Fischer-Latein? Fischer-Bluff? Nein, einfach eine heitere Runde. Männi Koffel, Julian und Thomas Schaub  (von links) beim Fachsimpeln

Fischer-Latein? Fischer-Bluff? Nein, einfach eine heitere Runde. Männi Koffel, Julian und Thomas Schaub (von links) beim Fachsimpeln. Foto: Christian Jaeggi

Männer mit dem Gespür für Wasser

Was tun der Fliegenfischer Männi Koffel, die Löffelfischer Julian Schaub und sein Vater Thomas im Wasser der Birs, am Ufer der Birs und an anderen fliessenden oder stehenden Gewässern? Jagen sie? Beschaffen sie Genussmittel? Nebensache. Sie tun viel fürs Wasser und viel für ihr Gemüt.

 

Der Spinner ist durch und durch gesittet, der Dickkopf ist kein sturer Siech, der Blinker ist nicht fürs Auto, die Bremse ebenso wenig, der Milchner arbeitet nicht zwischen Stall und Käseladen, der Drilling kommt oft allein, die Nase ist kein Riech­organ und die Aesche kein Basler Stras­senzug.
Allen aber, vom Spinner bis zur Aesche, ist eines gemein: Sie wecken Interesse. Zum Beispiel bei Männi Koffel und bei Julian Schaub. Nun sind die beiden keine alten Klassenkameraden oder so, im Gegenteil, sie sind ziemlich weit voneinander entfernt. Jahrgangmässig. Aber wir berichten hier nicht von verschiedenen Generationen, sondern von einer einzigen Leidenschaft. Und da sind sich die beiden ganz nah, sie verbindet die beiden, Männi mit Jahrgang 1953 und Julian mit Jahrgang 1996. Und natürlich sprechen sie auch 
dieselbe Sprache, sie sprechen Fischer­sprache – was etwas ganz anderes ist als Fischer­latein; ihnen muss man nicht erklären, was die eingangs genannten Begriffe bedeuten.
Und sie wissen über ihr Hobby noch viel, viel mehr, haben bestimmt auch das hier schon gehört: Kommt ein Mann zum Arzt, fragt: «Sind Fische gesund?» Sagt der Arzt: «Ich denke schon, war noch nie einer bei mir in Behandlung.» Wir zitieren das müde Spässlein nicht, um zu zeigen, wie unglaublich lustig die ganzen Witzlein über das Fischen sind. Im Gegenteil, wir zitieren es, um zu zeigen, wie simpel oder, um beim Wasser zu bleiben, wie seicht sie sind.

 

Stehendes Wasser, fliessendes Wasser, einiges an Vegetation: Die Birs als vielfältiger Lebensraum

Stehendes Wasser, fliessendes Wasser, einiges an Vegetation: Die Birs als vielfältiger Lebensraum
 

 

Aufruf an die Politik

Männi, Julian und seinem Vater Thomas, mit denen wir uns an der Birs treffen, kann von Vorurteilen getränktes Geschwätz nichts anhaben. Wer so tief drin steckt in seinem Element, wer so viel tut für seine Leidenschaft, lässt sie sich nicht mies reden. Anderes muss sie eher beschäftigen. Etwa der Newsletter des Schweizerischen Fischerei-Verbands vom April 2019, in dem die Pestizidbelastung der Schweizer Gewässer aufgrund zweier Studien als «schlimmer als befürchtet» beschrieben wird. Dem Fisch fehle einerseits wegen der Pestizide genügend Nahrung, anderseits schwimme und trinke er im Pestizidwasser. «Wir brauchen griffigere Massnahmen, und das geht nicht ohne die Politik», ist die Forderung. Und in der Mitgliederzeitung des Fischereivereins Birsfelden Rhein Birs ist zu lesen: «Mit Erstaunen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass der Bundesrat den Grenzwert für 25 Pestizide ab 1. Januar 2019 teilweise massiv erhöht hat. Sogar das sehr umstrittene Pestizid Glyphosat darf um das Hundertfache erhöht werden.»

 

Da ist der Griff des Fachmanns gefragt: Das Angebot an Ködern scheint unermesslich.

Da ist der Griff des Fachmanns gefragt: Das Angebot an Ködern scheint unermesslich.

 

Unterschiedliche Sparten

Julian und Thomas Schaub sind Spinn-Fischer, ihre Köder sind eben Spinner (vom englischen Wort spin = drehen), Männi Koffel ist (meist) Fliegenfischer, seine Köder sind Nymphen, also sinkende Nass­fliegen, oder schwimmende, sogenannte Trockenfliegen. Die Schaubs fischen in der Regel vom Trockenen aus, Männi steht in seinen hohen Fischerhosen tief im Wasser. Ihre jeweiligen Köder suggerieren Beute – das lässt sich so einfach daherreden. Aber welcher Fisch mag welches Insekt? Wie also muss der Köder beschaffen sein, wie gross, welche Farbe? Wir versuchen gar nicht erst, in diese immense Köder-Vielfalt einzutauchen. Und welches Insekt ist bei welchem Wetter, bei welcher Temperatur, bei welcher Strömung und bei welcher Ufervegetation aktiv? Wie lernt man, das Wasser zu lesen? Hier wird das Hobby fast zur Wissenschaft. Und wieviel Übung steckt dahinter, wenn Männi seine Rute so harmonisch schwingt und seinen Köder scheinbar leicht an die richtige Stelle schweben lässt?

 

Sicherer Stand, eleganter Schwung:  Männi Koffel beim Fliegenfischen

Sicherer Stand, eleganter Schwung: Männi Koffel beim Fliegenfischen

 

Ähnliche Biografien

In den Biografien des jüngeren Mannes und des älteren Herrn gibt es durchaus Parallelen. Beide waren sie relativ schnell am Haken. Wenn Männi sein Grossmami in der Breite besuchte, war der Rhein nicht weit – eine sogenannte Vollglasrute zum 6. Geburtstag war da fast schon logisch. Es folgte eine Phase learning by doing und mit 19, zum Lehrabschluss, erhielt er von einem sehr erfahrenen und erfolgreichen Fliegenfischer eine Ausrüstung geschenkt. Julian war als Zweijähriger mit seinem Vater in der Natur, mit drei schon hielt er die Rute. Heute ist er ein Vertreter der neuen Fischergeneration, was sich unter anderem durch seine Präsenz auf Instagram und Youtube zeigt. Wenn alles gut geht, wird aus seinem Hobby ein Beruf. Als heutiger Koch sähe er sich künftig gern als Besitzer eines Restaurants, das sich auf Fische spezialisiert, oder etwa auch als Angelguide.
Männi hat der Fischerei viel zurückgegeben, war und ist in Vereinsvorständen tätig, ist Instruktor für Fischerei-Prüfungen in BL und BS und betreibt seit bald 20 Jahren eine Fischzucht im «Park im Grünen» (ehemals Grün 80), wo er Arterhaltungsprojekte betreibt für Nase, Aesche, Flussforelle und Lachs. Männi hat also in rund sechs Jahrzehnten viel, viel mehr Fische aus dem Quasi-Nichts ins Leben befördert als vom Wasser auf den Teller. Das will er fortsetzen und auch Julian hat ein besonders hoffnungsvolles Ziel: Seiner heute knapp einjährigen Tochter Maxime zeigen zu können, welchen Reichtum Flüsse, Seen und Meere bereithalten.

 

Text: Freddy Widmer, Fotos: Christian Jaeggi