Ein Zitronen-Pulswickel wird angelegt.

Ein Zitronen-Pulswickel wird angelegt.

Gesundheit stärken

Das Besondere im Angebot der Klinik Arlesheim ist ihr integrativer Ansatz durch die Anthroposophische Medizin. Was dies in der Inneren Medizin bedeutet, hat Verena Jäschke beim Ärztlichen Leiter, Philipp Busche, nachgefragt.

 

Philipp Busche, Sie sind Ärztlicher Leiter der Inneren Medizin an der Klinik Arlesheim. Wo sehen Sie Schwerpunkte dieser Aufgabe?

Philipp Busche: Medizin sollte so vielschichtig sein, wie die Patientinnen und Patienten mit ihren Erkrankungen, mit ihrem Umfeld, mit ihren Bedürfnissen. Selbstverständlich berücksichtigen wir in unserer Arbeit die Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften und bieten entsprechend eine Innere Medizin im Sinne von «State of the Art» an. Zudem beziehen wir den ganzen Menschen mit seiner Komplexität von Körper, Seele und Geist mit ein. Wir wollen richtig gute Innere Medizin machen – in Verbindung mit den vielen Möglichkeiten der Anthroposophischen Medizin. 
Für uns ist wichtig, den Fokus auf die Gesundheit zu legen. Jeder Patient hat Ressourcen. Diese wollen wir im Rahmen unserer Behandlungen aktivieren, den Pa­tienten also befähigen, an seiner Gesundheit selbst auch mitzuarbeiten. Das halte ich für zeitgemäss, weil dadurch die Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit unserer Patienten zunimmt. Je kränker der Mensch ist, umso schwieriger wird das. Und doch kommt es genau darauf an: die Krankheiten behandeln und die Gesundheit stärken. In diesen Kontext gehört auch unser «Gesundheitsforum», im Prinzip ist das ein Weiterbildungsangebot mit salutogenetischer Ausrichtung für die Bevölkerung.

Das klingt nach hohen Anforderungen an Ihre Mitarbeitenden. Ist das so?

Ja, wir brauchen überdurchschnittlich gute Mitarbeitende. Und den Menschen, die hier arbeiten, bin ich täglich für ihr Engagement dankbar. Sie kennen die Leitlinien und die Evidenzlage der modernen Medizin. Gleichzeitig müssen sie in der Lage sein, diese Leitlinien so anzupassen, dass sie den individuellen Situationen ihrer Patienten entsprechen. Sie vermögen die Fülle an therapeutischen Massnahmen, die wir in der Anthroposophischen Medizin haben, auszuschöpfen und zu integrieren: medika­mentöse Ansätze, Bewegungs- und Kunsttherapie sowie äussere Anwendungen. Sie müssen also in der Lage sein, eine wirklich moderne integrative Medizin zu machen. Dafür können wir uns begeistern und setzen das auch systematisch um, auch im Hinblick auf die notwendige Doppelqualifikation. Ziel ist, dass jeder Kaderarzt zu seinem Facharzt den Fähigkeitsausweis für Anthroposophische Medizin hat.

 

Interprofessionelle Zusammenarbeit

Interprofessionelle Zusammenarbeit

 

Das heisst, Sie investieren auch in die Ausbildung?

Wir sind daran, die Ausbildungssituation so zu verändern, dass man beides hier lernen kann: Die Assistenzärztinnen und -ärzte hier an der Klinik lernen eine gu­te und breite Schulmedizin und erleben gleichzeitig das Konzept der Anthroposophischen Medizin, zum Beispiel auch durch die Teilnahme an der anthroposophischen Ärzte­aus­bil­dung der Klinik. So können sie am Ende ihrer Ausbildung nicht nur den Facharzttitel erwerben, sondern auch den Fähigkeitsausweis Anthroposophische Medizin. 
Im Mai starteten wir zudem mit einem neuen Curriculum für Oberärzte. Hier legen wir den Fokus neben den fachlichen vor allem auch auf die Sozialkompetenzen, die notwendig sind, um eine Station zu führen und die Assistenten in ihrer Ausbildung zu betreuen. 

Was heisst all das für die Patientinnen und Patienten?

Für sie bedeutet das, dass sie eine gute Schulmedizin bekommen – immer mit dem Blick aufs Ganze.
Die Innere Medizin ist in einer starken Entwicklung in die Spezialisierung begriffen, es gibt viele spezialisierte Unterbereiche. Wir wollen weiterhin bewusst auch eine allgemeine internistische Medizin anbieten, in welche die Patienten mit verschiedenen internistischen Problemen kommen können. Für fachspezifische Fragen werden die Spezialisten im Haus unmittelbar mit einbezogen, wir haben ja Fachärzte für Kardiologie, Neurologie, Gastroenterologie, Pneumologie und Allergologie in der Klinik oder ziehen externe Fachärzte konsiliarisch hinzu. Der Patient, der hierherkommt, kann sich darauf verlassen, dass seine Erkrankungen ganzheitlich und gesamtinternistisch angeschaut werden – unabhängig, ob er ambulant, stationär oder notfallmässig zu uns kommt.

Sie erwähnen den Notfall – kann da jede und jeder hinkommen?

Wir haben einen internistischen Notfall, also eigentlich eine Permanence, insofern kann man mit jedem internistischen Problem hierherkommen – und zwar rund um die Uhr. Wir haben dafür sowohl eine umfangreiche Diagnostik im Haus als auch die möglicherweise notwendigen Spezialisten. Sollte sich herausstellen, dass zum Beispiel doch ein operativer Eingriff notwendig ist, arbeiten wir mit den umliegenden Spitälern zusammen. Das gilt auch für Herzkatheteruntersuchungen oder neurovaskuläre Ereignisse, die eine Stroke unit brauchen. Für mich ist immer wieder schön zu erleben, dass uns mit der Anthroposophischen Medizin auch in Notfallsituationen ein umfangreiches Instrumentarium zur Verfügung steht. So können z. B. Behandlungen bei Blutdruckkrisen durch Salbenauflagen mit Aurum / Lavendandula comp oder Zitro­nenpulswickel ergänzt werden, um auch das seelische Erleben der Patienten zu beruhigen und die vegetative Selbstregula­tion anzuregen.

 

Text: Verena Jäschke, Fotos: Christian Jaeggi