Fotos: zVg

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An diesen Rennen sind Bestzeiten zweitrangig

Seifenkistenrennen haben in der Region Tradition. Spätestens nach den Sommerferien sollten alle Schrauben wieder angezogen sein, dann jagt ein Renntermin den nächsten.

 

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Die Seifenkiste ist ein Nachahmungsprodukt von Kindern aus der automobilen Frühzeit und hatte ähnlich durchschlagenden Erfolg. Der motorlose, fahrbare Untersatz begeistert Kinder bis heute. Hinter ein Lenkrad sitzen, eine abschüssige Strasse hinunterkesseln und sich dabei wie ein echter Rennfahrer fühlen! Diesen Kick bieten im Sommer gleich drei Seifenkistenrennen in der Region. Das älteste findet in Arlesheim statt. Seit 1961 wird im Domdorf mit wenigen Unterbrüchen jährlich ein Rennen ausgetragen. «Wir waren in der Schweiz wohl mehr oder weniger die ersten», erinnert sich Urs Heller in der Rennchronik der Jungwacht/Blauring Arlesheim; zusammen mit seinem Bruder Fredy (übrigens aktueller Mitarbeiter beim BirsMagazin!) initiierte er das erste Rennen. Anfangs noch in der Rebgasse, fanden die Rennen seit 1965 dann in der Ermitage statt, so auch das diesjährige am 2. September. Die regionale Seifenkisten-Saison wird eine Woche vorher in Dornach eröffnet. Die «Kühne Kisten», so heisst das Rennen dort, ist ein veritables Dorffest, dem in den letzten Jahren jeweils gegen 1000 Zuschauer beiwohnten. «Wir setzen bewusst auf Kreativität», erklärt Organisator Thomas Gschwind. Er hob den Anlass mit dem Verein Dornach Kunterbunt 2005 aus der Taufe, als das Rennen am Basler Spalenberg nicht mehr stattfinden sollte. «Dabei hatte ich doch für meine Tochter eine Kiste gebaut.» Zusammen mit Patrick Schäfer, einem befreundeten, versierten Seifenkistenbastler, hob er also sein eigenes Rennen aus der Taufe. 

 

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Auch Väter sind gefragt

Dass Väter für ihre und mit ihren Kindern eine Kiste bauen, ist typisch. Das macht die Rennen auch zu beliebten Familien-Events. Dabei steht der sportliche Wettkampf um Bestzeiten nicht unbedingt im Vordergrund, wenngleich an jedem Rennen eine Handvoll sehr ehrgeiziger und talentierter Fahrer dabei ist. Es ist aber nicht nur ein Event für Kinder. In Dornach fahren auch Erwachsene mit, da steigt auch einmal der Gemeindepräsident in eine Kiste. Dabei sein ist alles. 

 

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Gemeindepräsident Christian Schlatter und der Dornacher Raiffeisen-Chef in vollem Einsatz

 

Das ist auch das Motto des kurzen, aber höchst unterhaltsamen Inferno-Seifenkisten-Rennens der Robi-Spiel-Aktionen am Margarethen-Hügel in Basel. Auch das ist eigentlich eine Koproduktion von Patrick Schäfer und Thomas Gschwind. «Es ist ein schnelles und dynamisches Rennen», sagt Schäfer, der hier auch selbst noch regelmässig mit seiner Kiste durch die Teufelskurve und den Hexenkessel rast. Auch Prominente wie Black Tiger oder Regierungsrat Lukas Engelberger fegten letztes Jahr die kurze Strecke hinunter. Der Anlass ist mittlerweile sehr beliebt, über 50 Seifenkisten gingen zuletzt an den Start. Der Basler Grand-Prix markiert dieses Jahr am 9. September gewissermassen das Saisonfinale im regionalen Rennkalender.

 

Text: Lukas Hausendorf

 

Der Autor ist einmaliger Gewinner des Arlesheimer Seifenkistenrennens und organisiert den Event seit vielen Jahren gemeinsam mit anderen Ehemaligen der Jungwacht/Blauring Arlesheim zugunsten des Vereins.