Cinema Drive-In Pratteln. Foto: Kevin Dennis Müri

Wie aus der Basler Fasnacht 
ein Filmfestival wurde

Giacun Caduff können wir dankbar sein, dass die Filmszene in der Region Basel eine lebendige ist. Er, der schon seit Jugendtagen bei allen als «der Filmer» bekannt ist, ist der Initiant des Gässli-Film-Festivals in Basel und des Cinema Drive-In in Pratteln. 
Mit dem Film «La femme et le TGV», den er als Produzent realisierte, hat er sich dieses Jahr weit über die Stadtgrenzen einen Namen gemacht.

 

Angefangen hat das Ganze vor knapp zehn Jahren. Der junge Caduff, der soeben sein Filmstudium in Los Angeles absolviert hatte, kehrte nach Basel zurück und lernte an der Basler Fasnacht, die ihm bis dahin eher fremd war, die zahlreichen mit Charme erfüllten «Gässli» von Basel kennen. Da kam ihm die Idee für das Gässli-Film-Festival. Er merkte schnell, dass es in Basel zwar keine Filmschule gibt, dass jedoch das Interesse am Filmemachen reichlich vorhanden ist. Zusammen mit seinem guten Freund Marc Hermann hat er dann über die Jahre ein beachtetes, aber immer noch familiäres Film-Festival in der Stadt Basel aufgebaut. Die beiden Kollegen sind zwei total unterschiedliche Charaktere, die sich bestens ergänzen. Wie sagt man so schön: Gegen­sätze ziehen sich an. Und so startet diesen Sommer vom 31. August bis 3. September bereits die 9. Ausgabe des Festivals.

Regional verwurzelt

Die regionale Komponente ist am Festival sehr wichtig. In den beiden Nachwuchskate­gorien U21 und U31 müssen die Filme jeweils einen Bezug zur Region Basel haben. Man muss nicht aus der Region stammen, aber der Film soll zum Beispiel in Basel spielen oder es soll ein Basler Schauspieler mitwirken. Damit wird das vernetzte, interkantona­le Denken der Nachwuchsfilmer gefördert, was später im Filmgeschäft sehr wichtig ist. Neben den beiden Nachwuchskategorien werden auch Preise für die besten Schweizer Filme, für internationale Filme und für Musikvideos vergeben. Dieses Jahr wird auch erstmals neben Preisen für «Best Pictures» auch ein Preis für die beste Regie aller Festival-Filme vergeben, welcher von der SRG SSR gespendet und mit 2000 Franken dotiert ist. Damit soll etwas Oscar-Feeling nach Basel kommen. Zusätzlich zum Preisgeld erwarten die fünf Nominierten auch exklusive Hotelübernachtungen in Basel.

 

Gaessli Film Festival Basel. Foto zVg


Das Basler Film-Festival ist ein Erlebnis für alle Filmliebhaber. Hier sollen nicht nur Filme gezeigt werden, sondern hier soll ein Erlebnis geboten werden: das Geniessen von herausragenden Filmen in der atem­beraubenden Kulisse der Gässli von Basel. Durch seine Studienzeit in den USA hat Giacun viele Kontakte zu den bekannten Grössen im Filmgeschäft, wovon er jährlich jeweils eine nach Basel ans Festival einlädt und dessen Gesamtwerk er würdigt. Er sagt: «In der Zeit von Smartphones ist es keine Hexerei mehr, Filme zu machen. Doch das Schaffen von Werken, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ist nach wie vor eine riesige Herausforderung. Die Filmgrössen sollen inspirierend auf die jungen Filme­macher am Festival wirken.»

Ein Autokino

Neben dem Film-Festival findet jeden Som­mer in Pratteln das Cinema Drive-In statt. Ein weiteres Projekt, das Caduff gestartet hat. Ein Jahr nach dem Start des Filmfes­tivals wurde Giacun von seinem Vater mit der Organisation eines Old-Timer-Ausflugs beauftragt. Da dachte er sich, ein abschlies­sendes Autokino würde perfekt dazu passen. Die zahlreichen positiven Rückmeldun­gen motivierten ihn, jährlich ein Autokino zu organisieren. 
Beim Cinema Drive-In soll der amerikanische Flair der 50er-Jahre spürbar werden. Hier werden den Liebhaberinnen und Liebhabern von Autos, Filmen und Nostalgie jeden Abend Blockbuster und Klassiker in einem einzigartigen Ambiente und auf Grossleinwand präsentiert. Während des Films sorgen Rollergirls in heissen 50ies-Outfits für das kulinarische Wohl des Publikums, während dieses gespannt über das Autoradio dem Film folgt. Wem es im eigenen Auto zu viel wird, dem dient ein alter Londoner Doppeldeckerbus mit fünfzehn Plätzen als reizvolle Abwechslung. Der Bus kann auch für Firmenanlässe gebucht werden.
Dieses Jahr wird am Eröffnungsweekend das Theaterkollektiv «Glück» vor Ort sein, das seinen eigenen Film musikalisch begleitet. Auf witzige Art werden im Film skurrile Charaktere von politisch ganz links bis ganz rechts gezeigt, die alle einen speziellen Bezug zum Thema Automobil haben. Ebenfalls am ersten Weekend wird der von Caduff selbst produzierte Kurzilm «La femme et le TGV» auf  die Leinwand projiziert. Der Film hat dieses Jahr dem Produzenten einen unerwarteten Höhenflug beschert. Er wurde nämlich mit vier anderen Filmen aus mehr als 500 Bewerbungen ausgewählt und für den Oscar als bester Kurzfilm 2017 nominiert. Wir dürfen gespannt sein auf die weiteren Filmprojekte von ­Giacun Caduff.
 

Text: Tiziano Bloch, Fotos: zVg