Wasser, dein Freund und Feind

Die Birs als Wasserlieferantin: Mittels Motorspritze pumpen die Feuerwehrleute Wasser aus dem Fluss.

Wasser, dein Freund und Feind

Wenns brennt, kommt die Feuerwehr. Die Stützpunktfeuerwehr Laufental ist die grösste Verbundsfeuerwehr im Kanton Basel-Landschaft. Seit rund zwei Jahren ist Major Markus Burger Kommandant dieser 90-köpfigen, in Laufen stationierten Truppe.

 

BirsMagazin: Markus Burger, angenommen, in einer Laufentaler Industriehalle bricht ein Feuer aus. Ein dortiger Mitarbeiter löst über die Nummer 112 Alarm aus. Wie reagiert die Stützpunktfeuerwehr?

Markus Burger: Ein Anruf über die Nummer 112 erreicht die Einsatzleitzentrale der Polizei Basel-Landschaft in Liestal. Nach einigen genaueren Rückfragen – wer? was? wo? wie? – löst sie auf dem Pager beim Kader der Stützpunktfeuerwehr Laufental Alarm aus. Je nach Fall bietet der dienst­habende Pikettoffizier weitere Alarmgruppen auf, denen unterschiedlich viele Feu­erwehrfrauen und -männer angehören. Er bestimmt auch die Fahrzeuge und Gerätschaften, die zum Einsatz kommen. Das vom Feuerwehrverband definierte Ziel, dass innerhalb von 10 Minuten mindestens acht Leute am Einsatzort sein müssen, erreichen wir in Laufen und Umgebung tatsächlich. Für Roggenburg, unsere am weitesten entfernte Gemeinde, bleibt diese Vorgabe allerdings utopisch. 

 

Der Kommandant Major Markus Burger

Der Kommandant Major Markus Burger

 

Wovon hängt die Effizienz eines Einsatzes nach einem Alarm sonst noch ab? 

Wesentlich ist die Tageszeit eines Ereignisses. Viele unserer Feuerwehrmänner und -frauen arbeiten nicht vor Ort und haben somit weite Anfahrtswege. Um aber rund um die Uhr bereit zu sein, arbeitet Oberleutnant Philippe Gubler hier im Feuerwehrmagazin als festangestellter Material- und Gebäudewart und steht während der Woche tagsüber immer auf Pikett. 

Welche Rolle übernimmt dabei der Kommandant Markus Burger?

Auch ich bin kein Feuerwehrprofi und arbeite tagsüber ziemlich weit weg, in Bals­thal. Feuerwehreinsätze nach einem Alarm betreffen mich somit meistens nicht direkt. Bin ich aber vor Ort oder dauert ein Einsatz länger, verhalte ich mich wie jeder und jede andere der Truppe, begebe mich an den Einsatzort und helfe dort mit, wo es mich braucht. Zudem habe ich meine 7 bis 8 Wochen Pikettdienst pro Jahr, wie alle anderen Kadermitglieder.

 

Zu einem abgelegenen Objekt: Wassertransport mit Schlauchverleger

Zu einem abgelegenen Objekt: Wassertransport mit Schlauchverleger

 

Wie sieht das Arbeitsprofil eines Feuerwehrkommandanten sonst noch aus?

Die Feuerwehr funktioniert im Milizsystem. Als Kommandant stehe ich häufig nicht an der Front, sondern funktioniere, vorwiegend im Bereich Administration, wie ein Geschäftsführer einer Firma. Allerdings will ich, wie bereits erwähnt, als Chef wissen, was an der Front läuft. Deshalb leiste ich mei­ne Einsätze dort sehr gerne. Durchschnittlich zwei Abende pro Woche habe ich für Bürodienst reserviert. Im Moment bin ich übrigens zusammen mit meinem Team unter anderem am Organisieren der «Tage der offenen Tore» am 30. und 31. Au­gust 2019. Dies ist ein Anlass zum 150-Jahre-­Jubiläum des Schweizerischen Feuerwehrverbands, an dem wir uns als Stützpunktfeuerwehr Laufental gerne beteiligen.

Die Feuerwehr löscht Brände, hat aber auch andere Funktionen. 

Eine erfreuliche Entwicklung: Brände werden immer seltener. Fehlalarme, Öl auf Strassen, Sturm- und Wasserschäden, Unfälle sowie Tierrettungen stehen öfter in unseren Einsatzprotokollen. 

Welche Rolle spielt dabei das Wasser? 

Wasser ist nach wie vor unser wichtigstes Mittel zur Brandbekämpfung. Wir brauchen Wasser zum Löschen, aber auch zum Kühlen von Fassaden, Tanks und anderem, zum Schützen von benachbarten Gebäuden und schliesslich auch zum Löschen des Durstes während und nach einem anstrengenden Einsatz (lacht). 
Oft müssen wir Wasser aber als Schadenverursacher auch bekämpfen. Meistens eine wesentlich schwierigere Aufgabe: Keller auspumpen, Wasserflüsse bei Hochwasser umleiten oder mit Sandsäcken oder anderem Material abhalten.

Wie steht es mit der Verfügbarkeit von Löschwasser?

Wasser muss für die Feuerwehr grundsätzlich immer verfügbar sein. In Reservoiren werden grössere Löschwasserreserven auch bei akutem Wassermangel zurückbehalten. Auch bei Niedrigwasser darf die Feuerwehr im Ernstfall aus der Birs oder anderen Flussläufen Wasser abpumpen. Ferner stehen unsere beiden Tanklöschfahrzeuge mit 2500 und 3500 Litern Inhalt zum Einsatz bereit. An Löschwasser hat es bis heute noch nie gefehlt.

Wie wird man Feuerwehrmann, Feuerwehr­frau?

Feuerwehrdienst ist freiwillig und kann im Alter von 20 bis 50 Jahren geleistet werden. Wer keinen Feuerwehrdienst leisten will, muss aber während diesen Jahren Ersatzabgaben bezahlen. Ein Nachwuchsproblem haben wir nicht, obschon sich dieses Jahr von 450 Adressaten nur gerade 15 Frauen und Männer zum Mitmachen entschlossen haben.

Wie sieht der Verlauf einer Feuerwehrkarriere aus?

Bis zum Kommandanten dauert es mindestens zehn Jahre. Bei uns machen neue Feuerwehrleute im ersten Jahr nur die Übungen mit und erst im zweiten Jahr den Basiskurs. Wer sich weiterbilden will, besucht die Kurse zum Gruppenführer, dann zum Offizier 1, Offizier 2 und schliesslich zum Kommandanten. Ich selber habe Jahrgang 1975, bin 1994 in die Feuerwehr eingetreten, habe 1995 den Grundkurs besucht und nach den erwähnten Weiterbildungen 2014 den Kommandantenkurs absolviert.

Zurück zum Ereignis in der Laufentaler Industriehalle: Wie sieht ein zufriedenstellender Einsatz der Stützpunktfeuerwehr aus? 

Es tönt banal, aber ein Feuerwehreinsatz ist dann gut verlaufen, wenn alle Beteiligten gesund nach Hause kommen. Meist ist es doch so: Wenn wir gerufen werden, haben wir schon verloren, denn der Schaden ist bereits Realität. Ein Gebäude aber ist materiell und kann ersetzt werden.

 

Text: Martin Staub, Fotos: Christian Jaeggi