Artenreicher Jungwald

Wo 1999 der Sturm «Lothar» wütete, ist ein artenreicher Wald entstanden.

Der Förster und sein Wald

Schon bald leuchten die Wälder in den schönsten Farben. Aber ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – im Wald ist es zu allen Jahreszeiten schön, erholsam und spannend. Damit dem so ist und bleibt, muss der Wald gepflegt und bewirtschaftet werden.

 

Der Wald wird – vor allem in dicht besiedelten Gebieten – ganz verschieden genutzt. Dies ist ein Thema, das wohl alle Förster im Birseck beschäftigt. Wanderer, Jäger, Biker, Pfadi, Orientierungsläufer, Reiter oder Ausflügler, alle haben ein Anrecht auf den Aufenthalt im Wald. Alle Ansprüche unter einen Hut zu bringen und ein friedliches Miteinander zu erreichen, gehört mit zu den Aufgaben der Förster. «Ich freue mich immer, wenn ich angesprochen oder angerufen wer­de,» sagt Fredi Hügi, der Förster von Münchenstein/Arlesheim. «Meinungsverschiedenheiten können nur geklärt werden, wenn man miteinander redet. Ich kann den Leuten erklären, warum nicht alle Wege befahren werden dürfen, warum nur in öffentlichen Feuerstellen grilliert werden soll, warum Gartenabfälle nicht in den Wald gehören oder warum ein bestimmter Baum gefällt werden muss.»

 

Förster mit Leib und Seele: Fredi Hügi

Förster mit Leib und Seele: Fredi Hügi

 

Seit sechs Jahren ist Fredi Hügi Förster der Forstbetriebsgemeinschaft Arlesheim/Mün­chenstein, und nebst der Teilzeitsekretärin Anna Dietrich ist er der einzige Angestellte. Er ist verantwortlich für total 513 Hektaren Wald in den beiden Birstaler Gemeinden und kann die ganze Arbeit natürlich nicht alleine bewältigen. Relativ viel Zeit verbringt er deshalb im Büro, holt bei Forstbetrieben Offerten ein, organisiert, terminiert und überwacht die zu leistenden Arbeiten. Er bestimmt, wo Holz geschlagen werden soll, «zeichnet» die zu ­fällenden Bäume, damit dann mit gewalti­gen Maschinen in kürzester Zeit geerntet werden kann, was während Jahrzehnten gewachsen ist. Auch die Vermarktung des geschlagenen Holzes gehört zu seinen Aufgaben. 
271 ha des Arlesheimer Waldes stehen unter kantonalem Naturschutz, das heisst, die­se Flächen werden gemäss einem «Nutz- und Schutzkonzept» nachhaltig gepflegt, weil die Waldungen mit seltenen Baum- und Straucharten zu den Standorten höchster biologischer Vielfalt gehören. Angestrebt wird auch ein möglichst hoher Totholzanteil, und zwar soll sowohl stehendes wie liegendes Holz vorhanden sein. «Es gibt nichts Lebendigeres als totes Holz», erklärt der Förster, «denn darin leben unzählige Insektenarten und Pilze, die den langsamen Abbau der toten Materie übernehmen. Totholzinseln liefern Kleinsäugern und Vögeln Nahrung und Unterschlupf und fördern die Artenvielfalt. Übrigens: Vor dem Borkenkäfer müssen wir uns hier nicht fürchten, er befällt nur Nadelhölzer, und deren Anteil ist bei uns unbedeutend.»
Die grössten Waldbesitzer im Birseck sind die Bürgergemeinden, der Rest gehört Stiftungen und Privaten. Die Bewirtschaftung kostet Geld, das nur zum Teil durch den Verkauf von Holz erwirtschaftet werden kann. Deshalb beteiligen sich die Einwohnergemeinden finanziell an der Waldpflege und auch die Bevölkerung hilft jeweils an den Fron- und Naturschutztagen aktiv mit. 

 

«Nichts ist lebendiger als totes Holz.»

«Nichts ist lebendiger als totes Holz.»


Der naturnahe Wald setzt sich aus Baum­arten des jeweiligen Standortes zusammen und verjüngt sich aus den Samen der Mutterbäume. Je nach Standort, Untergrund und klimatischen Bedingungen unterscheiden sich die Waldgesellschaften daher enorm. Bei uns ist die Buche der weitaus häufigste Baum. Durch gezielte Massnahmen werden ökologisch wertvolle Baum- und Straucharten gefördert, vor allem verschiedene Sorbus-Arten (z.B. Elsbeere und Speierling), sowie Wildobstarten; standortfremde Bäume (Neophyten) werden wenn möglich entfernt. Sorgen bereitet zurzeit das «Eschentriebsterben», eine aus Japan stammende Pilzkrankheit, die 2007 erstmals in der Region Basel festgestellt wurde. Seither hat sich die Krankheit sehr schnell fast flächendeckend über die ganze Schweiz ausgebreitet. Die Esche ist ein wertvoller Baum, sie liefert hartes, zähes, biegbares Holz, das z.B. für Möbel, Furniere und Sportgeräte verwendet wird. Das befallene Holz wird unbrauchbar, und leider gibt es zurzeit noch kein Mittel gegen den Pilz mit dem niedlichen Namen «Falsches Weisses Stengelbecherchen». Wir müssen abwarten, ob sich die Eschen gegen den Fremdling aus eigener Kraft werden behaupten können.
Im Gespräch mit Fredi Hügi wird eines klar: Er ist ein Mensch, der seinen Wald gern hat, ihn mit viel Liebe und Engagement pflegt, enorm viel darüber weiss – und dieses Wissen auch sehr gerne weitergibt.

 

Text und Fotos: Toni Lerch