© Rudolph Menzi, www.menzi-motorsportfotos.ch

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Ästhetik, Technik und Geschichte

Das Gempen-Memorial findet am 23. September 2017 statt und ist kein herkömmliches Autorennen. Es geht vielmehr um Präzision sowie Leidenschaft für Oldtimer und ein bisschen Schwelgen in vergangenen (schönen) Zeiten.

Am zweitletzten Samstag im September die­ses Jahres werden die Liebhaber alter Autos auf ihre Kosten kommen. Von Dornach (Start beim Schützenhaus) nach Gem­pen (Ziel beim Friedhof) werden sich Old­timer vieler Marken und Hubraumklassen die 5,2 Kilometer lange Gempen-Passstrasse hinaufbewegen. 
Es geht aber nicht darum, wer die Strecke am schnellsten bewältigt. Wichtiger sei die Präzision, sagt Heinz Haudenschild, der Kom­munikationsverantwortliche des Gem­pen-Memorials. «Alle Teilnehmenden fahren zuerst einen Trainingslauf, wobei die Durchschnittsgeschwindigkeit nicht höher als 49,9 Stundenkilometer sein darf. In den Wertungsläufen besteht die Kunst darin, die im Training gefahrene Zeit so präzis wie möglich wieder zu erreichen.» Für Tempo­freaks mag das unspektakulär klingen, aber für die Pilotinnen und Piloten der Oldtimer ist das eine Lebensphilosophie. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer an der Strecke, beim Start und am Ziel, sind alleine schon die schönen und gepflegten Autos eine Augenweide. Deren Jahrgänge reichen von 1911 bis 1966 und es werden 120 Fahrzeuge am Start stehen.

 

Foto: © mail@imago-werbung.com

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Das Gempenrennen wurde 1911 unter dem Titel «Bergprüfungsfahrt» erstmals ge­star­tet, aber nach 1947 nicht mehr durchge­führt. Im Jahr 2011, 100 Jahre nach der 1. Aus­tra­gung, liessen mehrere Initianten aus der «Classicgruppe» des ACS (Automobil Club der Schweiz) diese schöne Tradition als Gem­pen-Memorial wieder aufleben.
Die Fahrerinnen und Fahrer kommen aus allen Gegenden der Schweiz. Starten können alle Fahrzeuge, die vor dem 1. Januar 1967 immatrikuliert worden sind und die technische Kontrolle am Renntag bestanden haben.

Ein Publikumsrenner

Da das Gempen-Memorial nur alle drei Jahre ausgetragen wird, ist mit einem grossen Zuschaueraufmarsch zu rechnen. Weil die ganze Fahrstrecke abgesperrt ist, werden zwischen Dornach und Gempen Shuttle-Busse eingesetzt, welche das interessierte Publikum an die Orte des Geschehens bringen. Natürlich sind Start- und Zielgelände besondere Anziehungspunkte, aber auch bei den Haarnadelkurven auf der Passstrasse wird es Kiebitze haben. Wer sich jedoch so einen besonderen Platz zum Zuschauen aussucht, muss diesen zu Fuss erreichen. Für OK-Mitglied Heinz Haudenschild hat das Fahrerlager in Gempen, beim Schulhaus, eine besondere Anziehungskraft. «Da sieht man alle Oldtimer auf engem Raum und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen zwischen den Wertungsläufen im­mer wieder dorthin zurück. Selbstverständ­lich befindet sich auf dem Gelände auch eine Festwirtschaft, welche zum Verweilen einlädt.»

 

Foto: © mail@imago-werbung.com

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Weitere Verpflegungsmöglichkeiten sind im Start- und im Zielbereich aufgebaut. Der Start des 1. Wertungslaufes beginnt um 10.30 Uhr. Vier weitere Läufe folgen; der letzte startet um 16.30 Uhr.
Traditionsreiche Automarken werden am Start sein. Liebhaber können sich unter anderem auf Bentleys, Porsches, Mercedes und Bugattis freuen. «Bei der letzten Austragung des Gempen-Memorials 2014 war sogar ein Teilnehmer mit einem Bugatti am Start, der einmal dem Erbauer Ettore Bugatti selber gehört hat», berichtet Heinz Haudenschild.
Beim diesjährigen Memorial wird das OK mit einem besonderen «Gag» aufwarten: Quasi als «regionenverbindende» Massnah­me werden je eine Regierungsrätin oder ein Regierungsrat aus den Kantonen Solothurn, Basel-Landschaft und Basel-Stadt starten. Ihnen wird für die Prüfung ein Oldtimer zur Verfügung gestellt. Eine interessante Ausgangslage, denn Präzision und «Dinge auf den Punkt bringen» sollten für Politiker ja nicht schwierig sein ...

 

Text: Heinz Studer, Fotos: IMAGO Werbung, Binningen und Rudolph Menzi