Vespa Servizio Manuel Zuckschwert

La dolce vita

Die Vespa, eine italienische Ikone, ein Klassiker. Kein anderes zweirädriges Gefährt polarisiert so stark wie der italienische Flitzer. Mit ihren wunderbaren weiblichen Rundungen prägt die Vespa schon seit vielen Generationen unsere Strassen. Dieses Jahr feiert sie ihr 70-Jahre-Jubiläum, doch in punkto Beliebtheit hat sie in all den Jahren nichts eingebüsst.

 

Nachkriegszeit in Italien. Norditalien hatte unter den starken Bombardements gelitten und das ganze Land stand still. Armut, Hunger und Arbeitslosigkeit herrschten. Weil die Firma Piaggio, der Hersteller der Vespa, zu Kriegszeiten ein Luftwaffenlieferant für Mussolini war, wurden die Werke in Pisa und Pontedera von den Alliierten zerstört. Als der Krieg dem Ende zuging, war die italienische Infrastruktur am Boden, umso wichtiger war es, dass die Menschen zu günstigen Preisen mobil sein konnten. Da kam Enrico Piaggio auf die Idee eines schlichten, preiswerten, motorisierten Zwei­rades für die Massen. Er beauftragte den Konstrukteur Corradino d’Ascanio mit dem Bau des Motorrollers. Es sollte kein gewöhnliches Motorrad werden, es sollte schlicht sein, es sollte günstig sein, es sollte bequem sein, geeignet für den Stadtverkehr, und es sollte Italien mobil machen. Mit diesem Profil entstand im Jahre 1946 die Vespa 98. Ein Gefährt, welches durch seinen vollständig abgedeckten Motor von allen gefahren werden konnte. Egal ob Herr im Anzug oder Dame im Ausgangsdress, man blieb sauber beim Fahren. Damals eine Neuheit. Langsam entstand die Konsumgesellschaft und die Vespa verkaufte sich sehr schnell und in grosser Zahl. Jeder wollte so einen Motorroller haben. Ein Jahr später breitete sich das Fieber auch in der Schweiz aus.
Die Vespa ist heute noch genau so anziehend wie in den Anfangsjahren. Wer eine Vespa sieht, verliebt sich in sie und muss eine haben. Die Liebe geht so weit, dass viele Leute ihren Vespas niedliche Frauennamen geben. Die Vespa ist kein Verbrauchs­artikel. Man trägt zu ihr Sorge. Sie wird oft von einer Generation auf die nächste weitervererbt. Vom Vater zum Sohn, von der Mutter zur Tochter. Woher diese Begeis­terung kommt, weiss niemand so genau. Viele verbinden mit der Vespa die Italianità. Die Lockerheit, die Lebensfreude, die Eleganz des südeuropäischen Landes.

Nur mit Leidenschaft

Auch Manuel Zuckschwert, ein Jungunternehmer aus Reinach, teilt diese Leidenschaft. Vor gut zwei Jahren eröffnete er in der Breite in Basel seine kleine Vespa-Werkstatt und repariert und restauriert seither Vespas für seine Kundschaft. Und alle kommen immer wieder gerne zu ihm zurück, zu «Vespa Servizio Manuel Zuckschwert». Ein Kunde hat ihm einmal gesagt, er könnte nicht zu einem anderen Mechaniker gehen, denn bei ihm würde man die Leidenschaft förmlich spüren. Das heisst also: Eine Vespa wird nicht einfach repariert. Man päppelt sie langsam auf, bis sie wieder fahrtüchtig ist. Was bei Zuckschwert mit reiner Neugier für die Vespamechanik anfing, ist heute zu einem seriösen Geschäft geworden. Als er sich mit 16 Jahren seine erste Vespa PK 50 SS gekauft hatte, war er noch Schüler und hatte wenig Geld für Reparaturen. Deswegen wollte er sich das Know-how selber aneignen. Einfacher gesagt als getan. Tausende Stunden verbrachte er mit Tutorial-Büchern und in Internet-Foren, bis er soweit war. In nächtelanger Arbeit mit einem Mechaniker-Kollegen hat er sich am Schluss noch den Feinschliff gegeben. Im Herbst 2014 konnte er seine Werkstatt eröffnen und Reparaturen und Restaurationen von Vespas zu moderaten Preisen anbieten. Durch Mundpropaganda und gute Arbeit war er schon nach kurzer Zeit sehr gefragt bei den Vespa-Fahrern in der Re­gion. Mittlerweile besitzt er selber drei Vespas und benutzt als Geschäftswagen eine dreirädrige Piaggio Ape, ein weiterer Klassiker von Piaggio. Für ihn ist die Vespa ein Lifestyle-Element geworden. Die Vespa bedeutet für ihn Freiheit. Mit der Vespa kann man alles erledigen, vom Einkauf in der Stadt bis zum Kurztrip mit Freunden an einen See.
Die Vespa ist auch in Filmen und im Theater immer ein beliebtes Requisit. Zum Beispiel bei einem Theaterduo, welches immer wieder in der Region zu sehen ist. Mit ihrer roten Vespa wecken «I Pelati delicati» italienisches Lebensgefühl. Ihre mit viel ­Gesang begleiteten Theaterstücke bringen jedem Gast das wunderbare Italien etwas näher. Am 25. November 2016 spielen sie an der Kulturnacht in Liestal in der Klavierwerkstatt im Hanro-Areal. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall (Eintritt nur mit Kulturpass!).
Also: Gehen Sie nun hinaus, werfen Sie ihre Vespa an und geniessen Sie die letzten warmen Tage. Denn was gibt es Schöneres, als bei gutem Wetter mit Sonnenbrille und Flip-Flops auf einer Vespa zu sitzen.

 

Text und Fotos: Tiziano Bloch