Stadtmauer, St. Alban-Quartier – Foto: Iris Kürschner

Stadtmauer, St. Alban-Quartier – Foto: Iris Kürschner

«Man sieht nur, was man kennt» 

Dieses Goethe-Zitat gefällt mir schon lange, und jetzt ist es mir wieder begegnet, im Buch «Laufental», das ich Ihnen weiter unten vorstelle. Ich möchte Sie, liebe Leserin, lieber Leser des BirsMagazins, in dieser neuen Rubrik «Kulturtipps» mit einigen interessanten Dingen bekannt machen, die Sie sich vielleicht gelegentlich genauer ansehen möchten.

Wandern in Basel

Wenn er über das Stadtwandern spricht, kommt Freddy Widmer ins Schwärmen. Man muss nicht planen, man muss nicht packen, man nimmt einfach das Portemonnaie und das Handy und wandert los. Wenn man Hunger hat, geht man ins nächste Beizli, wenn man müde wird, steigt man ins Tram. Man muss vor dem Eindunkeln nicht in der nächsten SAC-Hütte sein, und wenn man sich verirrt, drohen keine tiefen Schluchten und keine unberechenbaren Schneefelder. Der Schritt-Macher, der im BirsMagazin meist Landwanderungen vorstellt, fand die Idee des Stadtwanderns zuerst originell, jetzt, nachdem er 18 Monate mit Iris Kürschner und Michael Koschmieder am Buch gearbeitet hat, findet er es schon fast normal. In der Stadt kann man Friedhöfe, Kirchen, Bahnhöfe, Flugplätze ansehen, man kann sich an Literatinnen und Malern orientieren oder an Kulinarischem, man kann sich mit Kindern auf die Socken machen, und man kann – speziell in Basel – auch Grenzgänge unternehmen. Es gibt also ein gewaltiges Angebot für Stadtwanderer, da schafft das Buch Ordnung. In 17 Kapiteln werden 17 Wanderungen in Basel und in der näheren Umgebung detailliert beschrie­ben, erfreulicherweise in einer sehr gepfleg­ten Sprache. Dann folgen die technischen Details: Karte, Routenbeschreibung, Verkehrsverbindungen, weiterführende Links und Literaturhinweise. Ganz besonders interessant sind die «Seitenblicke», die jedes Kapitel ergänzen, das sind veritable Geheimtipps. Alle Artikel sind mit tollen Fotos illustriert, die Iris Kürschner speziell für dieses Buch schoss. Für Menschen, die in Basel nur einen Kurzbesuch machen, ist das Buch eher nicht geeignet. Dazu ist es zu ausführlich und zu detailreich; es ist eher ein Buch für Basel-Fans. Man kann es lesen wie einen Roman, und man muss damit – unter uns gesagt – auch nicht unbedingt hinausgehen, man kann damit nämlich sehr schöne Sofawanderungen unternehmen.

 

Wettbewerb

Schicken Sie ein E-Mail mit dem Stichwort «Schritt-Macher» an redaktion@birsmagazin.ch und Sie haben die Chance, ein Exemplar «Wandern in der Stadt Basel» 
zu gewinnen.

 

Iris Kürschner, Freddy Widmer, 
Michael Koschmieder

Wandern in der Stadt Basel
Rotpunkt Verlag
ISBN 978-3-85869-670-0
Erscheint im September 2015

 


 

Nebenrolle für Münchensteiner Eisenbahnbrücke

Claude Cueni schreibt für Leute, die gerne Zeitreisen unternehmen und die in opulenten historischen Bildern schwelgen möchten. Sein neuester Roman «Giganten» spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Er porträtiert den Bildhauer Frédéric Bartholdi, den Gestalter der Freiheitsstatue und des Strassburger Denkmals in Basel und den Ingenieur Gustave Eiffel, der den Eiffel­turm und die Münchensteiner Eisenbahnbrücke baute (diese Brücke und das grösste Unglück der Schweizer Eisenbahngeschichte von 1891 spielen denn auch eine Nebenrolle im Buch). Der Roman handelt vom unbändigen menschlichen Willen, der das Unmögliche möglich macht, von Leidenschaft und Ruhmsucht, und von der Kraft der Liebe. Cueni ist einer jener Beststellerautoren, die vom Publikum heiss geliebt und von der Fachwelt weitgehend ignoriert werden. Seine historischen Romane basieren auf gut recherchierten Fakten­gerüsten, die er geschickt mit erfundenen Figuren und Ereignissen anreichert. Die Bücher sind spannend, bildstark und umfang­reich. Die Figuren sind allerdings nicht immer ganz überzeugend gezeichnet und die sprachliche Präzision ist nicht Cuenis Haupt­anliegen. Kein Wunder, bei der Schreibgeschwindigkeit, die der Mann an den Tag legt. Wenn Sie mithalten wollen, sollten Sie sich die «Giganten» sofort besorgen und schnell lesen, denn Cuenis nächster Wälzer ist schon unterwegs: Im Oktober soll bereits die Fortsetzung des erfolgreichen autobiografischen Romans «Script Avenue» mit dem Titel «Pazific Avenue» erscheinen. Er wird wohl auch wieder 650 Seiten umfassen.

 

Der Autor Claude Cueni (zVg)

Der Autor Claude Cueni (zVg)

 

Giganten

Roman, Hardcover, 398 Seiten
Wörterseh, Gockhausen
ISBN: 978-3-03763-057-0

Autorenlesung

Claude Cueni liest in Münchenstein: 
Am Donnerstag, 24. Oktober 2015 in der Gemeindebibliothek. Beginn 19.30 Uhr

 



Mozarts Requiem in Dornach


Am Sonntag, 8. November 2015, um 17.00 Uhr, findet in der Kirche St. Mauritius in Dornach ein schönes Konzert statt. Erklingen werden Johann Sebastian Bachs Partita Nr. 2, in d-Moll, Tomaso Albinonis Adagio in g-Moll und Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem in d-Moll für Soli, Chor und Orchester. Dazwischen werden besinnliche Texte von Silja Walter vorgetragen. Unter der Leitung des renommierten, in Hochwald lebenden Dirigenten Andreas Spörri spielen und singen das Classionata Symphonie Orchester, der Kammerchor Buchsgau und vier hervorragende Gesangssolisten. Der Ertrag des Konzerts kommt der ökumenischen Wegbegleitung Laufental, Dorneck, Thierstein zugute. Tickets für ­dieses Konzert können ab sofort unter www.kirchedornach.ch bestellt werden.

 



Archäologie in Arlesheim

«Site of the month – Fundort des Monats» heisst ein archäologisches Projekt, das jeden Monat eine schweizerische archäologische Fundstelle von nationaler oder regionaler Bedeutung präsentiert. Nach den Ausgrabungen am Banné in Porrentruy, der Höhle Steigelfadbalm an der Rigi und der Grenzbefestigung Umbrail im Val Müstair ist im Oktober die Ermitage in Arlesheim an der Reihe. Im Zentrum des archäologischen Interesses stehen hier die prähistorischen Seelensteine, das Grab aus der Jungsteinzeit, das Schloss Birseck und die Mühle. Es wird im Oktober und November spezielle thematische Ermitageführungen geben. Man kann die verschiedenen Fundstätten auch auf eigene Faust erkunden: Entsprechende neue Hinweistafeln und ein Audioguide liefern die Hintergrundinformationen. Weitere Informationen finden Sie un­ter www.site-of-the-month.ch/de.

 



Bilder und Geschichten aus dem Laufental

Ich durfte einen ersten Blick in ein wunderschönes Buch mit dem Titel «Laufental» werfen. Es enthält Texte des frischgebackenen Landrats Linard Candreia und Bilder des Fotografen Kurt Hamann. Candreias Texte sind kurz und knackig, viele davon sind in den letzten Jahren als Kolumnen in der bz erschienen, kleine, in sich abgeschlossene Geschichten, wie Pralinés: Man könnte sich Zeit lassen und bei speziellen Gelegenheiten eines aussuchen und verspeisen, man kann aber auch die ganze Schachtel auf einmal leeren. Das habe ich getan, und so wird denn aus vielen kleinen Geschichten eine grosse. Sie erzählt vom Laufental, von kleinen persönlichen Erlebnissen, von Landschaften und Bauwerken, von der Kirche, von der Schule, von der Industrie, von der Politik, von Gegenwärtigem und längst Vergangenem und vor allem von Menschen und ihren Schicksalen. Candreia schreibt eine fadengrade, zeitgemässe Sprache, und man merkt immer wieder, dass er ein grosses Interesse für die Armen und Aufmüpfigen hat, für Auswanderer, Einwanderer, Söldner. So schreibt er zum Beispiel über den Rebellen Hans Tschäni, der vor fast 300 Jahren gegen den absolutistischen Fürstbischof aufbegehrte, zum Tode verurteilt und im letzten Moment begnadigt wurde. Auch der Mörder aus Not fehlt nicht, der unter dem Pseudonym Alfred Birstaler eine 343-seitige Entschuldigung mit dem Titel «Mea culpa» publiziert hat. – «Man sieht nur, was man kennt.» So oder so ähnlich lautet der Goethe-Spruch, den Candreia zitiert. Und ich sehe jetzt ­tatsächlich viel mehr, wenn ich mit dem 
E-Bike durchs Laufental fahre. 
Kurt Hamann hat die Texte auch gelesen, und er hat jeden einzelnen mit schönen farbigen Fotos illustriert. Unter dem Titel «Mein Laufental» enthält das Buch noch fast 50 zusätzliche Fotoseiten. «Gefragt war ein Laufental zu allen Jahreszeiten, bei diversen Wetterlagen, aus verschiedenen Sichtweisen und Perspektiven, zu allen Tages- und Nachtzeiten», schreibt der Herausgeber des Buches, Daniel Gaberell, in seinem Vorwort. Diese Aufgabe hat Kurt Hamann bestens erfüllt. 

 

Laufental

Erscheint im Herbst 2015
Linard Candreia (Texte), Kurt Hamann (Fotografien), Murezi Michael (Landkarte)
Kulturbuchverlag Herausgeber.ch 
ISBN 978-3-905939-33-0

 

Die Buchvernissage
findet am 21. Oktober 2015, um 19 Uhr im Alte Schlachthuus in Laufen statt. 
Es gibt unter anderem eine Lesung von Linard Candreia und eine musikalische Einlage seiner Töchter.

 



Lakonische Zeilen aus Reinach

Vor 45 Jahren erschien ein merkwürdiges Buch mit dem Titel «dieses buch ist gratis». Es war gewissermassen mein Einstieg in die Schweizer Literatur. In punkto Gestaltung und Ausrüstung war es sehr schlicht, umso stärker wirkte auf mich der Zauber der Sprache. Besonders angetan hatten es mir die «Zaubersprüche» eines viel beachteten Autors aus Reinach, die von Heinrich Wiesner, der dieses Jahr im Juni seinen 
90. Geburtstag feierte. Im Gratisbuch sind eini­ge seiner «lakonischen Zeilen» abgedruckt. Schon das Wort «lakonisch» beeindruckte mich. So ein geheimnisvolles Wort mit so einer simplen Bedeutung: «kurz und bündig». Wiesner war wohl der erste Twitterer: «Weltbild. Unbekannter Meister.» Er servierte aufs absolute Minimum reduzierte Gedankenanreger: «Vom Kind zum Manne. Vom Ansteller zum Angestellten.» Zum Teil öffnen diese unaufdringlichen Zeilen komplizierte Gedankenlabyrinthe, zum Teil sind sie ganz einfach zu knacken, manchmal sind sie engagiert und meist verspielt. Nicht alle, aber die meisten wirken auch heute noch. 

 

Heinrich Wiesner
Lakonische Zeilen
Mit Zeichnungen von Celestino Piatti
Sonderausgabe zum 90. Geburtstag des Autors
Soft cover, 120 Seiten
Lenos Verlag, 2015
ISBN 978-3-85787-461-1

 


Text: Jürg Seiberth