Vogelautomat mit einem Vogel, der Flügel, Schnabel und Schwanz bewegt; Gehäuse aus Gold mit Email-Malerei,  reichen Verzierungen mit Perlen und Gravuren. Hersteller unbe­kannt, vermutlich Genf um 1820. Foto: zVg

Vogelautomat mit einem Vogel, der Flügel, Schnabel und Schwanz bewegt; Gehäuse aus Gold mit Email-Malerei, reichen Verzierungen mit Perlen und Gravuren. Der eigentliche Käfig ist aus Golddraht und wird von vier Säulen gehalten, auf denen kleine Pokale mit Perlen thronen, achteckiger Sockel mit Prankenfüssen; Hersteller unbekannt, vermutlich Genf um 1820.  Foto: zVg

 

Eine Sonderausstellung, die es in sich hat: «Klingendes Gold»

Das Museum für Musikautomaten in Seewen präsentiert eine neue Sonderausstellung und bereitet sich auf das Jubiläumsjahr vor. 2019 feiert das von Heinrich Weiss gegründete Museum den 40. Geburtstag.

 

Die Meisterwerke der Uhrmacher- und Musikautomatenkunst, die seit 1. Juni in einer Sonderausstellung gezeigt werden, waren damals, zur Zeit ihres Entstehens, wohl eher etwas für Gutbetuchte. «Die im Verlauf des 18. und 19. Jahrhunderts entstandenen Miniaturversionen von Musikautomaten stammen mit einer einzigen Ausnahme alle aus der Sammlung des Museums für Musikautomaten», erklärt Dr. Christoph E. Hänggi. «So filigran wie diese klingenden, in Echtgold glänzenden Fingerringe, Schmuck- und Schnupftabakdosen und vieles mehr geschaffen waren, mussten diese sehr teuer gewesen sein,» bestätigt Hänggi, der dem BirsMagazin bereits vor der Ausstellungseröffnung Einblick in die Sonderschau gewährte. «Über Preise wissen wir zwar wenig, aber solche Schmuckstücke, wie dieser klingende goldene Singvogelkäfig (er deutet auf eine Abbildung), dürften sich damals im Preissegment eines kleinen  Einfamilienhauses bewegt haben», zeigt der Museumsdirektor die Relationen auf. 

 

Gerade weil das einfachere Volk kaum Zugang zu solchen Exklusivitäten hatte, ist diese Sonderausstellung, die bis am 31. Januar 2019 im so genannten KlangKunst-Saal zu sehen ist, besonders interessant. Vom Fingerring mit Musikwerk über klingende Schmuck- oder Schnupftabakdosen, Uhren, Messer, Parfümflacons bis hin zu Vogelkäfig, Prunkvase – dies und vieles mehr zeigt die Sonderausstellung «Klingendes Gold». 

 

Die Herstellung solcher hier präsentierten kostbaren kleinen Accessoires wurde zwischen 1800 und 1900 zu einer Spezialität der Genfer Uhrmacherkunst. «Diese Bijoux de Genève wurden damals von Lissabon bis St. Petersburg in Stückzahlen bis 300 pro Monat an die reiche Oberschicht verkauft», weiss der Museumsdirektor. 

 

Die Sonderausstellung «Klingendes Gold» ist zur Besichtigung ohne Führung geeignet. Die Saaltexte, die auch mit weiteren illustrierten Informationen auf Laptops zur Verfügung stehen, geben weitreichende Informationen zu den ausgestellten Objekten. Wer noch mehr wissen will, beteiligt sich an einer der Spezialführungen am 22. Juni, 24. August, 28. September und 26. Oktober, jeweils um 11 Uhr (Anmeldung erforderlich, Platzzahl beschränkt).

 

Musikwerk mit 60 Tönen und 2 Melodien; Gehäuse aus Gold mit Perlen und mit Email-Malerei auf Deckel und im Automatenbild; Hersteller unbekannt, vermutlich Genf um 1815. Foto: zVg

Die Tür des Tempels öffnet sich, ein Lyraspieler erscheint, die Säulen und der Architrav wechseln alle paar Sekunden die Farbe, das Sonnenrad dreht sich; Musikwerk mit 60 Tönen und 2 Melodien; Gehäuse aus Gold mit Perlen und mit Email-Malerei auf Deckel und im Automatenbild; Hersteller unbekannt, vermutlich Genf um 1815.  Foto: zVg

 

Jubiläumsjahr in Vorbereitung

Im April 1979 hat der Sammler Heinrich Weiss, der heuer im Juni seinen 98. Geburtstag feierte, das Musikautomatenmuseum am Bollhübel in Seewen gegründet. «Dieses 40-Jahre-Jubiläum soll gebührend gefeiert werden», findet Christoph E. Hänggi und lässt bereits in die geplanten Aktivitäten blicken: Vier Sonderschauen werden ab März bis April 2020 Besucherinnen und Besucher in die vier Jahrzehnte eintauchen lassen. Die erste (März bis Mai) widmet sich dem Thema Figurenautomaten, gefolgt von Musikdosen und Plattenspielautomaten, die den Anfang der Sammlung von Heinrich Weiss repräsentieren (Juni bis August), danach sind Tourismusartikel, wie beispielsweise Chalet-Kurbeldosen, an der Reihe (September bis November) und schliesslich folgen Bahnhofautomaten, teilweise auch aus der Sammlung SBB Historic (Dezember bis April 2020). Ein eigentlicher Jubiläumsanlass und ein Sommerfest sind ebenfalls geplant.

 

Text: Martin Staub