Das Theater ROXY: ein markantes Gebäude in Birsfelden

Das Theater ROXY: ein markantes Gebäude in Birsfelden

ROXY – Labor der freien Szene

Seit 1994 ist das ROXY in Birsfelden ein Theater. Vom alten Kino ist das nostalgische Ambiente geblieben. Heute ist das ROXY Veranstaltungs- und Produktionsort für die freie zeitgenössische Theater-, Tanz- und Performanceszene.

 

Am 2. Februar 1927 öffneten die «Licht­spiele Birsfelden» ihre Tore. Der Saal wurde sowohl für Lichtspiele wie auch für Theateraufführungen genutzt. Es ist eines der wenigen frühen Landkinos in der Schweiz. Ab 1950 hiess das Unternehmen nach einer Modernisierung «Kino Roxy». Der Name Roxy, damals sehr verbreitet, ist der Übername eines New Yorker Showbusiness­königs und Kinobesitzers. 

Hausgemachte Theater- und Tanz­produktionen

Das ROXY ist ein gefragtes Produktionshaus, welches professionelle Bedingungen für Tanz- und Theatergruppen bietet und das die Bühnengäste und das Publikum schätzen, nicht zuletzt wegen seiner überschaubaren Grösse. Im ROXY zu produzieren, ist für freie Kompanien attraktiv. Sie erhalten Unterstützung, wohnen in der Künstlerwohnung und können die Probe- sowie die Theaterbühne nutzen. Das Label HOME MADE steht für Qualität der haus­eigenen Produktionen. 
Zudem pflegt das ROXY die Vernetzung mit Partnerhäusern in der Schweiz, vorab im Raum Basel, und im deutschsprachigen Raum. So ist es Promotor beim «PREMIO Nachwuchspreis» für Theater und Tanz, Mitglied und Spielort der «Treibstoff Theatertage», des «Theaterfestivals Basel», des Festivals «Wildwuchs» und der «Basler Dokumentartage».

Kultureller Leuchtturm des Baselbiets

Als regionaler Veranstaltungsort kommt dem ROXY eine grosse Bedeutung zu, zumal seine Nähe zu Basel der Garant für den Zuspruch eines gemischten Publikums ist. Sein Spielplan zeugt von einer mutigen, durchdachten und vielfältigen Ausrichtung. Seit Oktober 2013 leitet Sven Heier als künstlerischer Leiter und Geschäftsführer mit seinem Team das ROXY.

 

Text: Fredy Heller, Fotos: Christian Jaeggi

 


 

Sven Heier, künstlerischer Leiter/Geschäftsführer des ROXY

Sven Heier, künstlerischer Leiter/Geschäftsführer des ROXY 

 

«Wir sind offen für Neues»

BirsMagazin: Sven Heier, das ROXY feiert in der Saison 2019/20 das 25-jährige Be­stehen. Gibts ein Fest?

Sven Heier: Ja, am letzten Oktoberwochenende. 

Was hat sich in der Vergangenheit bewährt und was wird neu?

Wir sind das Labor der freien Szene. Mit MIXED PICKLES, dem Format für Tanzkurzstücke, hat das ROXY ein Mittel geschaffen, um lokal wie international ansässigen Tanzschaffenden eine Plattform für Experi­mente zu bieten. Dies wollen wir ausbauen und die Produktionsbedingungen weiter verbessern.

Das ROXY bezeichnet sich als Produktionshaus. Was meint das?

Zu uns kommen junge Künstlerinnen und Künstler mit Ideen. Wenn wir das Projekt gut finden, können die Gruppen hier proben und das Stück zeigen. Zudem gibt es technischen und dramaturgischen Support. Wir machen die Öffentlichkeitsarbeit und bieten Unterstützung bei der Erstellung der Dossiers und Budgets.

Die Kaserne Basel bietet ein ähnliches Programm wie das ROXY. Worin unterscheiden sich die beiden Häuser?

Zunächst mal beim Budget! Und die Ka­serne wird von beiden Halbkantonen unter­stützt. Das Programm ähnelt sich vielleicht auf den ersten Blick, aber die Kaserne hat auch einen Auftrag, internationale Gastspiele zu veranstalten.

Vom 27. August bis 1. September finden die «Treibstoff Theatertage» statt. Was erwar­tet da das Publikum?

Fünf neue Produktionen, die im Sommer hier entstehen werden. An sechs Tagen gibt es fünf Premieren mit den Künstlerinnen und Künstlern von morgen.

Wie ist die finanzielle und anderweitige Unterstützung?

Wir werden von der Gemeinde Birsfelden finanziell unterstützt. Zudem nutzt die Gemeinde das ROXY für Anlässe. Die lokale Musikschule oder die Aufführungen der Sek Birsfelden haben hier ihren festen Platz. Vom Kanton Baselland bekommen wir 550 000 Franken. Die Stadt Basel hat ihre Unterstützung eingestellt. Das ist schade.

Warum?

Weil das Haus in Baselland steht. Es kommt jedoch auch viel Publikum aus der Stadt, die ja wenige hundert Meter vom ROXY 
beginnt.

Die freie Theaterszene nimmt zu. Wie bewältigen Sie diesen Boom?

Wir sind offen für die Anliegen der Szene, reagieren flexibel, aber können auch nicht alles machen, was auf uns zukommt.

Nimmt denn auch die Qualität zu?

Ja, eindeutig. Dies lässt sich auch an Zuschauerzahlen und Einladungen an Festivals belegen.

Ins ROXY kommen auffällig viele junge Menschen. Wie schaffen Sie das?

Ich denke, die Idee des «Gastgebers», mit der wir vor fünf Jahren angetreten sind, hat sich durchgesetzt. Bei so vielen Nachwuchsproduktionen kommen natürlich auch junge Menschen.

Das ROXY offeriert einen einheitlichen Ein­trittspreis von 15 Franken. Ist das nur ein Lockvogel oder funktioniert das?

Es ist ein Erfolgsmodell. Mittlerweile haben «Wildwuchs» und «Treibstoff» das Modell auch übernommen. Alle bezahlen wenig, dafür gibt es keine Freikarten mehr. Das sorgt für die erwünschte Niederschwelligkeit beim Theaterbesuch.