Kapitän mit Bootsmann oder anders formuliert – Gastgeber Kurt Zwingli beim morgendlichen «Spaziergang» mit Hündin Tess

Kapitän mit Bootsmann oder anders formuliert – Gastgeber Kurt Zwingli beim morgendlichen «Spaziergang» mit Hündin Tess. Foto: Christian Jaeggi

Schlafen und Träumen am Fluss 

Wer keine Lust auf Beton, Stau und Lärm hat, reist im Sommer nicht gen Süden, sondern westwärts, an den Doubs zum Beispiel. Ein Augenschein.

 

Für romantisch veranlagte Alltagsflüchtlinge kommt hier der ultimative Tipp. Tagesausflügler erobern die verträumte Oase mit dem Auto, setzen bei Le Noirmont den Blinker und steuern ihr Mobil schwindelfrei die schmale Strasse an den Fluss hinunter. Wandervögel mit Zeit im Gepäck marschieren mit gutem Schuhwerk von St-Ur­sanne oder Goumois flussaufwärts nach La Goule und von dort weiter zur Auberge de la Bouège. Das patinierte Haus, das direkt am Fluss steht, stand lange Zeit leer, bis seine ehemaligen Besitzer Kurt Zwingli und Palmira Simoes es zurückgekauft und nach einigen Sanierungsarbeiten wieder eröffnet haben. Nun kommen wieder ihre einfachen, subtil zubereiteten Spezialitäten auf den Tisch. Forelle und Beinschinken das ganze Jahr über, Morchel- und andere Pilzschnitten je nach Saison und ein Fondue gibts immer, für alle, die Lust auf flüs­sigen Käse haben. Warme Temperaturen hin oder her. Die Weinauswahl ist klein, die Desserts sind «fait maison» und den Rest macht die einmalige Lage, die es so kein zweites Mal am Doubs gibt. 

Zimmer mit Aussicht

Und sonst? Die Zimmer sind einfach, aber komfortabel mit Blick auf den Wanderweg oder den Doubs. Für Stammgäste ist das Eckzimmer gesetzt, mit Aussicht auf Bäume, Fluss und Kräutergarten. Angler werfen die Rute aus, Kanuten wässern ihre Boote, Golfer treffen im nahen Les Bois ihre Bälle und frisch Verliebte benutzen das hauseigne Ruderboot und erkunden damit den Doubs und seine geheimen und versteckten Plätze. Kulturinteressierte entdecken La Chaux-de-Fonds, diese so eigenwillige Stadt, und lassen sie sich am besten von einem professionellen Stadtführer zeigen und erklären. Dann kann es vielleicht eine Liebe auf den zweiten Blick werden.
Zurück in der Auberge de la Bouège wiegt einen das Quaken der Glockenfrösche in den Schlaf, bis der Fischreiher kommt. Dann wirds noch ruhiger und der Alltag ist noch weiter weg.

 

Text: Martin Jenni, Foto: Christian Jaeggi