Das Bergrestaurant Kallhof oberhalb von Eptingen

Das Bergrestaurant Kallhof oberhalb von Eptingen. Foto zVg

Samstag auf dem Land

Die Luft riecht würzig, der Miststock dampft, der Hahn ist verstummt. Die Gedanken an die Stadt, an die endlose Parkplatzsuche oder an das verspätete Tram, die gesperrte Strasse, an den schreibwütigen Polizisten und an das genervte Verkaufspersonal werden durch eine kreischende Motorsäge unterbrochen.

 

Bauer Hummel ist spät dran, schneidet das Holz für den Winter zu, Sohn George stapelt die Scheite auf. Wild wechselt an der Waldgrenze und aus der Küche des Gasthofs duftet die Brühe des Suppenfleischs. In gut zwei Stunden wird auf dem Tisch die Schüssel stehen, daneben eine Flasche Blau­burgunder. Vorerst lindert ein Griebenschmalzbrot die ersten Gelüste. Zeit, sich vor dem Mittagstisch die Beine zu vertreten. Zeit, die Natur zu besuchen oder gleich auf der Sonnenbank eine Pause einzulegen oder im kissenweichen Moospolster über die Leichtigkeit des Seins zu sinnieren. Einfach nur über ein Stück ofenfrischer Früchtekuchen nachzudenken, geht aber auch. Es ist Zeit fürs ­reelle Gasthaus statt fürs Gourmettheater. Im «Kallhof» ankommen, sich zurücklehnen und bleiben. Wer es ruhig mag, sucht sich die Regentage aus und meidet die Wochen­enden. Patrick Meury kocht ohne Klimbim eine solide Küche, die sich an Region und Saison orientiert. Das saftige Kotelett mit Kräuterbutter überzeugt genauso wie das wunderbare Holzofenbrot, von dem eh alle immer zu viel essen. Der «Kallhof» ist ein sympathischer Ort für zwischendurch und immer wieder mit schönen Aussichten auf Land und Teller.

Heimatlich

Genauso schön ists im «Rössli» in Oberdorf. Das Ganze ist ein Rundum-sorglos-Paket, mit Herzlichkeit, gutem Fleisch von der Wiese nebenan und einem Wurstsalat der besseren Art. Wer die Region erkunden will, setzt auf den öffentlichen Verkehr und fährt von Liestal mit der BLT-Buslinie 70 nach Reigoldswil. Dort steigt er nicht für einen Single Malt in Ziefen an der «Haupt­stross 100» aus, sondern fährt weiter bis zur Endstation und erreicht nach kurzem Spaziergang die Talstation der Luft­seil­bahn, die ihn auf die Wasserfallen führt. Oben angekommen gehts weiter zur «Bergwirtschaft Waldweid», die mit Speck, Trockenfleisch und mehr überzeugt. Näher bei Liestal liegt die patinierte «Abendsmatt» der Familie Schmutz. Hier wird das Einfache mit Wurst und Brot und Kaffee und Kuchen täglich von 14 bis 18 Uhr auf der son­nigen Terrasse oder in der guten Stube ze­le­briert. Wer die «Abendsmatt» besucht, kommt mit Zeit und Respekt. Dann kommt es gut.
Gut wirds auch, wenn man zwei Blicke hinter den Hauenstein wirft. 1233 Meter hoch ist der Oberdörferberg bei Gänsbrunnen, der zu Fuss oder motorisiert erklommen werden kann. Dort warten in der Bergbeiz die sympathischen Gastgeber Luzia und Andi mit einer taufrischen Küche auf ihre Gäste. Suppe, Braten und Waje, alles gut, alles hausgemacht. Regnet es, hilft das Fondue gegen die meteorologische Tristesse.
Und zum Schluss noch zu einem anderen Liebling. Das «Hofbergli» ob Günsberg be­grüsst seine Gäste mit Alpensicht und Hack­braten. Bekannt sind Gabi Fischer und Andreas Deola auch für ihre Rösti mit Speck, ihre hausgemachte «Züpfe» und die wunderbaren Kuchen. Ihr Betrieb umfasst 44 Hektaren mit Weiden, Heuwiesen, Wald und zufriedenen Viechern. Ob nun Wanderer, Tagesausflügler, Romantiker oder Kletterer – im «Hofbergli» kommt man sich an den Tischen näher. So soll es, so muss es in einer Beiz sein. Viel Vergnügen!


Text: Martin Jenni, Foto: zVg