Quelle bei Kleinlützel unterhalb der Schützenebnet Foto: Simon Amiet

Quelle bei Kleinlützel unterhalb der Schützenebnet. Foto: Simon Amiet

Naturnahe Quellen in der Region Basel

Unscheinbar und still verweilen sie in unserer Landschaft. Doch sind Quellen wichtige Ressourcen für Trinkwasser. Zugleich sind es mythische Orte, historische Kulturgüter und Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen.

 

Quellen haben die Menschen seit jeher fasziniert und galten im Altertum nicht nur als Herkunftsorte von reinem Trinkwasser, sondern auch als Heiligtümer und Sitz von Gottheiten. Obwohl die Quellen über Jahrtausende für die Menschen Trinkwasser lieferten und dafür verehrt und geschützt wurden, sind sie durch menschliche Eingriffe innerhalb von wenigen Jahrzehnten weitgehend aus unserer Landschaft verschwunden. Grössere Quellen mit einer gu­ten Wasserqualität wurden zwecks Trink­wassergewinnung gefasst, auf landwirtschaftlich genutzten Flächen wurden Quel­len mitsamt dem Quellbach drainiert und sinkende Grundwasserspiegel sorgten für das Austrocknen von Quellen.

 

Eine Larve der Libellen-Art «Gestreifte Quelljungfer» –Exemplare davon wurden in Quellen bei Ettingen und Kleinlützel gefunden. Foto: Daniel Küry

Eine Larve der Libellen-Art «Gestreifte Quelljungfer» –Exemplare davon wurden in Quellen bei Ettingen und Kleinlützel gefunden. Foto: Daniel Küry

 

Die gestreifte Quelljungfer nach der Metamorphose  als adultes Insekt. Foto: Hansruedi Wildermuth

Die gestreifte Quelljungfer nach der Metamorphose als adultes Insekt. Foto: Hansruedi Wildermuth

 

Quellen als besondere Lebensräume

Verglichen mit anderen Oberflächengewässern wie Bächen oder Weihern, weist das Quellwasser besondere Eigenschaften auf: Die Temperatur ist im Jahresverlauf meist sehr konstant und die Sauerstoff- und Nährstoffkonzentration ist relativ gering. Einige Tierarten haben sich auf diese aussergewöhnlichen Lebensbedingungen spezialisiert. Dies sind vor allem Insekten, die Quellen im Larvenstadium bewohnen, ehe sie nach der Metamorphose als adulte Tiere an Land und in der Luft weiterleben. Insekten-Gruppen, von denen die Larven einiger Arten regelmässig in Quellen vorkommen, sind die Steinfliegen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen oder Libellen. Beispielsweise hat sich die «Gestreifte Quelljungfer» auf Quellen und Quellbäche als Lebensraum spezialisiert. Die Larven dieser Libellenart leben während drei bis fünf Jahren im Quellwasser und ernähren sich dort räuberisch von anderen Kleinlebewesen. Zur Verwandlung klettern die Larven an Land, schlüpfen aus ihrer Larvenhülle und leben als Fluginsekten, so wie man sie allgemein kennt.

 

Simon Amiet am Quellbach bei Mariastein. Foto: zVg

Simon Amiet am Quellbach bei Mariastein. Foto: zVg

 

Quellen rund um die Hügelkette des Blauen

Sowohl am Nord- wie auch am Südhang der Blauen-Hügelkette gibt es mehrere Quellen, die durch menschliche Eingriffe nicht oder nur gering beeinträchtigt sind. Oftmals liegen mehrere Quellen nahe beieinander, wie beispielsweise unterhalb der Gemeinde Blauen, wo grössere grundwasserführende Gesteinsschichten an die Erdoberfläche gelangen. Im Rahmen einer Forschungsarbeit am Institut für Umwelt und Natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW wurde die faszinierende Kleintierwelt dieser bedrohten Lebensräume untersucht. In 15 Quellen der Gemeinden Kleinlützel, Blauen, Burg im Leimental, Hofstet­ten, Mariastein und Ettingen wurden die dort lebenden Kleintierarten bestimmt, wobei es sich zum grössten Teil um Insektenarten handelte. Doch wurde auch der Höhlenflohkrebs gefunden, der im Grundwasser und in Höhlengewässern lebt, sich aber gelegentlich bis zum Quellmund hervorwagt. Es zeigte sich, dass die Quellen auf dem Südhang die grössere Artenvielfalt aufweisen als die des Nordhanges.
Quellwasser ist relativ kalt: Am Südhang lag die durchschnittliche Wassertemperatur bei 11,1° C und am Nordhang bei lediglich 9,6° C. Interessante Ergebnisse lieferten auch Temperaturmessungen über einen längeren Zeitraum von April bis Juli: Während die Wassertemperatur einiger Quellen leicht schwankte, blieb sie bei anderen wiederum über den ganzen Zeitraum praktisch gleich. Konstante Wassertemperaturen sind ein Hinweise darauf, dass das Quellwasser aus tiefer liegenden Gesteinsschichten stammt und längere Zeit im Untergrund verweilt, ehe es zutage kommt.

Quellen schützen und revitalisieren

Durch die fortschreitende Zersiedelung der Landschaft und zunehmend intensivere Nutzung von Landwirtschaftsflächen sind naturnahe Quellen in den vergangenen Jahrzehnten selten geworden. Den Quellen wurde aus der Sicht des Naturschutzes bisher kaum Beachtung geschenkt. Es sind ­jedoch Bestrebungen im Gange, die noch vorhandenen Quelllebensräume in der gesamten Schweiz zu erfassen sowie ökologisch und kulturhistorisch wertvolle Ob­jekte zu schützen und zu revitalisieren. Weitere Informationen dazu gibt es auch auf der Homepage www.quellelixier.ch.
 

Text: Simon Amiet, Fotos: zVg