Ränggersmatt

Ränggersmatt

Mit «Hinterlist» aufs Gempenplateau

Der Gempen ist eines der beliebteren Ausflugsziele der Region, zu Fuss und auf zwei oder vier Rädern. Wir nähern uns ausnahmsweise von der «falschen» Seite, hinauf durchs stille Röserental. Der geografische Höhepunkt liegt bei 704 m ü. M.; das Erlebnis-Highlight unseres Spaziergangs kommt kurz danach, ist aber, weil sehr beweglich, in keinem Fall garantiert.

 

Die persönliche Lieblingsroute des Schritt-Machers zum Gempenturm, etwas verschämt sei es zugegeben, führt von Dornach über das breite Asphalt-Band nach Gempen und weiter zur Fluh, nicht zu Fuss, sondern mit dem Stadtvelo, aber nicht abends oder an Wochenenden, also nicht dann, wenn die Töffbuben mit ihren Klammerbräuten unterwegs sind, sondern eher in ruhigeren Stunden. Angenehm die Steigung, gut zu machen auch für nicht allzu ambitionierte Velofahrer, richtig «nahrhaft» nur die letzten paar Hundert Meter zwischen Dorf und Turm.
Zu Fuss wählen wir diesmal eine etwas alter­native Route, nehmen von Liestal aus das stille Röserental, verzichten auch auf Bad Schauenburg und die Nähe zur imposanten Fluh, folgen dagegen dem Röserenbach, der gelegentlich gar kein Bach mehr ist, sondern nur ein Graben. Was wir hier in Kauf nehmen müssen: Das Queren der Strasse von Gempen nach Nuglar. Danach steigen wir aber angenehm auf schmalem Weg und in engem Blättertunnel Richtung Haglenfeld, knapp ausserhalb des Dorfs Gempen, mit 704 m ü. M. der höchste Punkt des Spaziergangs, weil wir ausnahmsweise den Turm links stehen lassen.

 

Wanderweg

Raubvogel

Schnecke

 

Überraschende Begegnungen

Die Höhepunkte folgen gleich danach, auf dem «Unteren Baselweg»: Auf dem Weg ein Reh, das verblüffend lange Blickkontakt hält, ehe es sich nach links in den Wald davonmacht, ein zweites Reh, das in Gazellen-Manier über den Weg fetzt, ein Eichhörnchen, das uns auf Augenhöhe mustert und dabei seinen weissen Bauch präsentiert, schliesslich bei Zürzech ein Bussard, der sich nicht stören lässt und in aller Ruhe über die Matte flaniert. Alles im Minutentakt. Dass solche Begegnungen stattfinden, ist na­türlich nicht zu garantieren, aber auf dem breiten Asphaltband hatten wir sie garantiert noch nie. Verblüffendes begegnet uns dann bei den Stollenhäusern: Eine Freiheits­statue in Kleinformat vor einer Stechpalme in Maximalgrösse. Die folgende Kirschbaum­plantage, schön angelegt in der Weite zur Schönmatt, scheint gerüstet für ein 2017, das hoffentlich besser ausfällt als das 2016. Und nach soviel Natur und Kultur noch ein Blick auf zwei Bauten unterschiedlicher Art: Das schöne Walmdach des Hofs Ränggersmatt, und die alte Panzersperre ob Münchenstein, die ihren einstigen Sinn längst hat abgeben dürfen und einen neuen gefunden hat: Als ökologische Nische, als Unterschlupf für kleineres Getier, das gerne seine Ruhe hat.

 

Text und Fotos: Freddy Widmer