Mit dem SBR-Verfahren (Sequencing Batch Reactor) fällt die Nachklärung des Wassers weg.

Mit dem SBR-Verfahren (Sequencing Batch Reactor) fällt die Nachklärung des Wassers weg. Fotos: Christian Jaeggi

Sauber in einem Tag

Unser Abwasser wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr direkt in die Gewässer geleitet. Doch was genau geschieht, wenn wir die Toilettenspülung betätigen, in der Badewanne den Stöpsel ziehen oder das Geschirr abwaschen? Ein Besuch auf der ARA Birs bringt Klärung.

 

Würde man einen Wassertropfen beim Ein­tritt in die Abwasserreinigungsanlage ARA Birs so verfärben, dass man seinen Lauf verfolgen könnte, müsste man ihn bei trockenem Wetter rund 24 Stunden begleiten, bis er gereinigt beim Birsköpfli in den Rhein fliesst. Drei Reinigungsstufen hätte er dann durchlaufen: die mechanische, die biologische und die chemische. Zu der mechanischen Reinigung gehören der Steinfang, in dem sich schwere Gegenstände wie Geröll und Steine absetzen können, und die Rechenanlage. Diese hätte eigentlich die Aufgabe, lediglich Toilettenpapier aus dem Wasser zu fischen – den einzigen Feststoff, der überhaupt ins Abwasser gehört. Doch leider finden sich darin auch immer wieder Zahnbürsten, Rasierer, Autoschlüssel und dann und wann auch ein Gebiss. «Der spektakulärste Fund», erinnert sich Betriebsleiter Patrick Lüthy, «war ein Briefumschlag mit sehr viel Geld. Der wanderte natürlich schnurstracks zur Polizei.» 
Auch der nun folgende Sandfang gehört zur mechanischen Reinigung. Eine Belüftung sorgt hier dafür, dass sich nur das anorganische, schwerere Material wie Sand, Kies oder Glassplitter am Boden absetzt, wo es von einem Räumsystem entfernt wird. An der Oberfläche wird gleichzeitig das Fett abgeschieden und direkt dem Faul­turm zugeführt. Danach fliesst das Wasser ins Vorklärbecken und wird in seiner Geschwindigkeit gebremst, damit sich das organische Material – hauptsächlich Fäkalien – am Boden des Beckens absetzen kann. Dieser sogenannte Primärschlamm wird ebenfalls in den Faulturm gebracht.

 

Die Dimensionen der ARA Birs sind beeindruckend.

Die Dimensionen der ARA Birs sind beeindruckend.

 

Aus Schlamm wird Energie

Auf der ARA Birs findet die biologische ­Reinigung in einem Batchverfahren (SBR = Sequencing Batch Reactor) statt. Fünf Reaktoren (batches) sind jeweils zu zwei Dritteln mit einem Gemisch aus Wasser und Biomasse (Mikroorganismen) gefüllt und werden mit Abwasser aufgefüllt. Mithilfe des Luftsauerstoffs, der durch ein Gebläse in die Becken gelangt, bauen die Mikro­organismen die im Abwasser enthaltenen Schmutzstoffe ab (biologische Reinigung). Durch Zugabe von Eisenchlorsulfat wird ausserdem der Phosphor chemisch gebunden und entfernt (chemische Reinigung). Sind alle Schmutzstoffe von den Mikro­organismen getilgt, schalten die Gebläse automatisch ab. Die Biomasse setzt sich ab und das gereinigte Wasser wird mittels vier schwimmenden Trichtern abdekantiert und direkt in den Rhein geleitet. Der entstandene Klärschlamm gelangt zusammen mit dem Primärschlamm aus dem Vorklärbecken in den Faulturm. Dort entsteht Faulgas und wird mit einem Blockheizkraftwerk in Wärme und Strom umgewandelt. Immerhin deckt dieser Strom etwa 75 % des Strombedarfs der Anlage ab. Bei der Wärme, die zusätzlich mittels einer Wärmepumpe auch aus dem Abwasser gewonnen wird, entsteht gar ein Überschuss, der dem Wärmeverbund St. Jakob zugutekommt. 

 

Die sogenannten Archimedes-Schnecken schaufeln das Wasser in die Höhe, damit es im freien Gefäll durch die Anlage laufen kann.

Die sogenannten Archimedes-Schnecken schaufeln das Wasser in die Höhe, damit es im freien Gefäll durch die Anlage laufen kann.

 

Neue Verunreinigungen

In den letzten Jahren sind Mikroverunrei­nigungen wie Medikamentenrückstände, Hormone und Pestizide zu einer neuen Herausforderung geworden. Um diese Stoffe zu eliminieren, ist eine vierte Reinigungsstufe nötig, die entweder mit Ozon oder mit Aktivkohle arbeitet. Bereits neun An­lagen sind in der Schweiz mit diesem Verfahren ausgerüstet; in rund zwei Jahren folgt auch die ARA Birsig in Therwil als erste Anlage in Baselland. Der Bund will bis 2040 die 80 grössten Kläranlagen in der Schweiz mit der zusätzlichen Reinigungsstufe ausrüsten. 
Wenn unser gefärbter Wassertropfen nach rund einem Tag schliesslich in den Rhein gespült wird, ist er zwar nicht zu Trinkwasser avanciert, er ist aber durchaus eine saubere Sache.

 

Text: Sabina Haas, Fotos: Christian Jaeggi