«SONOS-Quartett» und «Cuarteto Gerhard» vor ihrem Auftritt in Arlesheim

«SONOS-Quartett» und «Cuarteto Gerhard» vor ihrem Auftritt in Arlesheim

«Wir suchen das Spezielle»

Seit fünfzehn Jahren gibt es die «Kammermusik Arlesheim». Der initiative Verein feiert das kleine Jubiläum mit einem ganz besonderen Konzert: «Die Geschichte vom Soldaten» wird auf dem Domplatz in Arlesheim und im Neuen Theater Dornach aufgeführt.

 

Die Idee hatte die Pianistin Brigitte Dolenc: «Ach, es wäre so schön, wenn wir eine Kam­mermusik in Arlesheim hätten. Bauen wir das zusammen auf? Hilfst du mit?» Ursula Bischof, damals Präsidentin des Musikschulrates Arlesheim, war sofort Feuer und Flamme. Annina Reinert, Nicole Schilling und Theodor Wirz waren mit von der Partie und man gründete den Verein «Kammermusik Arlesheim».

Musik aus der Region und für die Region

«Es gibt in Basel so viele begabte Musiker», schwärmt Ursula Bischof, «es war und ist unsere Absicht, Musikerinnen und Musiker aus der Region mit einem interessierten Pub­likum aus der Region zusammenzubrin­gen. Die Leute sollen ohne Auto, mit dem Tram oder zu Fuss zu unseren Konzerten kommen.» Seit 2002 organisiert der Verein jedes Jahr vier Konzerte mit kleinen Ensembles. Das Programm deckt ein breites Spektrum ab: «Wir suchen das Spezielle», sagt Ursula Bischof, «es darf zwar gern einmal Mozart oder Bach sein, aber wir möchten den Leuten auch Klänge bieten, die sie noch nie gehört haben, wenig bekannte Kompositionen, Volksmusik, Weltmusik. So ist im nächsten Jahr zum Beispiel eine Uraufführung eines Werkes für Saxophon, Akkor­deon  und Violoncello vorgesehen. Wir kom­binieren die Musik auch mit Lesungen oder Tanz und im Forum Würth brachten wir  Musik und Malerei zusammen.»
Die Konzerte finden in der Regel in der Aula Gerenmatte in Arlesheim statt. Aber die «Kammermusik» führt das Publikum mindestens einmal im Jahr auch an andere Or­te: ins Goetheanum, ins Forum Würth, in die reformierte Kirche Arlesheim. Auch vor Open-air-Konzerten schreckt die «Kammer­musik» nicht zurück, im Garten des reformierten Kirchgemeindehauses Arlesheim, auf dem Trotteplatz oder in der Ermitage. Und im Jubiläumsjahr auf dem Domplatz und im Neuen Theater Dornach.
«Wir probieren immer wieder Neues», sagt Ursula Bischof, «meistens zieht das Publikum begeistert mit. Modernere Musik ist dem Publikum noch ungewohnt, doch wir wollen ihm den Zugang öffnen. Leider finden die Familienkonzerte weniger Anklang, als wir hofften, denn es ist uns ein grosses Anliegen, auch junge Menschen und Kinder für die Musik zu begeistern.» Die «Kammermusik» begann mit 43 Abonnenten, heute sind es 107. Sie bezahlen 100 Franken für vier Konzerte. Die Hälfte des Publikums besteht jeweils aus Abonnenten, die an­dere Hälfte sind Personen, die sich für die Kompositionen oder für die Ensembles interessieren. 

SONOS und Gerhard

Immer wieder zu Gast bei der «Kammermusik» ist das «SONOS-Quartett», Jirˇí Neˇ-mecˇek (Violine), Stefanie Bischof (Violine), Martina Bischof (Viola) und Andrea Bischof (Violoncello). Zuletzt machte das «SONOS-Quartett» im November letzten Jahres Fu­rore, als es in der Aula zusammen mit dem katalanischen «Cuarteto Gerhard» Werke von Brahms und Mendelssohn zur Aufführung brachte. Soeben ist übrigens eine neue CD des «SONOS-Quartetts» mit Werken von Haydn und Beethoven erschienen (siehe Hinweis).

Es gibt viel zu tun

Ursula Bischof, Brigitte Dolenc, Daniel Haupt­mann, Elisabeth Krähenbühl, Giorgia Milanesi, Annina Reinert und Nicole Schilling bilden heute den Vorstand der «Kammermusik». Sie haben viel zu tun und sie arbeiten natürlich alle ehrenamtlich. Aber sie legen grossen Wert darauf, den Musikerinnen und Musikern anständige Honorare zu zahlen. Da reichen die Einnahmen aus Abonnementen und Abendkasse natürlich nicht aus. Zum Glück gibt es Sponsoren und diese unterstützen die «Kammermusik» gerne. Im Jahresprogramm 2017 sind 
17 Geldgeber aufgeführt. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass die Jahres­programme und die Plakate der «Kammermusik» immer sehr geschmackvoll gestaltet sind.
Das Jubiläumsjahr begann im Januar in der reformierten Kirche Arlesheim mit dem ­Ensemble «Les cornets noirs», das frühbarocke Instrumentalmusik aus Italien und Deutschland intonierte. Am 22. Oktober wird «Musique Simili» mit seinem Programm zum 20-Jahr-Jubiläum «Tour de fête», in der Aula Gerenmatte auftreten, obwohl Ursula Bischof befürchtet, dass dort nicht alle Interessierten Platz finden werden. Am 26. November offeriert der «Kammerchor Notabene» in der reformierten Kirche Arlesheim «A Ceremony of Carols».
Am 16. Juni findet das ganz spezielle Jubiläumskonzert vor dem Dom statt: «Die Geschichte vom Soldaten» von Igor Strawinsky. Das Werk entstand vor hundert Jahren, 1917, während des ersten Weltkriegs. Es basiert auf einem russischen Märchen, das von einem Soldaten erzählt, der zwischen der teuflischen Versuchung von Macht und Reichtum und der rettenden Liebe zu wählen hat. Strawinskys Komposition beruht auf der Nacherzählung von Charles-Ferdinand Ramuz, die – das sei nebenbei erwähnt – von Mani Matter ins Berndeutsche übertragen wurde. Das Werk wurde geschrieben für einen Vorleser, zwei Schauspieler, eine Tänzerin und sieben Musiker. In der Arlesheimer Aufführung werden die Musiker zugleich die Sprechrollen übernehmen. Am 17. Juni wird das Konzert im Neuen Theater Dornach wiederholt.

 

Text: Jürg Seiberth, Fotos: zVg