Brandhärd. Foto: Darwin Hansen

Foto: Darwin Hansen

«Der grösste Erfolg ist eigentlich, dass es uns noch gibt»

Brandhärd sind auch nach 20 Jahren noch fresh. Das Bandjubiläum feiern die erfolgreichsten Baselbieter Rapper aller Zeiten mit einer speziellen Best-Of-Platte, die weit mehr ist als ein Remix ihrer Karriere.

 

Neulich in Basel. Fetch, Johny Holiday und Mr. Fierce trinken nach einem Radiotermin Kaffee im Rümelinshof. Mit der Rechnung kommt die scheue Bitte der Bedienung um ein Autogramm. «Ich war schon mit meinem Vater an euren Konzerten», erzählt die junge Frau und jetzt sei sie ganz nervös gewesen. Brandhärd, die Basler Rap-Institu­tion hat in 20 Jahren Bandgeschichte Generationen von Fans erreicht. Das ist bemerkenswert. «Eine Wahnsinnsehre», sagt Fetch, Rapper und Kopf von Brandhärd. Im bürgerlichen Leben Joël Gernet, 38-jährig und verheirateter Vater von zwei Kindern, Arlesheimer und Hobbywinzer. Am 18. Mai feiert das Trio, das zu den erfolgreichsten Crews im Schweizer Rap zählt, in der Reithalle der Kaserne Basel den runden Geburtstag. Es ist zugleich auch die Plattentaufe ihres Best-Of-Albums «1997». 

 

Brandhärd. Foto: ZvG

Foto: ZvG

 

Sampelt sich Brandhärd einmal quer durch den eigenen Fundus? Keineswegs. «1997» ist keine normale Rückblende auf 20 Jahre Bandgeschichte. Es ist die Verdichtung einer erfolgreichen Karriere auf elf alte Tracks und eine brandneue Single, die allesamt und erstmals mit einer Liveband eingespielt wurden, mit jener Band, die Brandhärd schon seit Jahren auf allen grösseren Bühnen begleitet und nun erstmals auch auf einem Tonträger verewigt ist.

 

Brandhärd Foto: Tim Lüdin

Foto: Tim Lüdin

 

Der Anfang

1997 ging es los mit Brandhärd in Allschwil. Die erste Generation Mundartrapper war bereits aktiv, Basel war eines der Zentren der Szene. Black Tiger leistete Pionierarbeit mit dem ersten Dialektrap auf dem Track «Murder by Dialect» von P27 und löste damit ein Erdbeben aus. Junge MCs wie Shape oder Poet und dessen einflussreiches Label WB Tal waren im Epizentrum des Dialektrap-Booms. «Das waren die Rapper, die für uns wichtig waren», erzählt Gernet. «Für uns war es selbstverständlich, dass wir auf Baseldeutsch rappten.» Es war eine andere Ära, das Internet in den Kinderschuhen, Youtube weit entfernt. Die lokale Szene war der wichtigste Referenzpunkt. «Es wurde aber auch mehr in Schubladen gedacht», sagt Gernet. Die Szene war zwar jung, aber auch dogmatisch. 
Das ist heute anders. Die Scheuklappen sind weg, Rapper dürfen experimentieren, das Feld hin zu anderen Genres ist offen. «Früher war nicht alles besser», meint er. Das Schubladen-Denken behagt ihm ohnehin nicht. «Ich will keine austauschbaren Rap-Songs machen. Der grösste Erfolg ist eigentlich, dass es uns noch gibt», sagt Gernet. Nach 20 Jahren soll noch lange nicht Schluss sein. Die Zyklen zwischen den Alben sind zwar länger geworden; man hat noch Familie und Beruf. «Bock auf mehr» aber ist geblieben.

 

Text: Lukas Hausendorf, Fotos: zVg