Reben mit Trauben

«Regionale Weine ... 
Ich weiss warum!»

Entschuldigen Sie den Kalauer, aber vor einem Vierteljahrhundert wurden regionale Weine von zahlreichen Weintrinkern lediglich mit einem Nasenrümpfen quittiert ... 

Heute wird die Nase nicht mehr zusammengekniffen, sondern sie wird tief ins Weinglas gehalten, begleitet von einem freudigen Ah und Oh. Denn was sich heute in der Region abspielt, ist sehr bemerkenswert und ein qualitativer Quantensprung zu damals. Davon zeugt auch das regionale Weinangebot der Baselbieter Wein-Galerie in Aesch. 
Dass im Baselbiet rege Riesling x Silvaner und Blauburgunder angepflanzt und getrunken werden, ist bekannt. Dass aber rund 50 «neue» Rebsorten wachsen und gedeihen, schon weniger. «Mir wei luege» mag im Kanton Baselland für die Politiker zutreffen, nicht aber für die Winzer. Zahlreiche Selbstkelterer gehen neue und mutige Wege. Daraus entsteht eine Vielfalt an wunderbaren Qualitätsweinen. Ich denke da an Sorten wie Seyval blanc, Räuschling, Garanoir, Gamaret, aber auch Regent oder gar Calabreser. Aber auch bekannte Traubensorten wie Sauvignon blanc, Chardonnay oder Cabernet Sauvignon haben ihren Platz in unseren Breitengraden gefunden. Zu Beginn wurden diese Provenienzen in diversen Weinkreisen als eine Gefahr für den Ruf der heimischen Rebsorten gesehen, zumal sie, nach deren Ansicht, in unserem Klima ihre Stärke oft nicht voll entfalten und im direkten Vergleich mit berühmten Namen als eher «dünn» erscheinen. 
Heute weiss der Weinfreund, dass diverse Weine regionaler Winzer problemlos in der obersten Liga mithalten. Was weiter verblüfft, ist, dass im Baselbiet selbst eigenwil­lige Sorten wie Maréchal Foch angepflanzt wer­den, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Elsass durch den Franzosen Eugène Kuhlmann gezüchtet wurde. Sie ist eine Kreuzung zwischen Vitis riparia x Vitis rupestris x Goldriesling, die wiederum eine Kreuzung von Riesling x Courtillier Musqué Précoce ist. Maréchal Foch war zu Beginn ihrer Entstehung an der Loire rege verbreitet, heute sind nur noch etwa 100 Hektaren Rebfläche bestockt, wo hingegen in der Schweiz um die 105 Hektaren bewirtschaftet werden. Übrigens: Maréchal Foch wird im Staate New York und in Kanada gerne kultiviert. 
Und sonst? Die regionalen Winzer setzen seit Jahren auf Qualität, nicht auf Quantität. Es bereitet mittlerweile nicht nur Insidern grosse Freude, Spezialitäten wie Gewürztraminer, Johanniter und andere schöne Dinge zu trinken. Gut, dass der Weinhorizont in unserer Region nicht bei Riesling x Silvaner und Co. hängen geblieben ist. 
Die Empfehlungen im separaten Kastensind eine rein persönliche und subjektive Auswahl und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie gehören für mich aber zu den besten Produzenten unter den re­gionalen Winzern, auch wenn der eine oder andere Name erstaunen mag oder der eine oder andere Name fehlt.


Text: Martin Jenni; Foto: iStock.com