Foto: Verena Jäschke

Sichtbares, Unsichtbares

Es ist ein ewiges Thema, das Thema von Leben und Tod, Vergänglichem und Unvergänglichem – oder eben von Sichtbarem und Unsichtbarem. Mit einem Kunstprojekt zu diesem Thema lädt die Arlesheimer Kulturkommission vom 28. Oktober bis zum 5. November 2017 zu einer besonderen Ausstellung auf den Alten Friedhof und in die Trotte Arlesheim ein.

 

«Es knospt unter den Blättern, das nennen sie Herbst», beschreibt es Hilde Domin. Wenn sich die Natur im Herbst zurückzieht, um Kräfte für den Neubeginn im Frühjahr zu sammeln, dann ziehen sich auch die Menschen zurück, besinnen sich, kommen zur Ruhe. Herbst ist auch die Zeit der Stille und der Einkehr. Es ist die Zeit der Totengedenken, der Zwiesprache mit den Verstorbenen. 

Eine Oase der Ruhe

Während ich dies schreibe, sitze ich auf dem Alten Friedhof in Arlesheim. Er lädt zum ­Innehalten ein, zum Reflektieren über das Leben wie über den Tod. Seit einigen Jahren als Bauerngarten von fleissigen Hän­den neu bewirtschaftet, strahlt er sowohl Ruhe als auch Kraft aus – wahrlich ein Ort zur Besinnung, aber auch einer für die Sinne. 
Dass dieser Ort wie kein anderer für die Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Tod geeignet ist, entdeckte eine Gruppe von Künstlern aus Arlesheim und Umgebung. Ursprünglich unter dem Titel «Salve Vale» konzipiert, was sich als «Sei gegrüsst und lebe wohl!» verstehen lässt, zeigt die Ausstellung «Sichtbares, Unsichtbares» Wer­ke von Gregori Bezzola, Barbara Groher, Ernst Schneider (1949–2017) und Johannes Sloendregt. Der unerwartete Tod von Ernst Schneider während der Vorbereitungsarbei­ten zu dieser Ausstellung verleiht dem Ganzen eine neue, zu Herzen gehende Dimension. Seine Ideen werden nun in seinem Sinn von den anderen mit umgesetzt. Jeder der vier Künstler hat seinen eigenen Zugang zu dem Thema, was in den individuellen Sta­tio­nen zum Ausdruck kommt, die mit einem «ro­ten Faden» zu einem Ganzen verwoben werden.

 

Grabmauer

 

Eine Ausstellung für den Geist und für die Sinne

An 21 verschiedenen Stationen auf dem Alten Friedhof und an 11 Stationen auf den drei Etagen der Trotte zeigen die Künstler ihre ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema mittels unterschiedlicher Kunstformen. Einige Stationen draussen ha­ben ihr Pendant in den Innenräumen. Mit Farbe, Licht, Klang und Wort entstehen diverse Kunstinstallationen, die den Ausstellungsbesucher, die Ausstellungsbesucherin einladen, sich den Fragen nach Vergänglichkeit und Ewigkeit zu öffnen und eigene Antworten für sich zu finden. Dabei kann die Suche nach dem Übersinnlichen durchaus ganz sinnlich erfahrbar werden, wenn der Besucher im Kompost Halbedelsteine suchen darf, einer Sphärenmusik lau­schen oder unter dem von Ernst Schneider für die Ausstellung entworfenen Sternenhimmel zur Ruhe kommen kann. 

 

Grabkreuz

 

Mehr Philosophie denn Religion

Auch wenn mit dem Alten Friedhof ein an sich christlich geprägter Ort gewählt wurde, ist doch die Ausstellung frei von religiösen Bezügen. Es ist eher eine philosophische Auseinandersetzung mit der Thematik. Das Kreuz wird als allgemeines Symbol verstanden und genutzt. Insofern kann auch jeder Ausstellungsbesucher unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit seinen eigenen Zugang finden. Symbole des Lebens und der Ewigkeit wie Feuer und Wasser werden ebenso künstlerisch verarbeitet wie die Begriffe Schwellen, Fruchtbarkeit, Spiegelung und Ewigkeit.

 

Urnenmauer

 

In der Dämmerung Hülle

Manche sprechen von der blauen Stunde, wenn der Tag das Zepter der Nacht übergibt. Die Dämmerung übt einen ganz eigenen Zauber aus. Um diesen zu nutzen, ist die Ausstellung täglich von 16 bis 22 Uhr geöffnet. Die Stationen draussen werden mit Kerzen beleuchtet. So wird nachts bereits die erste Station zu einem warmen Willkommensgruss für den Besucher, wenn die Kerzen den Weg des Labyrinths vor der Trotte in ein warmes Licht hüllen und damit ein besonderes Ambiente schaffen.
Sie sollten sich diese Ausstellung nicht entgehen lassen!

 

Text und Fotos: Verena Jäschke