dreitägiges Fest kann nicht funktionieren ohne die freiwilligen Helferinnen und Helfer, die grosszügigen Beiträge der Sponsoren, die Unterstützung durch die Gemeinde und die Schwinger, den Zivilschutz Leimental sowie weitere Kreise. Für diese Unterstützung sind wir allen Beteiligten von ganzem Herzen dankbar», betont Matthias Hubeli.

Dreitägiges Volksfest und Spitzensport

Das Therwiler «LandFest17» beginnt am Freitag um 17.00 Uhr. Um 17.30 treten im Festzelt die «Schloss-Buam» auf, dazu kann man sich ein kühles Feierabendbier gönnen. Ab 20 Uhr sorgt das Quartett Waschächt für gute Laune, und es beginnt der Musik-, Fest- und Barbetrieb mit DJ Omero. Mit guter Stimmung geht es am Samstag weiter; diesen Tag werden das Brauchtum und die Traditionen, vor allem aber die Familien­aktivitäten prägen. Am Abend soll dann wieder beste Partylaune herrschen.

Am Samstag gibt es ab 11.00 Uhr attraktive Angebote für Kinder auf dem Festgelände. Der Besuch des Streichelzoos, der vom Bauernverband beider Basel vorbereitet wird, wird nicht nur für die Kleinen ein Genuss sein. Spannende Erlebnisse verspricht der grosse Handwerkermarkt, bei dem man traditionellem Handwerk begegnen kann. Schausteller und kulinarische Angebote runden das Angebot ab. Für alle Schulkinder im Leimental – rund 2500 werden angeschrieben – besteht die einmalige Gelegenheit, in der grossen Arena von 13.30 bis 15.30 Uhr live Schwingerluft zu schnuppern. Mitglieder des Schwingklubs Oberwil machen die Kinder mit den Grundzügen des Schwingens vertraut. Vielleicht beginnt hier die spektakuläre Karriere eines Jungschwingers oder einer Jungschwingerin. Nach dem Festgottesdienst in der Schwing­arena um 17.00 Uhr, startet der Bar- und Festbetrieb mit DJ Omero. Keinesfalls verpassten sollte man das Konzert im Festzelt von «ChueLee».

Der Sonntag steht dann ganz im Zeichen des Schwingens, aber der Festbetrieb wird auch während des 110. Nordwestschweizer Schwingfests weitergehen. 

Bereits um 7.00 Uhr in der Früh wird das Festgelände für die Besucher geöffnet. Um 8.00 Uhr treten die Schwinger an und eine halbe Stunde später beginnt das Anschwingen. Der Wettkampf wird durch die Mittags­pause von 11.30 bis 13.15 Uhr unterbrochen. Um 15 Uhr findet der Festakt statt und um 15.30 Uhr startet der Kranzausstich. Eine Stunde später treten die Schwinger zum Schlussgang in den Sägemehlring. Die Rang­verkündigung ist für 17.30 Uhr geplant. Der Festbetrieb geht dann noch bis 20.00 Uhr weiter. Tickets für den Arenazutritt sind über www.landfest17.ch erhältlich. 

Hier wird auch laufend aktuell über das «LandFest17» und das Nordwestschweizer Schwingfest informiert.
 

Text: Heiner Leuthardt, Fotos: Denise Gschwind