Naturspielgruppe «Arleser Chinderschloss»

Spielen im Schloss

Da, wo viele Besucher nicht hinkommen, beginnt für Kinder eine Märchenwelt: Beim Schloss Birseck führt Nicole Fey-Schmidlin eine Naturspielgruppe für Kinder ab drei Jahren.

 

Eine Mandel nach der anderen wandert in den Mund. Alia kaut vergnügt, Kian guckt verdutzt. «Meitli, du hast so viele Mandeln gegessen. Mach jetzt den Maikäfer für dein Mami», sagt Nicole Fey-Schmidlin und schiebt der Vierjährigen das Schälchen vor die Nase. Sechs Kinder sitzen in der Küche. In der Ecke lodert das Feuer im Holzofen, aus dem Hahn kommt noch kein Wasser und ganz langsam entstehen wunderschöne Muttertagsgeschenke.
Basteln ist ein wichtiges Element in der ­Naturspielgruppe «Arleser Chinderschloss». Die Leiterin Nicole Fey-Schmidlin achtet auf einen ausgewogenen Mix aus Spielen, Singen, Basteln und Draussen-Sein. Jede Gruppe kommt einmal pro Woche vorbei, für rund drei Stunden. Man trifft sich hinter historischen Mauern, wo nicht jeder hinkommt: im Schloss Birseck. 

 

Naturspielgruppe «Arleser Chinderschloss»

 

Willkommen in der Märchenwelt

Wenn sich das grosse Holztor öffnet, ist der Weg frei in zwei Welten. Einerseits beginnt eine Zeitreise ins Mittelalter. Denn es gibt weder warmes Wasser, noch solches, das aus dem Hahn kommt. Jedenfalls nicht im Winter. Dann nämlich müssen Fey und die Kinder am Brunnen vor dem Haus Wasser holen. Auf dem WC gibt es keine Spülung, geheizt wird mit Feuer und das Brot kommt in den und aus dem Holzofen. 
Andererseits betritt man eine wunderbare Märchenwelt. Vieles dreht sich ums Thema Schloss – die Namensschilder an der Garderobe sind als Kronen gestaltet, ein Kronleuchter hängt im Zimmer und im Keller bauen die Kinder derzeit ihr eigenes Traumschloss. Sind die Kinder gerne hier?

 

Naturspielgruppe «Arleser Chinderschloss»


«Jaaaaaa!», rufen alle sechs. «Am liebsten spielen wir!» Basteln sei auch hoch im Kurs, sagt Nicole Fey-Schmidlin, während sie den letzten Schoggi-Maikäfer zum Trocknen auf den Tisch legt und die Gruppe ins Nebenzimmer treibt. «Kinder, wir müssen vorwärts machen. Wir haben ein volles Programm heute. Jetzt feiern wir den Geburtstag von Kian!»

 

Naturspielgruppe «Arleser Chinderschloss»

 

Rüebli, Gurke und Muffin

Vier Finger zeigen in die Luft. «So alt werde ich!», freut sich Kian. Er ist unter fünf Mädchen der einzige Bub – und der letzte, der vier wird. Zur Feier des Tages darf er die Krone aufsetzen und lässt sich vom Geburtstagszwerg mit einem Edelstein beschenken. Dann kommt ein wichtiges High­light: Muffin-Essen, die Kians Mami gebacken hat. Rüebli und Gurke gibts auch dazu, es folgen Singspiele und Värsli, die Kinder spielen mit Puppen und schauen Büchlein an, die Maikäfer werden eingepackt – und schon ist es Zeit, sich anzuziehen und aufzubrechen.
«Kannst du mir die Schuhe binden?» Fey hilft einem Kind nach dem anderen und greift nach dem Schlüsselbund mit grossen, alten Schlüsseln. «Das sind richtige Schloss-Schlüssel», sagt sie schmunzelnd und auch ein bisschen stolz. Dann entlässt sie die Kinder in die Natur.
Drei Mal pro Woche, jeweils vormittags, bietet Nicole Fey-Schmidlin die Naturspielgruppe an. Seit vier Jahren schon. Weil sich die Kindergärtnerin selbstständig machen wollte und sich sehr für die Wohnung im Schloss interessiert hat, weibelte sie lange beim Besitzer. Nach über einem Jahr bekam sie schliesslich das Okay, den Ort für eine Spielgruppe einzurichten, mit urchigem Charme. Platz für weitere Gruppen hat sie noch genug. Ausserdem plant sie immer wieder Kurse, auch für Schulkinder, wo man gemeinsam kocht oder auch einmal im Schloss übernachtet. 

 

Naturspielgruppe «Arleser Chinderschloss»

 

«Adie» auf der Holzbank

Mit Rucksack, Regenhose und Wanderschuhen schlendern die Kinder durch die Ermitage. Langsam werden sie müde. Eines berührt aus Versehen Brennesseln, ein anderes fällt zu Boden. Doch zum Glück trocknen Kindertränen meistens schnell.
Lena würde gerne über den Wurzelweg zum Bachrechen gehen. Doch der ist nass und rutschig. Die Spielgruppen-Leiterin entscheidet sich für den Weg beim Dreiröhrenbrunnen: «Hier kochen sie jeweils Hexensuppe.» Das heisst: Gras und Äste kommen in den Brunnen; natürlich wird anschliessend alles wieder gesäubert. Unterwegs sammeln die Kinder ausserdem Löwenzahn, bauen Steintürmchen und am Weiher staunen alle über die dicken Fische. Kurz vor dem Bachrechen gibt es dann einen kurzen Stopp bei einer grünen Holzbank: Es ist das Adie-Bänkli. Nicole Fey-Schmidlin und die Kinder singen «Adie mittenand», während sie einander winken. Dann setzen die Kinder zum Endspurt an und rennen den Eltern entgegen.
 

Text und Fotos: Sarah Ganzmann