Ein Wickel wird angelegt. Foto: Christian Jaeggi

Ein Wickel wird angelegt. Foto: Christian Jaeggi

Mehr als gut pflegen

Die Pflege in der Klinik Arlesheim hat einen guten Ruf. Warum? Ursula Signer, Stationsleiterin in der Psychosomatik, gibt darüber Auskunft.

Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit?

Auch wenn sich vieles gewandelt hat – als ich in den Beruf einstieg, hiess die Pflegefachfrau noch Krankenschwester –, ist mein Beruf nach wie vor eine grosse Bereicherung für mich. Ich schätze die Herausforderungen, die mir meine Arbeit bietet, denn ich bin konfrontiert mit den verschiedensten Lebenssituationen. Die Krankenschwes­ter war mehr «Dienstleistende» in einer starken Hierarchie. Heute ist der Pflegeberuf vielmehr auf die pflege-therapeutischen Aspekte fokussiert, professionalisiert und spezialisiert. Wir – Ärzte, Sozialarbeiter, The­­ra­peuten, Pflegende – sind heute Partnerinnen und Partner auf Augenhöhe, die sich gemeinsam, jeder aus seinem berufsbezogenen Blickwinkel, für den Patienten einsetzen. Das ist eine gute Entwicklung, denn so gelingt es uns, ein möglichst ganzheitliches Bild und einen entsprechenden Therapieansatz zu finden.

Was ist Ihnen in der Pflege am wichtigsten?

Die Basis einer guten Pflege ist eine gute Beziehung zum Patienten. Das heisst nicht, dass ich weiss, was für den Patienten gut ist, sondern dass ich daran interessiert bin, was der Patient mitbringt, wo er aktuell steht und dass ich ihm auf seinem Weg die notwendige Unterstützung geben kann. Es braucht mehr als eine technisch korrekte Pflege – diese ist Voraussetzung. Darüber hinaus muss ich eine Wahrnehmung für den Menschen entwickeln, und ich muss bereit sein, mit dem Patienten seinen Weg zu gehen, ihn auf verschiedenen Ebenen zu begleiten.

 

Ein Wickel wird vorbereitet. Foto: Christian Jaeggi

Ein Wickel wird vorbereitet. Foto: Christian Jaeggi

 

Was ist das Besondere in Ihrer Pflege?

Wir lenken unseren Blick auf den ganzen Menschen und fokussieren uns nicht nur auf die Erkrankung. Da sind nicht nur die Rückenschmerzen von Herrn Meier, sondern es geht um Herrn Meier in seiner gesamten Lebenssituation. Seine Krankheitssitua­tion ist Ausdruck eines Ungleichgewichtes zwischen Physischem, Seelischem und Geistigem und steht oft auch im Zusammenhang mit seinem sozialen und beruflichen Umfeld. In den unterschiedlichsten Sympto­men kommt dieses Ungleichgewicht zum Ausdruck. Wir Pflegenden unterstützen ihn auf verschiedenen Ebenen. Ich passe die Art, wie ich sein Zimmer betrete ebenso seiner Situation an wie die Entscheidung, welche Substanz ich für eine Rückeneinreibung verwende. Auch bei Gesprächen differenziere ich, ob ich den Patienten eher auf anregende oder mehr ordnende, strukturierende Art anspreche.
Wir haben durch den ganzheitlichen Blick auf den Menschen verschiedene Handlungs­optionen. Dadurch bekommt unser Beruf eine künstlerische Seite. Denn jede Situa­tion muss neu begriffen werden, jeder Patient braucht eine individuelle Betreuung.

 

Eine rhythmische Fusseinreibung. Foto: Christian Jaeggi

Eine rhythmische Fusseinreibung. Foto: Christian Jaeggi

 

Wie erlebt der Patient das?

Der Patient kommt zu uns, weil er eine Medizin sucht, die über die alleinige Symptombehandlung hinausgeht. Er sucht für sich einen anderen Weg, gesund zu werden, er sucht einen anderen Umgang mit seiner Erkrankung. Wir verstehen Krankheit im Zusammenhang mit dem ganzen Entwicklungsweg des Einzelnen. Die Krankheit ist immer eine Fragestellung an den Patienten, sie hat damit zu tun, woher er kommt und wohin er will. Auf dem Weg zu seinen Antworten und deren Umsetzung wollen wir ihn begleiten. 
Unsere Patienten heben die Zuwendung als wesentlich hervor, sie fühlen sich in ihrer Situation als Mensch wahrgenommen. Sie schätzen, dass wir im Team mit Ärzten, Pflegenden, Therapeuten nach einer für sie individuellen Lösung suchen. 

Wie kann dieser ganzheitliche, integrative Ansatz erlernt werden?

Wir bieten zum einen selbst Ausbildungsplätze zur Grundausbildung Pflegefachfrau HF und FaGe an. Meist kommen aber interessierte Pflegefachfrauen und -männer zu uns, die bis dahin in schulmedizinischen Kliniken gearbeitet haben. Die Klinik Arlesheim ist zum Magnetpunkt geworden für Pflegende, die andere, ganzheitlichintegrative Gesichtspunkte in der Pflege suchen. Mit einer guten Begleitung in der Praxis und in Fortbildungen am Fortbildungsinstitut «Soleo», an dem die Klinik beteiligt ist, können wir ihre Integration in der Praxis unterstützen.

 

Text: Verena Jäschke, Fotos: Christian Jaeggi