Verborgene Schönheit  des Unscheinbaren

Verborgene Schönheit des Unscheinbaren 

Künstliche Lichtquellen bei Nacht können auch den unscheinbarsten Ort verzaubern. Das zeigt die Fotografin Stephanie Meier in ihrer Ausstellung «lights of the night – Lichtschweife im Hallenbad» mit eindrücklichen Bildern des nächtlichen Hallenbads Breitgarten in Breitenbach.

 

Ein kleiner Wasserfleck schimmert goldgelb auf dem türkisblauen Plattenboden. Ein Vorhang leuchtet warm umgeben von kühlem Blau. Lüftungsrohre und Fugen ver­leihen den faszinierenden Farbeffekten auf Stephanie Meiers Kompositionen Struktur und Tiefe. Kaum zu glauben, dass die in intensive Blautöne getauchten Wände und Böden des Hallenbads Breitgarten bei Tageslicht von schlichtem Weiss sind. Diese nächtliche Verwandlung eines unschein­baren Gebäudes hat die in Bärschwil aufgewachsene Fotografin fasziniert. So sehr, dass sie mit ihrer Kamera die Schönheit des schwach beleuchteten Hallenbads eingefangen hat. Eine Auswahl ihrer Bilder zeigt sie nun im Zentrum Passwang in Breitenbach.

Durch Zufall entdeckt

Vor vielen Jahren hat die gelernte Kindergärtnerin im Hallenbad Breitgarten mit ihren Kindergärtnern das Schwimmen geübt. Dass sie hier einst viele Stunden mit Fotografieren verbringen würde, hätte sie nie vermutet. Bis sie eines Abends im Vorbeigehen durch Zufall auf ein blaugelbes Leuchten aufmerksam wurde. Der Moment, als der Badmeister noch nicht alle Lichter gelöscht hatte, verzauberte das leere Gebäude so, dass Stephanie Meier schon bald darauf mit ihrer Kamera zurückkehrte. Nach einigen Aussenaufnahmen spürte sie, dass sie sich für diesen Ort mehr Zeit nehmen wollte. Während eines halben Jahres folgte sie mit Geduld und Hingabe den Spuren im nächtlichen Hallenbad. «Ich hatte mich verliebt in die Si­tuation. Es gab so viel zu entdecken!» Den Schlüssel zum Bad hat sie zwar wieder zurückgegeben – aber ... «Wenn ich meine Bilder anschaue, dann habe ich das Gefühl, dass noch dies und jenes fehlt. Für den Moment ist die Serie abgeschlossen, aber wer weiss?»

 

Ursprungsbild der Fotoreihe «lights of the night – Lichtschweife im Hallenbad». Foto: Stephanie Meier

Ursprungsbild der Fotoreihe «lights of the night – Lichtschweife im Hallenbad». Foto: Stephanie Meier

 


«Ich denke in Bildern»

 

Von der Kindergärtnerin zur Fotografin Stephanie Meier

Von der Kindergärtnerin zur Fotografin Stephanie Meier

 


BirsMagazin: Stephanie Meier, auf was ha­ben Sie beim Fotografieren im Hallenbad Breitgarten besonders geachtet?

Stephanie Meier: Mir war es wichtig, dass ich mir keinerlei Grenzen setze. Ich wollte völlig frei auf diese Situation eingehen und mir genügend Zeit nehmen, um überraschende Ausschnitte zu finden, die Spannung erzeugen.

Gab es spezielle Herausforderungen oder schwierige Situationen?

Ja, die Temperatur! Es war Winter, im Hallenbad aber um die dreissig Grad warm. Ich fotografierte auch im Wasser, das war heikel für die Ausrüstung. Zu Beginn fühlte ich mich ausgestellt, ganz alleine in diesem Raum mit seiner grossen Fensterfront. Ich hätte es nicht bemerkt, wenn mich von aussen jemand beobachtet hätte. Das war ein eigenartiges, fast unheimliches Gefühl. 

Möchten Sie mit Ihren Fotografien etwas Spezielles erreichen?

Mir ist es wichtig, dass die Bilder Emotionen auslösen bei den Betrachtern. Was genau geschieht, kann ich nicht beeinflussen. Das hängt auch damit zusammen, was der Betrachter während seines Lebens schon alles erlebt hat.

Was fasziniert Sie an der Fotografie?

Meine Gedankenwelt ist voller Bilder. Die Fotografie ist diejenige Ausdrucksmöglichkeit, die mir am nächsten liegt. Die Fotografie hat etwas Stilles und Konzentriertes, das gefällt mir. Als ich mich für eine Berufsausbildung entscheiden musste, fiel mir das schwer. Ich dachte damals schon daran, eine Ausbildung als Fotografin zu machen. Aber ich hatte noch so viele andere Interessen! Vom Steinbildhauen über Pädagogik, Floristik, Theater oder das Gärtnern, es gab vieles, was mich reizte. Schliesslich be­suchte ich das Kindergärtnerinnenseminar in Luzern. Nachdem ich rund zehn Jahre als Kindergärtnerin gearbeitet hatte, gönnte ich mir ein Sabbatical. In diesem Jahr wollte ich all den anderen Dingen nachgehen, die mir am Herzen liegen. Ich lernte Spanisch, absolvierte ein Regiepraktikum, besuchte unter anderem eine Weiterbildung in der Pralinenherstellung, widmete mich auch vermehrt der Fotografie und begann mit Weiterbildungen an der Schule für Gestaltung in Basel.

Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Fotoserien?

Jedes Gegenüber und alles, was mir be­gegnet, inspiriert mich. Man muss offene Augen haben und einen leeren Kopf, um auch wirklich da zu sein, wo man gerade ist. Oft ist man gedanklich mit anderem beschäftigt und nimmt seine Umgebung gar nicht richtig wahr. Ich besuche gerne Ausstellungen oder musikalische Anlässe. Auch der Austausch im Fotoseminar der Schule für Gestaltung gibt mir viel. 

Sie arbeiten momentan auch an einer Fotoserie «Meer und mehr». Haben Sie eine besondere Beziehung zum Wasser? Ich liebe Seen und das Meer und schwimme gerne, allerdings nur im Freien. 

Was sind weitere Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Ich fotografiere oft in der Natur, aber auch Innenräume reizen mich. Gerne porträ­tiere ich Menschen. Während der Aufnahmen zu meiner fotoakustischen Porträt­serie «Menschen lachen» war ich fasziniert, wie schnell sich die Menschen öffneten und Vertrauen fassten.

 

Text: Isabelle Hitz, Fotos: Christian Jaeggi